Mehr Zeit für Afrika-Liebe - Clemens Schöler hat Fraktionsvorsitz abgegeben

Blickt auf 25 Jahre als Fraktionsvorsitzender der CDU in Fuldatal zurück: Clemens Schöler.   Foto: Wüstefeld

Fuldatal. Eigentlich, sagt Clemens Schöler, habe er nie den Gedanken gehabt, sich für die CDU zu engagieren. Damals, in den 68er Jahren, war er doch „ein sehr linker Mensch, ich habe an vielen Demonstrationen teilgenommen“. Doch die Einstellungen haben sich geändert: 1989 wurde der heute 62-Jährige ein Christdemokrat in Fuldatal, am Montag wird er nach 25 Jahren als Fraktionssprecher verabschiedet.

Für Schöler, der eine Apotheke in Kassel besitzt, ist das zwar ein emotionaler Moment, irgendwann müsse man aber gehen. Denn sein Engagement für die Politik ist nicht das einzige in seinem Leben, er ist auch Schöffe am Amtsgericht. Und liebt Gartenarbeit. Und die Oper und der Besuch von Konzerten. „Meine Frau und ich waren schon bei Paul McCarntey, Rod Steward und Tina Turner“, sagt der 62-Jährige, seine Augen leuchten bei der Erinnerung. Kurzerhand dreht er sich auf seinem Apothekerstuhl um, holt einen Zettel zwischen all den Rezepten und medizinischen Büchern hervor. „Hier habe ich aufgelistet, wo ich demnächst unbedingt hinmöchte.“ Sting und Queen stehen drauf, aber auch Zucchero und Katie Melua.

Unbedingt hin wollte Schöler auch immer zu den Sitzungen des Elternbeirates im Kindergarten und der Schule, die eine drei Kinder besuchten. „Meine Frau hat schon zwischendurch mal gesagt, jetzt reichts“, erzählt der ruhig und bedächtig wirkende Mann, der überall in seinem Büro Fotos von Freunden, Frau und Kinden hat. Dort aber sind die Kontakte mit der Verwaltung entstanden, viele Freunde aus den unterschiedlichen Parteien wurden gefunden. Dass sich Schöler dann letztendlich für die CDU entschieden hat, mit der er sich als Jugendlicher nicht identifizieren konnte, „liegt wohl an der katholischen Erziehung und an der sozialen Prägung“. Dass er sich engagieren wollte, war für Schöler klar: „Nicht meckern, sondern machen“ ist seine Devise.

Schon sein Vater war in der CDU aktiv, nahm seine sechs Jungs jeden Sonntagmorgen mit in die Kirche. „Das war hart, denn zur gleichen Zeit fanden die Spiele meiner Fußballmannschaft statt.“ Doch auch, wenn er sich dann aufs Basketballspielen konzentriert und sich dort jahrelang engagiert hat: „Mein Herz hängt seit kleinauf am KSV Hessen.“ Und am Reisen: Vor allem nach Afrika zieht es Schöler. Dort gebe es eine unglaubliche Natur, Elefanten und Löwen würden direkt vor einem zu sehen sein. „Dort ist man gedankenlos“, sagt der 62-Jährige und sieht aus, als ob er sich auf die kommende Reise nach Afrika im November freut wie ein kleiner Junge auf Weihnachten.

Wenn es allerdings um die CDU, die Kirche und um die vergangenen Skandale geht, wird Schöler ungewöhnlich energisch: „Klar ist da was schief gelaufen“, sagt er, „aber das ändert doch nichts daran, dass die Idee dahinter gut ist.“

Von Constanze Wüstefeld

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