Gelände bei Simmershausen ist vermüllt und verfällt 

Tierfarm in Fuldatal: Aus einem Paradies wurde ein Schandfleck 

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Völlig verfallen und verdreckt: Die ehemalige Tierfarm von Siegfried Wiesner an der Bundesstraße 3 in Fuldatal-Simmershausen verfällt seit Jahren und ist komplett vermüllt. Auf dem gesamten Gelände liegen Müll und Schrott im Wald. 

Fuldatal. Früher war Siegfried Wiesner einer der bekanntesten Tierdompteure Deutschlands. Nun liegt sein Lebenstraum in Fuldatal in Trümmern. Was wird aus dem Schandfleck?

Die Trümmer eines gescheiterten Lebenstraums liegen verstreut auf einem etwa 20.000 Quadratmeter großen Waldstück oberhalb der Bundesstraße 3 in Simmershausen. Wo einst Tiger, Löwen, Leoparden und Pumas lebten, stehen heute verfallene und zugewachsene Käfige.

Die ehemalige Tierfarm im Schocketal verkommt seit Jahren zu einer Müllhalde, wo sich unter Bäumen und Büschen alles finden lässt, was niemand mehr haben will: alte Fahrräder und Skier, kaputte Möbel, Eimer, Lampen und Reifen. Die Liste ließe sich ewig fortsetzen. „Das alles zu entsorgen und das Gelände instand zu setzen, würde vermutlich bis zu 100.000 Euro kosten“, sagt Bürgermeister Karsten Schreiber.

Etliche Leser hatten sich bei der HNA gemeldet, um auf den Schandfleck im Schocketal aufmerksam zu machen. Eine besorgte Leserin berichtete, dass Altöl in den Boden fließen soll. Der Bürgermeister weiß um das Problem. Das Gelände gehört Siegfried Wiesner, der Mitte des vergangenen Jahrhunderts einer der bekanntesten Dompteure Deutschlands war.

Berg von Steuerschulden

Wiesner erwarb das Gelände 1977 in Erbpacht für 99 Jahre. Für den damaligen Bürgermeister Dieter Michel sollte die Tierfarm ein wichtiger Baustein zum Ausbau Fuldatals zu einem Fremdenverkehrsort werden. Doch daraus wurde nichts. Mit den Jahren wuchs nicht nur die Farm, sondern auch die Probleme wurden größer. Anfang der 80er-Jahre hatte Wiesner einen Berg Steuerschulden angesammelt. Hinzu kam ein 1981 verabschiedetes Naturschutzgesetz zur artgerechten Haltung wild lebender Tiere, das ihn zwang, seine geliebten Raubkatzen zu verkaufen. Wiesner musste die Tierfarm über 18 Monate schließen, bis er sie schließlich an den Förderkreis Tierfarm verpachtete. Doch der Neubeginn währte nur ein paar Jahre. Ende der 80er-Jahre war dann endgültig Schluss.

Auf dem gesamten Gelände liegen Müll und Schrott im Wald.

Bis 2015 lebte Siegfried Wiesner in einem Camper auf dem Gelände. „Reisende Leute wohnen im Wohnwagen“, sagt der 83-Jähige, der heute in einer kleinen Wohnung in Ihringshausen lebt. Erst als er einen schweren Unfall hatte, musste er das Gelände verlassen. Seither hat er einen vom Amtsgericht gesetzlich bestellten Betreuer an seiner Seite, der nun seine Geschäfte führt. Geld hat Wiesner schon lange keines mehr, er hat über die Jahre alles in sein Lebensprojekt gesteckt.

Bauzäune zur Sicherung

Im vergangenen Jahr ist die Gemeinde an Siegfried Wiesner herangetreten, um über die Zukunft des Geländes zu sprechen. Denn so, wie es derzeit ist, kann es nicht weitergehen, da sind sich alle einig. „Wir wollen den Zustand dort ändern“, sagt Bürgermeister Karsten Schreiber. Damit die Gemeinde das Gelände übernimmt, müsste Siegfried Wiesner auf seine Erbpacht verzichten. Doch der möchte für die Aufgabe seines Geländes zumindest eine kleine Entschädigung. Die Gemeinde verweist auf die enormen Kosten, die auf sie zukämen. Zumal das Gelände immer noch belastet ist. Siegfried Wiesners Betreuer hat nun die Gläubiger angeschrieben, um herauszufinden, ob sie auf ihr Geld verzichten würden.

Um das Gelände zu sichern, würde Schreiber gern Bauzäune aufstellen lassen. „Aber wir müssen zuerst die rechtliche Grundlage klären, denn auch das kostet einen Haufen Geld.“

Völlig verfallen und verdreckt.

Die ehemalige Tierfarm ist frei zugänglich. Zäune gibt es keine. Deshalb nutzen wohl auch viele seit Jahren das Gelände als Mülldeponie. Doch das ist illegal. Wie das Regierungspräsidium Kassel (RP) auf seiner Webseite schreibt, dürfen Abfälle „nur in dafür zugelassenen Abfallentsorgungsanlagen entsorgt werden. Verstöße gegen diese Vorgabe werden von den Abfallbehörden als Ordnungswidrigkeit verfolgt. In besonders schweren Fällen wird die Polizei eingeschaltet.“ Jetzt müssen die Behörden klären, wer für die Sicherung des Geländes zuständig ist: die Gemeinde, das RP oder die Umweltschutzbehörde des Landkreises.

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