Flüchtlingskinder halten Schülerzahlen konstant

Rothwesten: Grundschule wird nicht 2017 dicht gemacht

Bleibt erhalten: Die Grundschule Rothwesten mit zwei Lernhäusern hat einen idyllisch gelegenen Schulhof mitten im alten Ortskern. Archivfoto:  Hobein

Fuldatal. Die Schließung der Grundschule in Rothwesten ist erstmal vom Tisch.

 „Der Schulstandort steht derzeit nicht zur Diskussion, laut Schulentwicklungsplan soll die Grundschule Rothwesten erhalten bleiben“, sagte Thomas Burger, Amtsleiter beim Staatlichen Schulamt Kassel, auf HNA-Anfrage. Laut Schulentwicklungsplan aus dem Jahr 2013 sollte die Geschwister-Scholl-Schule im Landkreis Kassel nach 2017 geschlossen werden.

Da die Schülerzahlen konstant sind und womöglich im Herbst noch steigen, wird am Schulstandort in Fuldatal festgehalten. Ein Grund: Das Flüchtlingsheim an der Sonnenallee auf dem Gelände der Fritz-Erler-Anlage soll Ende Oktober bezugsfertig sein. „Wir wissen noch nicht, wen wir zugewiesen bekommen, aber es wird grundsätzlich so sein, dass die Grundschule in Rothwesten mehr Schüler bekommen wird“, bestätigte Kreissprecher Harald Kühlborn auf Anfrage. Aus Sicht des Landkreises sei es daher notwendig auch in Rothwesten den Schulstandort zu erhalten.

Achim Kessemeier

Schon jetzt sind etwa 25 Prozent der Rothwestener Grundschüler Flüchtlingskinder, berichtet Schulleiter Achim Kessemeier. Der 59-Jährige ist seit 29 Jahren Schulleiter an der Grundschule Simmershausen und seit vierJahren auch Schulleiter an der Geschwister-Scholl-Schule in Rothwesten. „Im vergangenen Jahr waren etwa 13 von 50 Schülern Flüchtlingskinder“, sagte Kessemeier. „Vor drei Jahren“, nennt er ein Beispiel, „hatten wir eine Klasse mit 16 Kindern, zum Ende des Schuljahres waren es 23.“

„Die Abschiebungen belasten den Schulalltag.“

Konkrete Zahlen kann der Pädagoge nicht nennen. Manche Flüchtlingskinder blieben nur zwei Wochen, andere zwei bis drei Jahre: „Die Abschiebungen belasten den Schulalltag“, sagte Kessemeier. Schließlich baue man eine Beziehung zu den Flüchtlingen auf und investiere viel Zeit und Herzblut. Die Kinder kämen aus unterschiedlichen Teilen der Welt - aus dem Irak, Syrien, Jemen, Albanien, Serbien, Kosovo und Slowenien. Manche Familien würden schon nach kurzer Zeit weiter reisen - aus Angst vor Abschiebung, weil sie wirklich abgeschoben wurden oder um in andere Teile Deutschlands, meist in die Nähe von Verwandten und Landsleuten zu ziehen.

Kessemeier ist gespannt, wie sich die Situation entwickelt, wenn das Flüchtlingsheim an der Sonnenallee bezogen wird. „Die Lehrer sind aufgeschlossen und positiv eingestellt“, sagte er. Auch die Rothwestener seien sehr engagiert und würden helfen wo sie können. Kessemeier ist froh, dass die Schule bestehen bleibt: „Eine kleine Schule bietet einen guten Raum, aber wir brauchen auch Hilfe, um uns um die Flüchtlingskinder gut kümmern zu können.“ Insbesondere im außerschulischen Bereich müsse es mehr Angebote wie Sprachkurse, Hausaufgabenhilfe und Freizeit- und Bildungsangebote geben. Der Landkreis würde indes gern mehr Angebote schaffen, doch dafür fehle das Geld. Aktuelle erhält der Kreis laut Kühlborn 720 Euro pro Flüchtling, dieUnterbringung und Versorgung kostet aber etwa 850 Euro.

Mehr lesen Sie am Donnerstag in der gedruckten HNA.

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