40 Arbeitsstunden als Strafe

Nach Unfall auf B 3: Angeklagter hatte zur Bratwurst zwei Weizen getrunken

Kassel/Fuldatal. Mit Feuerwehrkameraden zwei Weizenbiere getrunken, Unfall gebaut, auf der Anklagebank gelandet. 

Vor dem Landgericht wurde gestern gegen einen 54-jährigen Mann aus Fuldatal wegen fahrlässiger Körperverletzung verhandelt, nachdem sich eine 20-jährige Autofahrerin bei dem Unfall eine Schulterfraktur zugezogen hatte.

Weil er bereits ein Bußgeld von 500 Euro bezahlt und einen Monat den Führerschein abgegeben hatte, wurde das gestrige Verfahren eingestellt. Die Trunkenheitsfahrt ahndete Amtsrichterin Focke mit 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Der Allerweltsunfall zeigt, wie schnell man sich auch als völlig unbescholtener Bürger vor Gerichtsschranken wiederfinden kann:

Der Angeklagte, ein Handwerker, hatte mit Fuldataler Feuerwehrkameraden die von einem Fest übrig gebliebenen Bratwürstchen verzehrt und hatte dabei nach eigenen Angaben gegen 13 Uhr zwei Weizenbiere getrunken. Am frühen Abend des 10. September war er auf der Bundesstraße zwischen Simmershausen und Wahnhausen mit seinem Golf auf der Heimfahrt. Vor ihm fuhr schon geraume Zeit eine 20-Jährige in ihrem Pkw her.

Etwa auf Höhe der Staustufe – beide Autos fuhren auf der kerzengeraden und breiten Straße mit etwa 90 km/h in Richtung Hann. Münden – bremste die junge Frau plötzlich ab, weil sie wenden und am Fahrbahnrand Richtung Kassel parken wollte.

„Das kam für mich völlig überraschend, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet“, sagte der Angeklagte gestern aus. Sein Wagen erwischte trotz Vollbremsung das Auto der Frau hinten links. Die 20-Jährige brach sich die linke Schulter, ihr Beifahrer erlitt ein Schleudertrauma. Der Angeklagte alarmierte selbst die Feuerwehr.

„Ich war mit den Gedanken woanders, hatte gerade meinen Befund über meine Krebserkrankung bekommen“, räumte der 54-Jährige ein. Allerdings sei das Brems- und Wendemanöver des vorausfahrenden Autos auch völlig überraschend gekommen.

Der Atemalkoholtest lieferte einen Wert von 1,06 Promille, die Blutentnahme später im Krankenhaus erbrachte 0,76 Promille.

Amtsrichterin Focke meldete starke Zweifel an, ob der Alkoholgenuss vom Mittag tatsächlich Auslöser für den Verkehrsunfall gewesen sei. Das sehr gefährliche Wendemanöver auf einem Bundesstraßen-Abschnitt ohne Abbiegemöglichkeiten sei sicherlich mitentscheidend gewesen.

Dem Vorschlag der Richterin zur Verfahrenseinstellung und 40 Arbeitsstunden hatten Verteidigung und Anklage sofort zugestimmt.

Rubriklistenbild: © dpa

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