Neubaugebiet "Auf der Treber"

Kampfmittelräumdienst fand Wehrmachtshelme an Fuldataler Sportplatz

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Fundstück aus der Kriegszeit: Auch diesen Helm hat der Kampfmittelräumdienst am alten Ihringshäuser Sportplatz gefunden. Auf dem 1,2 Hektar großen Gelände soll in den nächsten Monaten das Neubaugebiet „Auf der Treber“ entstehen. 

Fuldatal. Wehrmachtshelme, Granaten und Räder von Bergbauwaggons – der Kampfmittelräumdienst hat bei Sondierungsarbeiten am alten Sportplatz in Fuldatal-Ihringshausen ein Stück Ortsgeschichte ausgegraben.

Die Arbeiten waren notwendig, weil auf dem 1,2 Hektar großen Gebiet in den nächsten Monaten das Neubaugebiet „Auf der Treber“ entstehen soll. Dort, wo einst die Fußballer des TSV Ihringshausen und zuletzt  die Kicker der JSG Fuldatal ihre Heimspiele ausgetragen haben, häufen sich bergeweise Schutt und Erde – fein säuberlich sortiert nach Material und Materie. 

Räder einer alten Lore: Das Gelände war früher Teil der Braunkohlezeche auf dem Möncheberg.

Im Bereich des alten Strafraums liegen verrostete Soldatenhelme, im Anstoßkreis Ziegelsteine und Bauschutt. Drei Wochen hat sich eine Spezialfirma aus der Nähe von Berlin durch den 2013 stillgelegten Fußballplatz gearbeitet, hat mit Metalldetektoren nach Blindgängern gesucht. „Was die da alles rausgeholt haben, überrascht mich schon“, sagt Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU).

Volker Luckhard, Vorsitzender des Geschichts- und Museumsvereins Fuldatal, vermutet, „dass das Gebiet nach dem Zweiten Weltkrieg als Schuttabladeplatz genutzt worden ist“. Die Räder alter Loren dürften aller Wahrscheinlichkeit nach aus der ehemaligen Braunkohlezeche auf dem Möncheberg stammen. „Wo heute der alte Sportplatz ist, war früher auch Zechengelände“, sagt Luckhard. In der Zeche wurde über 140 Jahre lang Braunkohle zutage gebracht. 1963 wurde die Industrieanlage geschlossen.

Nachdem der Kampfmittelräumdienst grünes Licht gegeben hat, kann die Gemeinde die Erschließung des Neubaugebietes vorantreiben. Die Ausschreibung läuft bereits. Der Zeitplan sieht vor, dass die Bauarbeiten Anfang September beginnen. „Zum Jahresende wollen wir die Grundstücke verkaufen“, sagt Schreiber. Zunächst werde nur ein erster Abschnitt auf dem ehemaligen Sportplatz erschlossen. Geplant ist, dass entlang der Linden im nördlichen Bereich die neue Straße „An den Lindenbäumen“ entstehen soll, die dann die Zufahrt zum Neubaugebiet gewährleisten wird.

Hier entsteht das Neubaugebiet: Rechts, entlang der Linden, soll eine Straße gebaut werden, die dann zu den Mehr- und Einfamilienhäusern führt. Das alte Umkleidegebäude hinten wird abgerissen.

Auf dem alten Sportplatz wird laut dem Bürgermeister Platz für zwei Mehrfamilienhäuser und rund ein Dutzend Einfamilienhäuser sein. Die Nachfrage nach Grundstücken in Fuldatal sei groß: „Bei der Gemeinde haben sich über 100 Interessenten vormerken lassen“, sagt Schreiber.


In Ihringshausen wurden in 143 Jahren insgesamt 15 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut. Gegründet wurde die Zeche auf dem Möncheberg 1820 von Bildhauer und Industriellensohn Werner Henschel. Die Kohle aus dem Ihringshäuser Grubenfeld wurde anfangs hauptsächlich für Ziegeleien benötigt. Als Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Kassel-Bebra begonnen wurde, stieg der Absatz der Möncheberger Kohle sprunghaft an. 1921 war der Förderhöhepunkt mit fast 240 000 Tonnen erreicht. Im Mai 1943 waren die Vorräte auf 300 000 Tonnen geschrumpft. Da sie jedoch unter der kriegswichtigen Heeresmunitionsanstalt Ihringshausen-West lagen, wurde das Werk stillgelegt. 1951 lief der Betrieb weiter. Zwölf Jahre später war dann endgültig Schluss. Als dann auch der Betriebsschornstein, lange das Wahrzeichen von Ihringshausen, gesprengt wurde, verschwand auch der letzte sichtbare Rest der Industrieanlage. Mehr zum Bergbau in Ihringshausen imRegiowiki.

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