Interview mit dem Präsidenten

Oberster Bereitschaftspolizist geht in Ruhestand: Über GSG9 und G20

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Wird am 28. August verabschiedet: Friedrich Eichele war dann fast zehn Jahre lang Präsident der Bundesbereitschaftspolizei mit Sitz in Fuldatal-Ihringshausen. 

Fuldatal. Eigentlich wäre Friedrich Eichele, Präsident der Bundesbereitschaftspolizei-Direktion mit Sitz in Fuldatal, schon 2016 in den Ruhestand gegangen.

Doch auf Wunsch des Bundesinnenministeriums hat er wegen des G 20-Gipfels noch ein Jahr drangehängt. Am 28. August wird der 62-Jährige nun verabschiedet. Im Interview blickt der Chef von insgesamt 6600 Bereitschaftspolizisten auf seine neunjährige Amtszeit in Fuldatal zurück und erklärt, welche Herausforderungen auf seinen Nachfolger warten.

Herr Eichele, Sie sind jetzt fast zehn Jahre Präsident der Bereitschaftspolizei. Mit welcher Motivation sind Sie damals angetreten?

Friedrich Eichele: Mit der Motivation, viele Ziele zu erreichen, die ich mir gesetzt habe und die von außen gesetzt wurden.

Welche Ziele waren das?

Eichele:Wir sind im Zuge der letzten Bundespolizeireform von 2008 als Direktion Bundesbereitschaftspolizei ins Leben gerufen worden. Damit waren hohe Erwartungen verbunden. Man wollte eine besonders leistungsfähige Bundesbereitschaftspolizei haben, die alle Verbände auf einen Leistungstand bringt. Das war mein vorrangiges Ziel.

Und das Ziel haben Sie erreicht?

Eichele:Mir ist keine Kritik an der Leistungsfähigkeit unserer Organisation bekannt. Dazu muss man wissen, dass wir als neue Direktion die umstrittenste waren.

Warum?

Eichele: Weil alle Verbände der Bundespolizei erstmalig unter einer Führung zusammengefasst wurden, um die Leistungsfähigkeit und Verfügbarkeit von Einsatzkräften anzuheben. Zuvor waren die Verbände fünf regionalen Präsidien zugeordnet.

Bevor Sie nach Fuldatal kamen, waren Sie unter anderem Kommandeur der GSG 9. Welcher Einsatz ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Eichele: An die Geiselnahme 1995 in der JVA „Elwe“ in Kassel, wegen des Ortsbezugs. Asylbewerber hatten eine Revolte gestartet und JVA-Mitarbeiter als Geiseln genommen. Wir von der GSG 9 sind in zweiter Welle angerückt, weil das SEK am Ende seiner Kräfte war. Man hatte mich dann beauftragt, den Einsatzabschnitt Tatort zu übernehmen.

Wie verlief der Einsatz?

Eichele: Ich habe es wirklich im Guten versucht, mit Absprachen und Verhandlungen. Aber als die Häftlinge den von uns gewährten Abzug antreten sollten, haben sie die Geiseln entgegen der Absprache mitgenommen und dann hat es mir gereicht.

Was passierte dann?

Eichele: Es war sehr heiß an diesem Tag, deshalb öffneten die Geiselnehmer kurz eine Tür und das war genau der Zeitpunkt, nur wenige Sekunden, in dem wir eingedrungen sind und alle unverletzt befreit haben. Der Zugriff ist bombenmäßig gut gelaufen.

Haben Sie mal einen richtigen Fehler gemacht?

Eichele: Fehler jede Menge, aber gravierende sind mir nicht bekannt.

Als sie Mitte der 1970er-Jahre beim Bundesgrenzschutz angefangen haben, war die RAF-Terror einer der Haupteinsatzbereiche. Was sind heute die wichtigsten Aufgaben der Bundesbereitschaftspolizei?

Eichele: Es gibt kein nennenswertes Einsatzgebiet auf der Welt, bei dem die Bundesbereitschaftspolizei nicht präsent ist. Wir haben permanent 100 bis 150 Kollegen im Ausland stationiert. Zum Beispiel Masar-e Sharif in Afghanistan oder der Anschlag auf die deutsche Botschaft in Kabul – überall waren wir vor Ort. Unsere Kräfte waren mit 3600 Kollegen auch jetzt beim G 20-Gipfel im Einsatz. Oder wenn Frau Bundeskanzlerin Merkel ihre Sommertour unternimmt, unterstützen wir das Bundeskriminalamt unter anderem beim zivilen Personenschutz.

Nach dem G 20-Gipfel gab es vermehrt Kritik an den Polizeieinsätzen. Es hieß, Ihre Kollegen seien unverhältnismäßig hart aufgetreten. Was sagen Sie dazu?

Eichele: Wenn unsere Kollegen beschuldigt werden, wenn wir Videomitschnitte aus den Sozialen Netzwerken zugespielt bekommen, dann nehmen wir das ernst. Aber was ich bisher festgestellt habe – ich war ja selbst auch vor Ort – lief bei unseren Kollegen alles einwandfrei ab.

Sie werden am 28. August Ihr Amt übergeben. Was wollen Sie bis dahin noch erledigen?

Eichele: Ein großes Thema ist die Sondereinheit BFE-Plus. Zum G 20-Gipfel haben wir fünf BFE-Plus-Einheiten einsatzbereit melden können. Die offizielle Dienststellung folgt nun am 23. August in Hünfeld.

Welche Herausforderungen warten auf Ihren Nachfolger?

Eichele: Er muss unsere Leistungsfähigkeit erhalten und sie ausbauen. Das wird ein schwieriges Unterfangen, weil alle Dienststellen der Bundespolizei Personalmangel haben. Wir müssen gewaltig ausbilden, dadurch fließt qualifiziertes Personal in die Ausbildung und bis da etwas zurückkommt, vergehen einige Jahre.

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