Letzte Chance für den Dorfladen

Ende Oktober könnte Schluss sein: Lebensmittelmarkt in Simmershausen vor dem Aus

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Hilferuf: Verena Rueppell, Geschäftsführerin des Dorfladens, mit einem Schild im Eingangsbereich, auf dem steht: „Was ist es Simmershausen wert? Momentaner Stand: Wir schließen Ende Oktober. Eure Damen vom Dorfladen haben alles gegeben“.

Fuldatal. Der Dorfladen in Fuldatal-Simmershausen steht vor dem Aus. Verena Rueppell, die den 160 Quadratmeter großen Lebensmittelmarkt im April übernommen hat, hat sich eine Frist gesetzt: „Wenn wir bis Ende Oktober nicht deutlich mehr Umsatz haben, dann machen wir zu.“

Wie ernst die Lage ist, zeigt sich schon am Eingang. Dort hat die 39-jährige Geschäftsführerin ein Plakat aufgestellt. Darauf steht: „Was ist es Simmershausen wert?“ Dazu der Hinweis, dass womöglich in gut einem Monat Schluss ist. Und: „Eure Damen vom Dorfladen haben alles gegeben“.

Es ist einerseits der wohl letzte Hilferuf des Dorfladen-Teams. „Die Leute sollen jetzt mit den Füßen abstimmen. Sie können uns den Todesstoß versetzen – oder eben nicht“, sagt die festangestellte Verkäuferin Brigitte Ritter, die seit Beginn in dem 2012 eröffneten Laden an der Kasse steht. Andererseits schwingt auch Enttäuschung mit. Enttäuschung darüber, dass kaum noch einer kommt.

„Nicht wir wollten damals einen Dorfladen eröffnen, sondern die Bürger wollten im Zuge des Dorferneuerungsprogramms, dass Simmershausen einen Dorfladen bekommt“, erinnert sich Rueppell, die vor fünf Jahren mit ihrer Mutter Gisela Rueppell, der ersten Betreiberin des Ladens, und Gerhard Sell von der Grundstücksgesellschaft SRR 110.000 Euro investiert hatte, um die alte Seegersche Scheune an der Kasseler Straße 17 in einen Lebensmittelmarkt zu verwandeln. 30 000 Euro hatte das Land Hessen beigesteuert. Bedingung der Förderung war, dass der Laden fünf Jahre geöffnet bleibt. Diese Frist endet im kommenden Monat.

Euphorie am ersten Tag: Zur Eröffnung im Oktober 2012 kamen 200 Kunden in den Dorfladen. 

„Aber dass wir nun genau dann schließen könnten, ist Zufall“, sagt Rueppell, die sich gegen Gerüchte wehrt, sie habe nur deshalb den Markt übernommen, um ihn solange am Leben zu erhalten, damit sie nicht die Förderung zurückzahlen muss.

Eine, die sich 2012 für den Laden stark gemacht hat, ist Anne Werderich, damals Bürgermeisterin von Fuldatal. Sie ist Stammkundin und macht im Dorfladen die Besorgungen für ihr Café, dass sie im Währungsreform-Museum in Rothwesten betreibt. „Die Leute, die damals bei der Dorferneuerung dabei waren, kaufen heute kaum noch hier ein“, sagt sie. Ähnliches gelte für Vereine und Parteien, die in der Vergangenheit immer wieder ihre Unterstützung zugesagt hätten, „aber ihr Wort gehalten haben nur die wenigsten“, sagt Verkäuferin Ritter. „Selbst der Bürgermeister kauft lieber woanders ein.“

Bislang lebe der Dorfladen von seiner treuen Stammkundschaft – meist älteren Menschen aus dem 2419-Einwohner-Ort, die ohne den Laden kaum noch Dinge des täglichen Bedarfs besorgen könnten. „Aber das reicht leider nicht“, so Rueppell, der noch zwei weitere Firmen gehören und die sich nach eigenen Angaben bis jetzt kein eigenes Gehalt gezahlt hat. „Hätte ich das getan, hätte der Laden längst jeden Monat rote Zahlen geschrieben“. 

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