Rätsel um tote Hummeln am Waldschwimmbad in Ihringshausen

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Ausgehöhlt und angefressen: Viele tote Hummeln liegen auf dem Weg in Fuldatal, der an der Gesamtschule Fuldatal und dem Sportplatz vorbei zum Waldschwimmbad führt. Fotos: Lischper

Fuldatal. Gerlinde Yakisikli steht mit einem Behälter, gefüllt mit toten Hummeln, unter den Linden an dem kleinen Weg, der zum Fuldataler Waldschwimmbad führt.

Eine ältere Dame kommt vorbei, blickt hinein: „Ist heute wieder schlimm, ne?“ Yakisikli ist unter den täglichen Waldschwimmbadbesuchern schon als Hummelfreundin bekannt.

Ihr besonderes Interesse gilt derzeit den Toten unter ihnen, die sich unter den Bäumen am Wegesrand sammeln. „Ich habe mir einiges angelesen und das Sterben der Tiere beobachtet“, erzählt die pensionierte Grundschullehrerin. Sie vermutet: Es gibt zu wenig Nahrung.

Monika Stengl, Professorin für Tierphysiologie an der Uni Kassel, stellt das infrage: „Hummeln sind intelligente Insekten, wenn sie an der Linde nicht genügend Nahrung finden, dann fliegen sie weiter“, sagt sie auf HNA-Nachfrage. Dass Gifte oder Krankheiten schuld sind, hält sie für wahrscheinlicher. In unmittelbarer Nähe der Linden ist ein Sportplatz, der regelmäßig besprüht werde, so Yakisikli.

Viele Hummeln, viele Tote 

Besorgt um die Hummeln: Gerlinde Yakisikli forscht auf eigene Faust.

Joachim Schneider, Bauleiter der Firma Klei in Baunatal, die für die Düngung des Rasens zuständig ist, kann das nicht bestätigen: „Wir verwenden für die Düngung von Sportrasen ausschließlich mineralische Dünger.“ Vergiftung durch Düngemittel könne also ausgeschlossen werden.

Schneider, der neben seiner Tätigkeit als Bauleiter Hobbyimker ist, merkt an: „Wir haben ein super Insektenjahr. Aufgrund der Menge an Hummeln wirkt die Anzahl der toten Insekten umso größer.“ Er weiß: „Den Hummeln geht so langsam das Futter aus, weil die Bäume und Pflanzen abblühen.“ Wenn es dann keine Alternativen gebe, könne das lebensgefährlich enden.

Gerlinde Yakisikli schlägt daher vor, Büsche und Blumenbeete anzupflanzen, die Alternativen zum Nektar der Lindenblüte bieten. „Die Schule ist in unmittelbarer Nähe, da könnten Beete angepflanzt werden“, sagt sie. Das könnte dem Hummelsterben langfristig entgegenwirken.

Dank ihres ausgeprägten Geruchssinns wären die Insekten in der Lage, sich zum Futter hin zu orientieren, sagt Professorin Stengl. Nächstgelegene Nahrungsquellen könnten sie somit aufspüren. Um sicherzugehen, was der Auslöser für das Hummelsterben beim Waldschwimmbad ist, müsse man sie mikrobiologisch untersuchen, so Stengl.

Yakisikli hilft den Hummeln auf ihre Weise. Sie deutet auf zwei Schalen mit Zuckerwasser und Honig, die neben den Bäumen auf dem Boden stehen: „Die Hummeln brauchen unsere Unterstützung.“ In ihrem Garten hat sie ein Insektenhotel aufgehängt.

Von Anna Lischper

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