Kommunen fehlen die Finanzexperten

Kehrte der Finanzverwaltung den Rücken: Martin Gronemann war Kämmerer in Ahnatal, bevor er ins Rathaus nach Fuldatal wechselte, um den Posten des büroleitenden Beamten zu übernehmen. Fotos: Schräer / Archivfotos: Schräer / privat / nh

Fuldatal/Ahnatal. Ihre Materie ist eine trockene, aber sie sitzen an entscheidenden Positionen in den kommunalen Verwaltungen: die Kämmerer.

Diesen wurde oft eine Position in der zweiten Reihe zugewiesen zum Beispiel als Abteilungsleiter der Hauptämter, mit entsprechender geringer Bezahlung, sagt Fuldatals Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU). Wenig attraktiv und ein Grund dafür, dass Kommunen im Landkreis Kassel Probleme haben, Kämmerer zu finden. Zum Beispiel Fuldatal.

Dort war Manfred Ludewig (SPD) bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister von Vellmar für die Einnahmen und Ausgaben Fuldatals zuständig. Da einige Monate zwischen Wahl und Amtsantritt lagen, kümmerte sich Bürgermeister Schreiber frühzeitig um einen Nachfolger. Man entschied sich für eine Person aus der Wirtschaft, fit in Finanzdingen, aber nicht in Verwaltungsarbeit, wie sich herausstellte. Der Mann warf nach sechs Monaten im Herbst das Handtuch.

Es war die Zeit, den Haushalt 2015 aufzustellen und das ohne Finanzfachmann. Daher wurde für einige Monate per Beratervertrag Michael Wielert (SPD) zur Hilfe geholt, ehemaliger Bürgermeister Espenaus und davor stellvertretender Kämmerer von Vellmar.

Ja, es fehlen Diplom-Verwaltungswirte nach Fachhochschulstudium, die dem gehobenen Dienst zugeordnet sind und den Job des Kämmerers übernehmen können, betont Wielert. Denn die Kommunen selbst bilden keine aus und auch die Finanzämter inzwischen nicht mehr.

Möglich ist auch, dass sich Verwaltungsangestellte, wie derzeit in Fuldatal sechs ausgebildet werden, zum Verwaltungsfachwirt weiterbilden. Nur müssten die Kandidaten „eine Affinität zu Zahlen haben“, sagt Schreiber.

Gerade jetzt, da nach der Umstellung auf die Doppik, eine an die Wirtschaft angelehnte Buchführung, noch viel aufzuarbeiten sei, sagt Martin Gronemann. Der war bis Januar Kämmerer in Ahnatal und wechselte als Büroleiter ins Fuldataler Rathaus.

Sein Wechsel wie vor Jahren bei Wielert und zuletzt bei Ludewig ein Indiz dafür, dass Kämmerer sich nach Erfahrungen in einer Schlüsselfunktion für höhere Aufgaben empfehlen.

Gronemanns Weggang in Ahnatal hinterließ dort einen freien Kämmerer-Posten. Dieses Problem will man dort intern lösen. So werden Aufgaben neu zusammengefasst. Und Michael Sewe, bisher Leiter Ordnungsamt / Bürgerservice, verantwortet auch die Finanzen. Er hatte sich entsprechend weiterqualifiziert.

Und in Fuldatal? Dort wird es laut Bürgermeister im Sommer einen neuen Kämmerer geben. Dieser komme aus einer Kommune aus dem Landkreis Kassel und habe sich nach der Verwaltungsausbildung zwei Jahre fortgebildet.

Das sagt Michael Steisel

„Seit geraumer Zeit beschäftigt das Thema Kämmerer die Bürgermeister im Landkreis“, sagt Michael Steisel (SPD). Der Söhrewalder Verwaltungschef ist Vorsitzender der Bürgermeisterdienstversammlung. „Es ist eine missliche Lage.“ Das Personalkarussell drehe sich permanent im Bereich Finanzen, oft zuungunsten der Verwaltungen.

Fachleute werden in kleineren und mittleren Kommunen nicht ausgebildet. Unterstütze man die Zusatzqualifikation eines Mitarbeiters, gebe es oft nicht gleich eine Verwendung. Daher wechselten diese zum Beispiel in größere Verwaltungen oder Unternehmen. Aus Söhrewald ging zuletzt die Leiterin der Gemeindekasse zu den Stadtwerken Baunatal. Für eine Nachfolge „gab es keine einzige Bewerbung“, sagt Steisel. Vielleicht sollten sich Kommunen im Kreis zusammenschließen, um Finanzleute auszubilden, meint Steisel.

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