Krippe vor Schließung: Kleinkind wird nur einen Monat betreut

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Fiel aus allen Wolken: Iris Stöber mit Tochter Enya vor dem Eingang der Kinderkrippe „Die kleinen Schneegänse“, die Ende September geschlossen wird. Damit fehlt der Betreuungsplatz, den Iris Stöber benötigt.

Fuldatal. Iris Stöber aus Simmershausen ist richtig wütend. Mit ihrer Tochter Enya - seit Freitag ein Jahr alt - macht die zweifache Mutter seit zwei Wochen eine Einführungsphase in der Kinderkrippe im Ort mit. Ab September soll ihre Tochter dort betreut werden. Eigentlich.

Diese hatte die junge Mutter im April angemeldet. Vor wenigen Tagen erfuhr Iris Stöber „durch Zufall von dem Gerücht, dass die Krippe Ende September schließt".

Dieses Gerücht habe Tobias Räuber, Betreiber der Krippe, auf Nachfrage bestätigt. Wie andere Eltern, deren Kleinkind zu den „kleinen Schneegänsen“ gehören, und die Stöber informierte, sei sie aus allen Wolken gefallen. Selbst die beiden Mitarbeiterinnen der Krippe hätten von der Schließung nichts gewusst. „Das geht doch nicht, so was darf man nicht machen“, kritisiert Stöber den Betreiber.

Der habe zwei Stunden nach ihrem Anruf vor der Tür seiner Krippe in Simmershausen gestanden, um einer Mitarbeiterin zu Ende September zu kündigen und der zweiten statt Vollzeit- eine halbe Stelle in seiner Einrichtung in Bettenhausen anzubieten, sagt Stöber.

Dort könne auch ihre Tochter betreut werden, habe Räuber gesagt. „Kann ich Enya schon um 5.30 Uhr abgeben?“, habe sie den Betreiber gefragt. Denn ab 1. September wird die zweifache Mutter wieder in der Unfallchirurgie des Klinikums Kassel arbeiten. In Teilzeit, aber in drei Schichten, wie sie betont.

Fängt sie früh an, kann ihr Mann Sohn und Tochter in Simmershausen in Kindergarten und Krippe bringen. „Aber Bettenhausen, das Angebot ist völlig daneben.“ Und was die junge Mutter auch aufregt: sie mit ihrer Tochter „jetzt eine Eingewöhnung machen zu lassen, obwohl geschlossen wird. Das ist hirnrissig.“

Sich über das Verhalten des Betreibers aufzuregen, ist das eine, ab Oktober keine Betreuung für Enya zu haben, das andere. Ihren einjährigen Sohn Finn betreute seinerzeit eine Tagesmutter. Derzeit gibt es in Fuldatal dieses Angebot nicht.

Iris Stöber aber ist auf eine Betreuung angewiesen und versucht alles in ihrer Macht Stehende. Sie informierte die Jugendbehörde des Landkreises über die Krippen-Situation in Simmershausen, setzte sich mit der Gemeinde in Verbindung. Sie sprach mit dem Vermieter der Krippen-Räume in der Raiffeisenstraße und auch mit der Betreiberin der Einrichtung in Ihringshausen.

Dort meldete die Mutter Enya ab Oktober an. „Aber was ist mit den anderen fünf Kindern in der Krippe und den Eltern ohne Auto? Es fehlen die Plätze in Simmershausen“, sagt Iris Stöber. Die hofft auf Kleinkindbetreuung im Ortsteil und auf die Hilfe von Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU), mit dem sie nächste Woche einen Termin hat.

Das sagt der Betreiber

Die Krippe in Simmershausen schließe er, weil die komplette Förderung durch das Land weggefallen ist, sagt Betreiber Tobias Räuber. Für einen privaten Träger sei es schwer, dies auszugleichen. Den Zeitpunkt habe er gewählt, weil im Sommer viele Kinder die Krippe verließen. Mit derzeit nur noch fünf Kindern sei die notwendige Zahl nicht mehr vorhanden. Bis zu zehn Kinder werden in einer Krippengruppe betreut.

Er habe das Gespräch mit den Eltern gesucht und nachdem Iris Stöber vor einem Gesprächstermin angerufen habe, habe er ihr wie auch einer Mitarbeiterin angeboten, zum Hauptsitz nach Bettenhausen zu wechseln. Der anderen Mitarbeiterin habe er vorgeschlagen, als Tagesmutter die vorhandenen Räume weiterzunutzen. Dass er jetzt Fördergeld zurückzahlen muss, ist normal, meint Räuber.

Das sagt der Landkreis

Der Träger verhält sich nicht so, wie er sich verhalten sollte, meint Kreissprecher Harald Kühlborn. Zwar habe Tobias Räuber bereits im April angekündigt, dass er vielleicht schließen will. Bis zum 18 August haben wir aber nichts Konkretes gehört. Auch Mitarbeiter und Eltern hätten rechtzeitig informiert werden müssen. Dies nicht getan zu haben, wirft ein Licht auf die Verlässlichkeit des Trägers, meint Kühlborn. Wir haben das hessische Sozialministerium als oberste Aufsicht informiert. Jetzt müsse ein anderer Träger gefunden werden. Der Landkreis fordert einen niedrigen fünfstelligen Betrag an gezahltem Fördergeld zurück, mit dem Räuber 2009 eine langfristige Verpflichtung einging.

Von Michael Schräer 

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