Heidekraut im Schützengraben

Termenei: Bedeutsame Heide im Landkreis Kassel braucht viel Zeit, Geld und Geduld

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Heidekraut-Idylle in alten Schützengräben: Das Naturschutzgebiet Termenei bei Wilhelmshausen an der Fulda, einst ein Truppenübungsplatz, beherbergt die einzige Heide im Landkreis Kassel. Einst war sie 100 Hektar groß, jetzt sind es nur noch 4,8 Hektar. Aber das genügt, damit sich hier noch die Schlingnatter wohlfühlt. Jakob Gruber vom Forstamt Wolfhagen und Axel Krügener vom RP Kassel pflegen die Termenei seit vielen Jahren.

Fuldatal. Jedem Naturfreund müssten beim Anblick einer Heide Tränen in die Augen schießen. Denn eine Heide ist nichts anderes als total ausgebeutete Natur.

Zuerst war da der Wald, dann wurden Nutztiere durchgescheucht, die sich satt fraßen. Irgendwann wurden noch die Bäume abgehackt – und die dann übrig gebliebenen Wiesen derart überweidet, dass irgendwann kaum noch etwas wuchs.

Und wenn sich die Natur doch wieder erholte – meist in Form des lila blühenden Heidekrauts – wurde das Grün gleich wieder aus dem Boden gerupft, entweder für Einstreu, oder um es zu verfeuern. Im Fall Termenei riss dann noch schweres Militärgerät Löcher in den Boden – von 1901 bis 1938 war das Areal ein Truppenübungsplatz.

In der Termenei zu Hause: Das Hunds-Veilchen liebt nährstoffarme, saure und sandige Lehmböden.

„So in etwa entstand hier die Heide“, sagen Jakob Gruber vom Forstamt Wolfhagen und Axel Krügener vom RP Kassel, die das rund 28 Hektar große Naturschutzgebiet bei Wilhelmshausen an der Fulda schon seit vielen Jahren betreuen. Nur 4,8 von den 28 Hektar sind Heide, eine besondere Kulturlandschaft, die sich durch saure Böden und absoluten Nähstoffmangel auszeichnet. Der Mensch hat dieser Landschaft über Jahrhunderte alles weggenommen, was auf ihr Wuchs – deshalb diese Kargheit. Nur zähe Pflanzen wie das Heidekraut, das Hunds-Veilchen und Gräser kommen hier vor, dazu viele Heuschreckenarten und sogar die Schlingnatter.

Die Heide macht viel Arbeit

„Die Heide macht uns besonders viel Arbeit“, sagt Krügener, „weil wir den Nähstoffmangel im Boden ständig aufrecht erhalten müssen“. Beweidung durch Schafe, das Herausschneiden von Gehölzen, aber auch das flächige Abtragen von Bewuchs (das Abplaggen) müssen die Naturschützer organisieren. „Denn die alten Nutzungsformen gibt es ja nicht mehr“, sagt Krügener. Tue man nichts, hole sich der Wald die Fläche innerhalb kurzer Zeit wieder. Bis zu 10 000 Euro steckt das RP jedes Jahr auf diese Weise in die Pflege der Termenei.

Aber es lohne sich. Die einzige Heide des Landkreises Kassel verjüngt sich aktuell. Zwar zerstört gerade auf etwa einem Drittel der Fläche vermutlich ein Pilz das Heidekraut. Doch gleichzeitig erholt es sich großflächig an anderen Stellen. Krügener und Gruber klatschen in die Hände. „Dort haben wir vor vielen Jahren mit einem Bagger abgeplaggt“, sagt Gruber. Ewig schien dort nichts zu wachsen. Doch nun kommt das Heidekraut wieder.

„Die Natur arbeitet eben mit ganz anderen Zeitmaßstäben“, sagt Krügener, „die Heide sowieso. Man muss ihr ständig etwas antun – und über Jahre hoffen, dass es genau das Richtige war“.

Krimi um Kreuzkröte: 30 Jahre überlebt

Eigentlich sollten auf der etwa 10.000 Quadratmeter großen Fläche einmal junge Fußballer ihr Talent beweisen. Das war vor etwa 65 Jahren kurz nach dem Krieg. Ein Bagger ebnete das Gelände ein, auch wurde es noch planiert. Doch dann kam es zum Baustopp, aus dem Sportplatz im südlichen Teil des 1987 ausgewiesenen Naturschutzgebietes Termenei bei Wilhelmshausen wurde nichts. Weil in den verdichteten Boden kaum noch Wasser absickerte, bildeten sich Pfützen. Die damals noch regelmäßig vorkommende Kreuzkröte fand ein neues Refugium für die Eiablage. 

Doch verlandeten die Tümpel allmählich, der Wald eroberte sich das Terrain zurück, das Gequake der Kreuzkröte war immer seltener zu höhen – zuletzt in den 1980er Jahren. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Kreuzkröte schon längst zu den gefährdeten Arten in Deutschland, überall war sie selten geworden, etwa um das Jahr 2000 gab es im Landkreis Kassel nur noch vier Stellen, an denen Kreuzkröten sicher für Nachkommen sorgten. Doch was war mit den Kreuzkröten im Gebiet der Termenei passiert? 2005 hatten die Naturschützer vom RP Kassel und von Hessen Forst eine Idee. 

Kreuzkröten werden bis zu 30 Jahre alt. Was ist, wenn von den Kröten aus den 1980er Jahren noch einige Tiere im Wald der Termenei überlebt haben –ohne je einen Tümpel gesehen zu haben? Tatsächlich wurde kurze Zeit später der alte Sportplatz komplett von Büschen und Gestrüpp geräumt. Ein Bagger schaufelte mehrere rund 30 Zentimeter tiefe Tümpel – oft nicht größer als ein Wohnzimmerteppich – in den Boden. Der Plan ging auf. „Auf einmal war das Gequake der Kreuzkröte wieder zu hören“, sagt Axel Krügener, der beim RP Kassel für die Naturschutzgebiete im Landkreis Kassel zuständig ist. Seither seien die seltenen Amphibien wieder ein fester Bestandteil der Termenei bei Wilhelmshausen.

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