Schneisen im Wald

"Nichts mehr normal": So wütete Orkan Friederike im Naturschutzgebiet Termenei

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Friederikes Spuren: Der Sturm hat die Bäume abgeknickt wie Streichhölzer. Der Rundweg der Termenei ist nur zum Teil begehbar, da Äste und Stämme ihn versperren.

Fuldatal. Von Wilhelmshausen aus führt eine Straße entlang des Naturschutzgebiets Termenei. Wer dorthin will, muss hier hochfahren - und sieht sofort die Spuren des Orkans Friederike.

An den Straßenrändern liegen gefällte Bäume und abgesägte Äste, sind trostlose Baumstümpfe zu sehen. Die ersten Spuren der Verwüstung, die Orkan Friederike in dem Waldstück hinterließ.

Am Parkplatz der Termenei beginnt Alexandra Rieger ihren Spaziergang. Sie ist fast täglich mit ihren beiden Hunden hier oben. „Es ist nichts mehr normal im Moment“, sagt die 42-jährige Frau aus Wilhelmshausen. Auch für ihre Hunde sei das spürbar.

Schon nach wenigen Schritten auf dem Weg lässt sich das Ausmaß der Zerstörung erahnen. Der Sturm hat Schneisen durch den Wald geschlagen. Dort, wo einmal Bäume standen, ragen jetzt abgeknickte Stämme gen Himmel. Vor allem sind es Fichten, die am Wegesrand liegen. Der Rundweg, der in Teilen nicht begehbar ist, weil aus dem Boden gerissene Bäume ihn versperren, er ist schlammig. Je steiler es wird, desto rutschiger ist er. Es ist nicht ungefährlich dieser Tage in den Wäldern nördlich von Kassel, der Landesbetrieb Hessen Forst mahnt zur Vorsicht in den vom Orkan verwüsteten Waldgebieten.

„Während der ersten vier bis fünf Tage nach dem Sturm war es hier totenstill“, sagt Alexandra Rieger. Kein Vogel sei zu hören gewesen. Dass hier jetzt alles anders ist, bewegt sie. Rieger kennt die Termenei seit vielen Jahren.

Das Holz muss weg

„Ich bin nicht nah am Wasser gebaut. Aber so was haben wir hier noch nicht erlebt“, sagt Karl-Georg Schäfer. Neben ihm steht sein Traktor, das laute Knattern des Motors durchdringt weite Teile der Termenei. Auf Höhe der Heide besitzt Schäfer fünf Hektar Wald. Mit seinen Eltern hat er die Fläche 1962 aufgeforstet. Viele Bäume stehen hier jetzt nicht mehr. Mit seinem Traktor zieht der 74-Jährige die Stämme zur Seite. Das Holz müsse schnell weggeschafft werden, sagt er. Ansonsten drohe bei steigenden Temperaturen Befall durch den Borkenkäfer. Ist das Insekt erst einmal da, ist es auch eine Gefahr für gesunde Bäume. Für Waldbesitzer wie Karl-Georg Schäfer kann dann großer finanzieller Schaden entstehen.

Erste Aufräumarbeiten: Karl-Georg Schäfer aus Wilhelmshausen versucht, dem Chaos Herr zu werden.

Das für die Termenei zuständige Forstamt Wolfhagen plant derzeit, wie es weitergehen soll. Forstamtsleiter Uwe Zindel spricht von einer Gemengelage: Gemeinsam mit den privaten Eigentümern müsse man sich jetzt für ein Unternehmen entscheiden, das die Schäden beseitigt. Bis Ende des Jahres könnten sich die Arbeiten durchaus hinziehen, sagt Zindel.

Waldbesitzer Karl-Georg Schäfer fürchtet derweil, dass die Kosten, die durch die Beauftragung eines Unternehmens entstehen, bereits das übertreffen, was er für sein Bruchholz noch bekommen kann. Deshalb ist er jetzt auch hier und versucht im Nieselregen so viel zu schaffen, wie alleine möglich ist.

Zerstörte Lieblingsecken

Alexandra Riegers Hunde bleiben auf dem Weg durch die Termenei immer wieder stehen. Sie wissen genau, wo in der Vergangenheit Verschnaufpausen eingelegt wurden – an ihren Lieblingsecken, wie Rieger sagt. Viele von diesen seien jetzt zerstört.

Der Rückweg zum Parkplatz führt entlang einer großen Lichtung. „Da hinten kann man die Dächer von Wilhelmshausen sehen“, sagt Rieger. Auf der anderen Seite der Lichtung klafft jetzt eine breite Lücke im Wald. 

Hier liegt das Naturschutzgebiet:

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