Konzept Horsemanship kommt zum Einsatz

Video: Ein Mustang aus den USA wird in Fuldatal ausgebildet

Fuldatal. Ein Mustang, der als Wildpferd in den USA lebte, wird derzeit in Fuldatal ausgebildet. Damit soll auf Probleme von Wildpferden in Amerika aufmerksam gemacht werden. Wir haben einen Teil der Ausbildung gefilmt.

Vor wenigen Wochen ist er noch durch die nordamerikanische Wildnis galoppiert, nun lernt ein Mustang auf Gut Eichenberg in Fuldatal-Rothwesten, auf Kommando Huf zu geben. Wir zeigen die Trainingsfortschritte in unserem Video. 

Was hinter dieser Ausbildung steckt, beschreiben wir in unserem Text von Ende April 2018:

Das Wildpferd wurde für die „Mustang-Makeover-Challenge“ aus einer Auffangstation in Amerika nach Deutschland geholt. Bei dem Wettbewerb versuchen 22 Pferdetrainer aus ganz Deutschland, ebenso viele Wildpferde in nur 100 Tagen soweit wie möglich an den Menschen zu gewöhnen. Mit dieser Aktion soll auf das Problem aufmerksam gemacht werden, dass in den USA mehr Wildpferde leben als es Nahrung für sie gibt. Viele Tiere verhungern. Deshalb werden Menschen gesucht, die ihnen ein neues Zuhause geben.

Eine Teilnehmerin der Aktion Mustang-Makeover-Challenge: Sina Lippe, Pferdetrainerin aus Neuenbrunslar. 

Immer, wenn sich jemand seiner Box nähert, schaut das Pferd aufmerksam hoch. Sobald es den Geruch von Sina Lippe wahrnimmt, geht es freudig auf die 29-Jährige zu, lässt sich von ihr den Hals kraulen und knabbert zärtlich an ihren Armen. Wer diese Begrüßung beobachtet, würde nicht vermuten: Der zweijährige Wallach ist ein Wildpferd, das bis vor kurzem noch durch die Weiten des amerikanischen Bundesstaates Oregon galoppiert ist.

Auf der Reitanlage von Thomas Günther, dem Eigentümer von Gut Eichenberg, will die 29-jährige Trainerin den Mustang durch die Anwendung des Konzepts „Horsemanship“ trainieren. Dabei handelt es sich um eine Grundeinstellung im Umgang mit Pferden, die auf einer möglichst natürlichen Verständigung zwischen Mensch und Tier basiert. „Es geht darum, den Pferden unsere Welt mit ihrer eigenen Sprache zu erklären“, erläutert Lippe.

Schon nach drei Tagen auf Kuschelkurs: Zwischen Sina Lippe und dem zweijährigen Mustang bestand vom ersten Moment an eine besondere Bindung. Nun hat die Pferdetrainerin knapp 100 Tage Zeit, das Wildpferd soweit wie möglich auf das Reiten vorzubereiten.

Vertrauen zum Mustang aufgebaut

Essentiell sei dafür das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter. Das habe sich zwischen Lippe und dem Mustang bereits innerhalb der ersten Tage aufgebaut. Niemals vergessen wird sie den Moment, als sie dem Wallach nach dessen Ankunft am Frankfurter Flughafen zum ersten Mal gegenüberstand. „Ich habe versucht, so viel Ruhe wie nur möglich auszustrahlen. Aber innerlich habe ich gebebt“, berichtet die Pferdetrainerin.

Doch auch, wenn der junge Wallach noch so zugänglich ist, dürfe man nie vergessen, dass er eben doch ein Wildpferd ist. „Ich muss immer damit rechnen, dass er sich besonders in Stresssituationen instinktiv verhält“, sagt Lippe. Der ein oder anderen Kopfnuss sei sie nur um Haaresbreite entkommen.

Welche Erfolge sie bei ihrem Training mit dem Mustang erzielt, lässt Lippe einfach auf sich zukommen. „Das Tempo bestimmt er“, so die Pferdetrainerin. Zureiten wird sie das Jungpferd aber nicht. Dafür ist es erst an der Zeit, wenn das Tier mit drei Jahren ausgewachsen ist. Stattdessen wird Lippe es vom Boden aus soweit wie möglich auf das Reiten vorbereiten.

Obwohl die Bindung zwischen der Pferdetrainerin und dem Wallach noch so schnell so eng geworden ist, steht für Sina Lippe bereits jetzt fest, dass er nie „ihr“ Mustang werden wird. Nach dem Finale des Wettstreits werden alle Wildpferde in einer Versteigerung angeboten. Lippe wird nicht mitbieten, mit ihren eigenen drei Pferden ist sie voll ausgelastet. Schon jetzt fürchtet sie den Abschied. „Bei mir wird die ein oder andere Träne kullern“, ist sie sich sicher. Daher hofft sie, dass jemand aus ihrem Bekanntenkreis den Mustang ersteigert, um ihn weiterhin trainieren zu können.

Mustang lernt auf Gut Eichenberg die Welt der Menschen kennen

Trainingspause: Sina Lippe lässt Mustang Harry nach einer anstrengenden Einheit grasen. © Susi Große
Ein Herz und eine Seele: Mustang Harry und Pferdetrainerin Sina Lippe. © Susi Große
In der Reithalle: Hier bereitet Sina Lippe Mustang Harry vom Boden aus auf das Reiten vor  © Susi Große
Auf Kuschelkurs: Schon nach wenigen Tagen ließ sich das Wildpferd schon von seiner Trainerin streicheln. © Susi Große
Ein Halfter legt Pferdetrainerin Sina Lippe dem Mustang nur dann an, wenn es unbedingt sein muss. Sooft wie möglich versucht sie ihn ohne Halfter auszubilden. © Susi Große
Wichtiger Bestandteil des Trainings: Sina Lippe zeigt dem Mustang so viele Alltagsgegenstände wie möglich, um ihm die Welt der Menschen zu erklären. © Susi Große
Plastikplanen kommen in der natürlichen Welt eines Wildpferdes nicht vor. Mit Hilfe seiner Trainerin muss sich Mustang Harry erst noch an das Rascheln gewöhnen. © Susi Große
Auch Hindernisse sind noch ungewohnt für das Wildpferd. Das Foto zeigt, wie er zum ersten Mal einen Steg betreten soll ... © Susi Große
... was keine Herausforderung für das kluge Tier darstellt.  © Susi Große
Dass der Mustang seiner Trainerin so widerstandslos folgt, liegt an dem großen Vertrauen, dass sich innerhalb weniger Tage zwischen den beiden aufgebaut hat. © Susi Große

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