Mit dem Schulbus in die Pleite

Unternehmer aus dem Landkreis soll 500.000 Euro Sozialabgaben hinterzogen haben

Kassel. Über 500.000 Euro Sozialabgaben für seine Beschäftigen und 156.000 Euro Steuern soll eine ehemaliger Unternehmer aus dem Landkreis Kassel den Sozialversicherungen und dem Finanzamt vorenthalten haben.

Deshalb steht der 51-Jährige seit Dienstag vor der 3. Strafkammer des Landgerichtes.

Auf der Anklagebank sitzt ein honorig wirkender, kräftiger Mann, der nichts beschönigt. Schließlich hatte er sich auch per Selbstanzeige in die Hände der Justiz begeben und ist nun sichtlich bemüht, ein unrühmliches Kapitel in einem sonst bürgerlich-geordneten Leben abzuschließen.

Staatsanwalt Dr. Poppe wirft dem Angeklagten 256 Straftaten vor, begangen zwischen 2004 und 2013. Mal soll er falsche Angaben zur Zahl seiner Beschäftigen und deren Entlohnung gemacht haben, weshalb die AOK rund 500.000 Euro zu wenig an Sozialabgaben einzog.

Mal soll er die Umsätze und Gewinne seiner beiden Unternehmen, die sich vorrangig mit der Personen- und Güterbeförderung beschäftigten, nicht korrekt ans Kasseler Finanzamt gemeldet und dadurch 156.000 Euro Steuern hinterzogen haben.

Den Schritt vom Arbeitnehmer zum Chef habe er 1996 gemacht, als er in das Niestetaler Unternehmen einstieg, bei dem er bislang beschäftigt war, berichtete der Angeklagte auf Fragen des Vorsitzenden Richters Winter.

Später siedelte er nach Fuldatal um, von wo aus er vor allem Schulbusverkehr im Auftrag des Landkreises übernahm. Außerdem hatte er Taxen laufen, übernahm Kurierfahrten und organisierte Busreisen mit eigenen Fahrzeugen. In der Spitze habe er bis zu 60 Menschen beschäftigt, darunter viele in Voll- und Teilzeit, aber auch in Minijobs. Inzwischen sind alle Unternehmen pleite, ein Insolvenzverfahren konnte aber mangels Masse nicht eröffnet werden.

Gerade der Schulverkehr, so der Angeklagte, sei mit spitzem Stift kalkuliert worden. Als dann die Spritpreise explodierten, sei sein Betrieb schnell in Schieflage gekommen. Zudem sei es immer schwieriger geworden, geeignetes Personal zu finden.

Nachdem er sich selbst wegen der steuerlichen Unregelmäßigkeiten angezeigt hatte, habe er auch bald Insolvenz anmelden müssen. Heute arbeite er wieder in seinem ursprünglichen Beruf als Industriemeister in einem Metallunternehmen.

Richter Winter sah in dem Verfahren gegen den voll geständigen Angeklagten eine perfekte Möglichkeit für Staatsanwaltschaft und Verteidigung zu einem verfahrenskürzendem Verständigungsgespräch, zu dem sich Ankläger Poppe und Verteidiger Volker Herold auch gleich zurückzogen.

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