Kasseler Hafen sollte an Nordsee angebunden werden

40 Jahre Staustufe Wahnhausen

Probelauf: Die ersten Fahrgastschiffe, die 1980 die neue Schleuse passierten, hatten neugieriges Publikum, das von oben herabschaute. Foto: nh / Repro: Dilling

Fuldatal. Vor 40 Jahren begann mit dem Bau der Staustufe Wahnhausen der Ersatz der baufälligen alten Schleusen- und Nadelwehranlagen an der unteren Fulda.

Er wurde 1994 mit der Einweihung des sanierten Walzenwehrs der Kasseler Schleuse abgeschlossen.

Doch der Baubeginn in Wahnhausen war - gemessen an früheren hochfliegenden Plänen der Politik für eine Anbindung Kassels an die Güterschifffahrt auf der Weser bis hin zur Nordsee - eine Notlösung statt der große Wurf. Aus der ursprünglichen Idee, die Fulda durch eine großzügige Kanalisierung für 1000-Tonnen-Frachtschiffe befahrbar zu machen, wurde nichts. Dabei haben Unternehmen im aufstrebenden Kassel Interesse, Waren und Maschinen auf der Fulda zu verschiffen.

Die neu gebauten Schleusen sind so klein, dass sie nur Sportboote und kleine Fahrgastschiffe aufnehmen können. Und selbst die Aussicht dieser bescheidenen Schifffahrt ist trübe. Ende 2016 könnte damit zumindest für die Kasseler Freunde der Fulda-Schifffahrt Schluss sein, wenn bis dahin nicht genügend Geld für die millionenteure Sanierung der Kasseler Schleuse aufgetrieben wird. Um die finanzielle Beteiligung des Bundes, der Eigentümer der Wasserstraße ist, wird erbittert gefeilscht.

Die Geschichte der Schiffbarmachung der Fulda für den Güterverkehr ist zugleich eine Geschichte ihres Scheiterns. Schon die Landgrafen hatten mit dem Bau von Wehren und Schleusen begonnen. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts kam die Fuldaschifffahrt wegen der aufstrebenden Konkurrenz der Eisenbahn zum Erliegen. Erst 1890 wurde mit dem Bau des Kasseler Hafens begonnen, die Fahrrinne vertieft und sieben Stauanlagen aus Schleusen und Nadelwehren auf dem 28 Kilometer langen Abschnitt zwischen Kassel und Hann. Münden gebaut. In den 1950er-Jahren, nach einer kurzen Blütezeit, ging es mit der Güterschifffahrt jedoch schnell bergab. Die Stauanlagen waren marode geworden und inzwischen viel zu klein für die immer größer werdenden Frachtschiffe. Viele in der Region machten sich anfangs für eine Kanalisierung der Fulda stark. 1968 schlossen der Bund, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bremen und die Stadt Kassel ein Abkommen zum Ausbau der Fulda für 1000-Tonnen-Güterschiffe. Doch wenige Jahre darauf wurde der Plan eingemottet. Die Widerstände waren vielfältig. Der Bundesrechnungshof monierte explodierende Kosten, Politiker verwiesen auf den billigeren Lkw-Transport und Naturschützer gingen auf die Barrikaden.

40 Jahre Staustufe Wahnhausen an der Fulda

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