Wenn 40 Tonnen abtauchen

Rolf-Dieter Summa ist seit 28 Jahren der Mann an den Fulda-Schleusen

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Ein Relikt von früher: Bei Bonaforth steht ein Nadelwehr.

Fuldatal/Hann. Münden. Rolf-Dieter Summa hat die Macht über zweimal 20 Tonnen. Per Knopfdruck kann er die beiden Wehrklappen der Bonaforther Fulda-Schleuse von einem Steuerpult aus in Bewegung setzen.

Wie auch bei den Schleusen in Wilhelmshausen und Wahnhausen werden so die Klappen jährlich ab dem 15. Dezember abgesenkt. Zwei Tage lang dauert das. Doch in diesem Jahr ist das anders, am vergangenen Freitag musste Summa seine Macht über die Schleuse nicht ausüben. Was war da los, Herr Summa?

„Der Wasserabfluss war schon seit einigen Tagen so hoch, dass die Wehrklappen automatisch abgesunken sind“, sagt Summa, der seit 1989, seitdem die Bonafohrter Schleuse existiert, für diese und die anderen beiden zuständig ist.

In einfachen Worten bedeutet das: Es war bereits genug Wasser in der Fulda, um eine ausreichende Wassertiefe für die Schifffahrt auch ohne Stauung zu gewährleisten.

Grund dafür ist neben den allgemein hohen Niederschlägen auch, dass sich im Edersee bereits so viel Wasser gesammelt hatte, dass dieses zum Teil abfließen musste. Das wiederum wirkt sich auch auf die Fulda aus – und je mehr Wasser kommt, desto weiter senken sich die Schleusen automatisch ab. Automatisch? Und wozu dann die eingangs angesprochene, jährlich wiederkehrende Steuerung durch Fingerdruck?

Grundsätzlich sei der Termin so gewählt, dass möglichen Hochwassern in der Winterzeit vorgebeugt werden könne, erklärt der 62-jährige Summa. Wenn die Klappen abgesenkt werden, kann der Fluss mehr Wasser fassen, ohne über die Ufer zu treten und die dort liegenden Orte zu gefährden – er hat dann mehr Platz, um sich auszudehnen. So weit, so gut.

Die manuelle Senkung am 15. Dezember jedoch lasse sich auf eine Technik vergangener Tage zurückführen. Damals standen sogenannte Nadelwehre anstelle der Wehrklappen im Fluss. Diese waren aus einzelnen, dreieinhalb Meter langen Nadeln, aus Vierkanthölzern zusammengesetzt – mit einem Gewicht von 30 bis 40 Kilogramm pro Holzlatte. Automatisch ging da nichts, die Nadeln konnten nur von Hand bewegt werden.

„Für die Wintermonate mussten die Nadelwehre dann aus dem Fluss gezogen und Ende März des folgenden Jahres wieder reingesetzt werden – dafür brauchte es natürlich mehr Manpower“, sagt Summa. Man musste also frühzeitig vorsorgen. 

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