Nach 69 Jahren: Fuldataler besucht Grab des verschollenen Vaters

Geschichtlich interessiert: Karl-Heinz Koch aus Ihringshausen studiert Literatur über die Kriegsgräberstätten des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Foto: Wienecke

Fuldatal. 69 Jahre lang galt Georg Koch als vermisst. Seine Familie erfuhr erst im vergangenen Jahr, dass seine sterblichen Überreste 2003 umgebettet wurden.

Deren Identität stand sogar bereits seit 2006 fest.

Karl-Heinz Koch, Sohn aus zweiter Ehe von Georg Koch, besuchte nun das Grab seines Vaters in der Kriegsgräberstätte Siemianowice (Laurahütte).

Ursprünglich wollte der 72-jährige Ihringshäuser mit seinen Halbbrüdern Friedhelm und Günter nach Polen reisen, doch ein Unfall kam dazwischen: Er unternahm die Fahrt schließlich mit seiner Frau Friedgard und Hündin Trine im Wohnmobil. „Zunächst fuhren wir nach Görlitz“, erläutert er. Am nächsten Tag ging es weitere sechs Stunden bis nach Katowice.

„Ich war ein Jahr alt, als er eingezogen wurde. Aber ich habe meinen Vater immer vermisst.“

Wenige Kilometer von Kattowitz entfernt, in Siemianowice, einer Stadt mit rund 70 000 Einwohnern, befindet sich eine der zehn Kriegsgräberstätten des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Polen. „Im Informationsraum habe ich den HNA-Artikel vom 15. November vergangenen Jahres über unseren Vater hinterlegt“, berichtet Karl-Heinz Koch. Auch andere Angehörige haben dort Fotos und Erinnerungsstücke an ihre im Krieg gefallenen Verwandten hinterlassen.

Mit zwei Polinnen, die den Rasen trimmten und in ihrem Aufenthaltsraum Kaffee anboten, kam das Ehepaar trotz Sprachbarriere ins Gespräch. „Da ich erst ein Jahr alt war, als mein Vater 1944 eingezogen wurde, habe ich keine Erinnerungen mehr. Ich habe ihn trotzdem immer vermisst“, sagt Karl-Heinz Koch. Georg Koch starb im Januar 1945 im Alter von 30 Jahrenin der Nähe von Lodz. „Unser Vater ruht im Kameradengrab 46 in Block 13“, erläutert Karl-Heinz Koch. Auf 48 mannshohen Granitstelen befinden sich die Namen der Soldaten, die in Siemianowice bestattet wurden.

Stele aus Granit: Karl-Heinz und Friedgard Koch an dem Gedenkstein, der die Daten von Georg Koch trägt. Repro: Wienecke

Auch Friedgard Koch fand die Reise zu der gepflegten Anlage interessant. „Ich freue mich, dass mein Mann jetzt weiß, wo sein Vater liegt“, sagt sie. Einem Bekannten gab Karl-Heinz Koch kürzlich den Tipp, ergänzend zur Anfrage beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bei der Deutschen Dienststelle (WASt) in Berlin nachzufragen. Der Bekannte erhielt nach einiger Zeit Fotos, die seinen Vater, der noch als vermisst gilt, als Fahrer eines Krankentransports zeigen.

Karl-Heinz Koch möchte mit seinen Brüdern nach Polen reisen, sobald es möglich ist. „Ich habe das Gefühl, dass es gut war, dass ich dort war“, sagt er. Auch seine Mutter Lieselotte (92) ist erleichtert, dass sie doch noch erfahren hat, was mit ihrem ersten Ehemann geschehen ist.

Von Bettina Wienecke

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