Defekt behoben

Kuppel der Volkssternwarte Rothwesten war beschädigt - Ab November wieder geöffnet

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Nur mit Seilen gesichert: Zwei Industriekletterer der Firma Suchan aus Kassel reparierten von außen die Bronzeschiene.

Fuldatal. Seit Ende Mai ist die Volkssternwarte in Rothwesten geschlossen. Grund dafür war ein Defekt an der Kuppel.

Jetzt wurde sie in einer spektakulären Aktion von zwei Industriekletterern repariert und ab November kann vom Häuschenberg wieder in die Sterne geguckt werden.

Eine Woche vor Pfingsten passierte das Unglück. Es war eine sternenklare Nacht, und ein Mitarbeiter der Volkssternwarte wollte nach einer Führung den ungetrübten Blick in den Sternenhimmel noch alleine genießen. Als er gegen 2.30 Uhr die Kuppel wieder schließen wollte, ließ sich der Kuppelspaltschließer nicht mehr bewegen.

„Zu der Zeit gab es fast jeden Tag Schauer oder Gewitter“, sagt Angelika Spitzer-Klinger, deren Vater Anfang der 1960er-Jahre die Sternwarte gebaut hat. Von innen wurde die Kuppel provisorisch mit Planen zugehangen, die mit Querbalken angenagelt wurden, um dem Wind auf dem Häuschenberg standzuhalten. Denn weder das Holz noch das empfindliche Teleskop im Innenraum der Kuppel dürfen nass werden.

Hielt 54 Jahre lang: Die Bronzeschiene auf der Kuppeloberfläche war gebrochen und es fehlte ein 90 Zentimeter langes Stück, das jetzt ersetzt wurde.

Das Problem war, dass niemand wusste, woran es hakte. „Dass eine Schiene auf dem Dach abgeht, konnte sich einfach keiner vorstellen“, sagt Ralf Gerstheimer, Mitarbeiter der Sternwarte. Auf der Kupferhaut der Kuppel liegen zwei Schienen aus Bronze. Auf diesen Schienen läuft der Schieber, der sich über das gesamte Dach zieht und somit den Blick auf den Himmel freigibt, sobald man es öffnet. Eine der beiden Schienen aus Bronze, die seit der Einweihung der Kuppel 1963 insgesamt 54 Jahre gehalten hatten, war gebrochen. Dadurch lag ein Stück Schiene nicht mehr auf der Kuppeloberfläche auf und stand ein Stück ab. Als der Schieber in der Nacht vor Pfingsten geschlossen werden sollte, verhakte er sich und war nicht mehr zu bewegen.

Erst mit einer Endoskop-Kamera konnten die Mitarbeiter ein paar Tage später endlich sehen, warum der Schieber blockiert war. Mit drei Mann wurde der Schieber schließlich mit einer Stange von außen angehoben, um die Blockade zu lösen. „Dann konnten wir den Schieber zumachen und in Ruhe eine Lösung finden“, sagt Gerstheimer.

Seither war die Sternwarte geschlossen. Um die Schiene auf der Kuppel des 20 Meter hohen Turms zu reparieren, mussten Experten ran. „Es war klar, dass wir nicht alleine von innen reparieren konnten, sondern von außen an die Kuppel mussten“, sagt Gerstheimer. Durch die Gemeinde kamen sie auf die Idee, bei der Firma Suchan in Kassel anzufragen, die sich auf gerüstlose Höhen-Sanierungen mit Seilzugtechnik spezialisiert hat.

Anfang Oktober ersetzten zwei Industriekletterer das 90 Zentimeter lange Bronzeteil, das sie zuvor hatten anfertigen lassen. „Die hingen wie Spinnen an der Kuppel“, sagt Gerstheimer. Auch die zweite Schiene wurde von den Kletterern vorsichtshalber gesichert. Die spektakuläre Aktion war erfolgreich und ab November ist die Sternwarte nun wieder regelmäßig geöffnet.

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