Vor 30 Jahren begann der Bau des Lohbergtunnels

Großprojekt: Acht Monate wurde Tag und Nacht gearbeitet, um das Nord- mit dem hier abgebildeten Südportal zu verbinden. Allein der Bau des Tunnels kostete 1985 schon 21 Millionen Mark (10,7 Mio. Euro). Archivfoto:  Bauer

Fuldatal. Es war ein umstrittenes Großbauprojekt, das heute vor 30 Jahren in Fuldatal seinen Anfang nahm. Mit dem Bau des Lohbergtunnels bekam der Landkreis Kassel seinen ersten Eisenbahntunnel. Ein Rückblick.

Außerdem schaffte die Bundesbahn damals auch die Voraussetzung für die Schnellbahnstrecke von Hannover nach Würzburg. 265 Millionen Mark (135,5 Millionen Euro) wurden damals für den Bereich der Neubaustrecke in Fuldatal eingeplant.

Irene Eiermann, Ehefrau des damaligen Landrats Willi Eiermann, übernahm nicht nur die Rolle der Schutzpatronin für die Tunnelbauer, sondern schlug auch pünktlich um 14 Uhr den Eingang zum Südportal an - am nördlichen Eingang in Höhe der Märchenmühle hatten zu dem Zeitpunkt die Arbeiten bereits begonnen.

Mit dem Anstich begann auch eines der schwierigsten Projekte auf der Neubaustrecke. Geologische Untersuchungen hatten gezeigt, dass in dem Berg brüchiges Gestein vorkommt. Um die Gefahren für die Arbeiter zu mindern, musste auf Forderung des Bergamtes Kassel rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb gearbeitet werden.

Mit Erfolg, denn nur acht Monate nach dem Baubeginn erfolgte am 21. Januar 1986 mit einer kleinen Explosion der Durchstich am Lohbergtunnel - natürlich vorgenommen von Schutzpatronin Eiermann, die in den Monaten zuvor als einzige Frau die 40 Arbeiter unter Tage besuchen durfte. 107 000 Kubikmeter Erde hatten die Arbeiter bis zu diesem Zeitpunkt aus dem 352 Meter langen Bauabschnitt entfernt. Zusätzlich wurde das Gewölbe mit 34 000 Tonnen Spritzbeton gesichert.

Alltägliches Bild: Durch das Nordportal in Höhe der Märchenmühle fahren seit 1991 die Schnellzüge der Bahn. Foto:  Seidenfaden

Bis allerdings auch Schnellzüge durch den Tunnel fahren konnten, sollte es noch fünf weitere Jahre dauern. Denn erst 1991 wurde der Streckenabschnitt zwischen Kassel und Fulda freigegeben. Bis dahin wurde auch der Tunnel deutlich größer als ursprünglich geplant. Denn ein Teil des unmittelbar an den Südeingang des Tunnels neu gebauten Kreuzungsbauwerks Kahnwiese wurde anschließend dem Tunnel zugerechnet, der so auf eine Gesamtlänge von 1072 Metern kam. In Betrieb musste der Tunnel aber schon 1989 gehen, da die benachbarte alte Bahnstrecke wegen Bauarbeiten bis Mitte 1990 gesperrt werden musste.

Der Bau des Tunnels war nicht unumstritten. Schon beim Baubeginn Ende Mai mahnte Fuldatals Bürgermeister Rudolf Stoepel, dass das Projekt nur erfolgreich sei, wenn die Eingriffe in die Natur wieder ausgeglichen würden. Anfang 1991 hatte die Bahn zwar schon Zehntausende Bäume gepflanzt, dennoch musste noch weiter aufgeforstet werden.

Auch die Fuldataler Feuerwehr hatte anfänglich Probleme mit dem Bauwerk. Diese bemängelte 1989, dass man noch keinerlei Informationen von der Bundesbahn erhalten habe, wie der Einsatz im Falle eines Unglücks im Tunnel ablaufen solle. Ab 1990 wollte die Bahn der Feuerwehr ermöglichen, im dann wieder gesperrten Tunnel den Katastrophenschutz zu üben.

Von Max Seidenfaden

Vor 30 Jahren wurde mit dem Bau des Lohbergtunnels begonnen

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