Konzept Horsemanship kommt zum Einsatz

Pferdetrainerin bildet Mustang aus den USA in Fuldatal aus

Schon nach drei Tagen auf Kuschelkurs: Zwischen Sina Lippe und dem zweijährigen Mustang bestand vom ersten Moment an eine besondere Bindung. Nun hat die Pferdetrainerin knapp 100 Tage Zeit, das Wildpferd soweit wie möglich auf das Reiten vorzubereiten.

Fuldatal. Vor wenigen Wochen ist er noch durch die nordamerikanische Wildnis galoppiert, nun lernt ein Mustang auf Gut Eichenberg auf Kommando Huf zu geben.

Das Wildpferd wurde für die „Mustang-Makeover-Challenge“ aus einer Auffangstation nach Deutschland geholt. Bei dem Wettbewerb versuchen 22 Pferdetrainer aus ganz Deutschland ebenso viele Wildpferde in nur 100 Tagen soweit wie möglich an den Menschen gewöhnen. Mit dabei: Sina Lippe, Pferdetrainerin aus Neuenbrunslar.

Immer, wenn sich jemand seiner Box nähert, schaut das Pferd aufmerksam hoch. Sobald es den Geruch von Sina Lippe wahrnimmt, geht es freudig auf die 29-Jährige zu, lässt sich von ihr den Hals kraulen und knabbert zärtlich an ihren Armen. Wer diese Begrüßung beobachtet, würde nicht vermuten: Der zweijährige Wallach ist ein Wildpferd, das bis vor kurzem noch durch die Weiten des amerikanischen Bundesstaates Oregon galoppiert ist.

Auf der Reitanlage von Thomas Günther, dem Eigentümer von Gut Eichenberg, will die 29-jährige Trainerin den Mustang durch die Anwendung des Konzepts „Horsemanship“ trainieren. Dabei handelt es sich um eine Grundeinstellung im Umgang mit Pferden, die auf einer möglichst natürlichen Verständigung zwischen Mensch und Tier basiert. „Es geht darum, den Pferden unsere Welt mit ihrer eigenen Sprache zu erklären“, erläutert Lippe.

Sina Lippe mit dem zweijährigen Mustang.

Vertrauen zum Mustang aufgebaut

Essentiell sei dafür das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter. Das habe sich zwischen Lippe und dem Mustang bereits innerhalb der ersten Tage aufgebaut. Niemals vergessen wird sie den Moment, als sie dem Wallach nach dessen Ankunft am Frankfurter Flughafen zum ersten Mal gegenüberstand. „Ich habe versucht, so viel Ruhe wie nur möglich auszustrahlen. Aber innerlich habe ich gebebt“, berichtet die Pferdetrainerin.

Doch auch, wenn der junge Wallach noch so zugänglich ist, dürfe man nie vergessen, dass er eben doch ein Wildpferd ist. „Ich muss immer damit rechnen, dass er sich besonders in Stresssituationen instinktiv verhält“, sagt Lippe. Der ein oder anderen Kopfnuss sei sie nur um Haaresbreite entkommen.

Welche Erfolge sie bei ihrem Training mit dem Mustang erzielt, lässt Lippe einfach auf sich zukommen, „Das Tempo bestimmt er“, so die Pferdetrainerin. Zureiten wird sie das Jungpferd aber nicht. Dafür ist es erst an der Zeit, wenn das Tier mit drei Jahren ausgewachsen ist. Stattdessen wird Lippe es vom Boden aus soweit wie möglich auf das Reiten vorbereiten.

Obwohl die Bindung zwischen der Pferdetrainerin und dem Wallach noch so schnell so eng geworden ist, steht für Sina Lippe bereits jetzt fest, dass er nie „ihr“ Mustang werden wird. Nach dem Finale des Wettstreits werden alle Wildpferde in einer Versteigerung angeboten. Lippe wird nicht mitbieten, mit ihren eigenen drei Pferden ist sie voll ausgelastet. Schon jetzt fürchtet sie den Abschied. „Bei mir wird die ein oder andere Träne kullern“, ist sie sich sicher. Daher hofft sie, dass jemand aus ihrem Bekanntenkreis den Mustang ersteigert, um ihn weiterhin trainieren zu können.

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