Paar aus Fuldatal schätzt Schaden auf 50.000 Euro

Ärger nach Wohnmobil-Kauf: Unternehmer fiel auf Betrüger herein

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Rottet vor sich hin: Familie Hassmann hatte vor gut zwei Jahren ein Wohnmobil im Internet entdeckt und in Berlin gekauft. Drei Tage nach dem Erwerb wurden Papiere und Schlüssel von der Polizei beschlagnahmt. Seit dem steht das Fahrzeug unverschlossen in Ihringshausen. 

Fuldatal. Ein Paar aus Fuldatal kaufte unwissend ein gestohlenes Wohnmobil im Internet. Die Info, dass das Verfahren gegen den mutmaßlichen Betrüger eingestellt wurde, gelangte nur nie nach Kassel. 

Viele Nerven und eine große Summe Geld hat ein Unternehmerpaar aus Fuldatal der Kauf eines gestohlenen Wohnmobils im November 2015 gekostet. Mario und Stephanie Hassmann schätzen den Schaden auf 50.000 Euro. Doch nicht nur der finanzielle Verlust verärgert die beiden. Sie sind auch von der Arbeit der Ermittlungsbehörden und des Gerichts enttäuscht. Im Januar 2016 hatten sie der Polizei den mutmaßlichen Täter präsentiert – doch das Verfahren wurde eingestellt. „Die haben grob fahrlässig gehandelt und lassen mich am langen Arm verhungern“, sagt Mario Hassmann.

Seit gut zwei Jahren sind die Gewerbetreibenden im Besitz des weißen Fiat Ducato, können das Wohnmobil aber nicht bewegen. Kurz nach dem Kauf wurden Schlüssel und Fahrzeugpapiere von der Polizei beschlagnahmt. Grund: Das Wohnmobil war in Berlin gestohlen und über das Internetportal Mobile.de an die Hassmans verkauft worden. „Die Schlüssel liegen noch in unserer Aservatenkammer“, bestätigt Polizeisprecher Torsten Werner. Dort müssten sie aber auch verbleiben, bis das Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft in Berlin abgeschlossen ist. Martin Steltner, Pressesprecher der Berliner Staatsanwaltschaft teilt indes auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass das Verfahren bereits im Juli 2016 eingestellt worden sei. Diese Information ist aber offenbar nicht an die Kasseler Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. Leidtragende sind die Hassmanns. Denn das Wohnmobil verottet weiter in Fuldatal.

Rechtsstreit mit Eigentümer des Wohnmobils

Doch damit nicht genug: Neben dem strafrechtlichen Verfahren befinden sich die Hassmanns auch im Rechtsstreit mit dem Eigentümer des Wohnmobils – für dessen Situation die Unternehmer durchaus Verständnis haben: „Er wurde bestohlen und hofft nun, dass sein Schaden ersetzt wird.“ Das wünschen sich die Hassmanns aber auch. Bislang konnten sie sich mit dem Mann aus Berlin nicht außergerichtlich einigen. Und weil es kein strafrechtliche Verfolgung wegen Betrugs gibt, bleiben die Hassmanns auf ihrem Schaden sitzen. „Das ganze beläuft sich jetzt auf 50.000 Euro, wenn ich alle Kosten und den Wertverfall zusammenrechne“, sagt Hassmann und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei: „Ich habe alles offengelegt, sogar den Täter ermittelt und präsentiert, und die machen nichts oder wollen nichts machen.“ Aufgeben wollen die Hassmanns aber nicht. „Wir werden weiter für unser Recht kämpfen.“

Perfide Betrugsmasche im Internet

Rückblick: Am 15. November 2015 hatten die Hassmanns ein gebrauchtes und beschädigtes Wohnmobil für 26.000 Euro gekauft. „Der Kontakt war über das Internetportal Mobile.de entstanden“, berichtete das Ehepaar im Sommer 2016. Dass es sich bei dem weißen Fiat Ducato um ein unterschlagenes Wohnmobil aus dem Raum Berlin handelte, wussten sie nicht. Umso größer war die Verwunderung, als drei Tage nach dem Erwerb die Polizei vor der Tür stand und Fahrzeugpapiere und Schlüssel beschlagnahmte. Offenbar hatte der ursprüngliche Eigentümer – also der Inhaber des Wohnmobilverleihs aus dem Großraum Berlin – Verdacht geschöpft, dass die Angaben des Kunden falsch sein könnten, und die GPS-Daten des Wohnmobils ausgelesen. Die Spur führte damals nach Fuldatal. Seitdem steht das Wohnmobil auf dem ehemaligen Grundstück der Hassmanns und verrottet. 

Enttäuscht von den Behörden: Mario und Stephanie Hassmann hatten im November 2015 ein Wohnmobil für 26 000 Euro gekauft. Mittlerweile schätzen Sie ihren Schaden auf rund 50.000 Euro. 

Das Unternehmerpaar ist zwischenzeitlich mit seinem Betrieb ins Gewerbegebiet umgezogen. Im Zuge der damaligen Ermittlungen hatte sich herausgestellt, dass der Verkäufer des Fahrzeugs gefälschte Ausweisdokumente bei dem Wohnwagenverleih hinterlegt hatte: „Die Fotos im Führerschein und im Personalausweis waren nicht identisch“, sagen die Hassmanns. Im guten Glauben Anhand der GPS-Daten konnte das Bewegungsprofil des Ducatos nachvollzogen werden. Nachdem der Betrüger das Wohnmobil angemietet hatte, fuhr er zunächst nach Timmendorfer Strand (Schleswig-Holstein). Dort hatte er das Fahrzeug mehrere Tage abgestellt, bevor er wieder zurück nach Berlin fuhr, um es an das Unternehmerpaar aus Ihringshausen zu verkaufen. „Ich bin damals noch in Berlin auf einer Polizeiwache gewesen, um die Fahrzeugpapiere prüfen zu lassen und um mich abzusichern“, erzählt Mario Hassmann, der einige Jahre zuvor schon einmal betrogen wurde.

Fahrzeug als gestohlen gemeldet

Da das Fahrzeug zu diesem Zeitpunkt laut Polizei nicht als gestohlen gemeldet war, zahlte er in gutem Glauben die 26.000 Euro. „Später stellte sich heraus, dass der Kfz-Brief Monate zuvor in Düsseldorf bei der Verkehrsbehörde gestohlen wurde und seit einem halben Jahr zur Fahndung ausgeschrieben war“, sagt Hassmann. Dass es sich bei den Fahrzeugpapieren um einen gestohlenen Blankobrief – in den die Fahrgestellnummer und ein fiktiver Vorhalter eingetragen wurden – handelte, bestätigte auch Thomas Fels von der Staatsanwaltschaft Berlin, die ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs eingeleitet hatte. Das wurde aber nach Paragraf 154 Strafgesetzbuch wieder eingestellt. Grund: Die Betrüger hatten sich der Personalien eines Dritten bemächtigt. 

Dass im Januar dieses Jahres einer der mutmaßlichen Täter auf frischer Tat ertappt werden konnte, war den privaten Ermittlungen der Hassmanns zu verdanken. Sie begaben sich im Internet auf Spurensuche und fingierten einen weiteren Wohnmobilkauf in Berlin. Gemeinsam mit der Kripo konnte Mitte Januar 2016 ein Mann in einer Nebenstraße des Kurfürstendamms in Berlin festgenommen werden. „Bei der fingierten Übergabe konnte ein Täter ermittelt werden, gegen den ein Ermittlungsverfahren läuft“, bestätigte Fels, kurz bevor das Verfahren eingestellt wurde. 

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