Als Erinnerung ans erste Auto

Unterwegs mit 23 PS: Senior aus Fuldatal fährt Oldtimer

Stolzer Eigentümer: Dieter Trensch hinter dem Steuer seines Lloyd Alexander TS Baujahr 1959, den er sich vor einem Jahr gekauft hat. Foto: Schräer

Fuldatal. Markentechnisch hat Dieter Trensch aufgerüstet. Sein Lloyd Alexander TS, Baujahr 1959, hat 23 PS. Den kompakten Oldtimer kaufte der Fuldataler vor einem Jahr in Erinnerung an sein erstes eigenes Fahrzeug, einen Lloyd 600. „Der war das Vorgängermodell mit Schiebefenstern und nur 19 PS", sagt der 73-Jährige.

Ursprünglich habe der TS sogar noch zwei Pferdestärken mehr gehabt. „Aus steuerlichen Gründen wurden einige Wagen in der Leistung reduziert“, erinnert sich Trensch. Wie viel das in Mark und Pfennig damals ausmachte, weiß er nicht mehr. Aber auch ohne die zwei PS „hat der Alexander TS damals auf den Autobahnen die VW Käfer gejagt. Denn Tempo 110 schaffte der Lloyd locker“.

Heute lässt Trensch es mit seinem grauen Kleinwagen ruhiger angehen. Und genießt doch „ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer“, wie er sagt. Letzteres beginnt gleich vor einer kleinen Runde durch Ihringshausen und über die Umgehungsstraße. Denn der Anlasser streikt. Das grau lackierte Leichtgewicht anschieben, ist aber kein Problem.

Mehr Bilder des Oldtimers:

Oldtimer: Ein Lloyd aus Fuldatal

Dann ist der richtige Einsatz von Choke-Hebel für höhere Drehzahl, Vier-Gang-Lenkradschaltung, Kupplung und Gaspedal gefragt. Der Alexander TS fährt im Verkehr mit. Die Federung übernimmt weitgehend das Sitzpolster. Der Wagen ist für vier Personen zugelassen, im Innern herrscht schon zu zweit ein heimeliges Gefühl.

Das Armaturenbrett ist überschaubar. Fünf Knöpfe und ein Tacho mit Kilometerzähler. Dieser weist die Zahl 50 427 aus. Dies sei die bisherige Laufleistung, original wie alles an seinem Fahrzeug, betont Trensch.

Hintergrund:

Der Lloyd Alexander und der Alexander TS wurde von der Lloyd Motoren Werke GmbH in Bremen von 1958 bis 1961 gebaut, er war die Weiterentwicklung des 600 mit zwei Zylinder-Motor von 596 ccm, einen von außen zugänglichen Kofferraum und voll versenkbaren Kurbelfenstern. Die Lloyd Werke gehörten zur Borgwardgruppe. Mit deren Konkurs 1961 kam auch des Ende der Firma Lloyd. (mic)

Der Fuldataler lernte als junger Mann Autoschlosser bei Opel in Kassel. Dort stand der Lloyd 600 als Gebrauchtfahrzeug auf dem Hof. „Einen Opel konnte ich mir selbst gebraucht nicht leisten.“ Wie viel der Lloyd kostete, daran kann sich der Senior nicht mehr erinnern. Der Listenpreis betrug 4500 D-Mark. Genauso viel - also umgerechnet den doppelten Preis - habe er für seinen Oldtimer in Euro gezahlt.

Im Internet war er auf den Wagen aufmerksam geworden. Der Vorbesitzer war ein Fernfahrer aus Schwäbisch Gmünd, der in einer Baracke mehrere ältere Modelle gesammelt hatte. „Viel Schrott, nur der eine Lloyd war in Ordnung“, sagt der 73-Jährige.

Viel musste der gelernte Autoschlosser, der einige Jahre als gelber Engel beim ADAC arbeitete, ehe er zur Polizei wechselte, bisher nicht in den Oldtimer investieren müssen. Die beiden vorderen Kotflügel ließ er reparieren und neu lackieren. Zuletzt tauschte er die Stoßstangenecken vorne und die zierlichen Scheibenwischer aus. „Ersatzteile gibt es noch“, sagt Trensch.

Ansonsten soll der Wagen, mit dem er nur kleine Touren bei trockenem Wetter macht, bleiben wie er ist - mit Patina an Kunstleder, Stoff und Zierleisten. Denn: „Uns sieht man das Alter ja auch an.“

Von Michael Schräer 

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