Wird Reinhardswaldschule Sammelunterkunft für Flüchtlinge?

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Noch ist sie Fortbildungs- und Tagungsstätte: Die Reinhardswaldschule in Simmershausen.

Fuldatal. Die erste Aufregung hat sich bei den Beschäftigten der Reinhardswaldschule in Simmershausen gelegt.

Laut Hessischer Staatskanzlei wird es dort keine Einrichtung zur Erstaufnahme von Flüchtlingen geben. Entwarnung kann aber noch nicht gegeben werden, denn noch läuft eine Prüfung, ob sich das Gelände als Flüchtlingsunterkunft eignet.

Dies bestätigte am Donnerstag Stefan Löwer, Sprecher des Hessischen Kultusministeriums, auf HNA-Anfrage. Das Ministerium ist Mieter der Liegenschaft, die das Landesschulamt und die Lehrkräfteakademie als Tagungs- und Fortbildungsstätte nutzen.

„Wir beabsichtigen nicht, dies unmittelbar zu ändern“, betont Löwer. Allerdings sei sich das Ministerium auch der aktuellen Herausforderung bewusst, dass Flüchtlinge unterzubringen seien. „Daher verweigern wir uns nicht und arbeiten konstruktiv mit anderen Stellen zusammen“, sagt Löwer. Teil der Prüfung sei auch, „wo die Beschäftigten untergebracht werden und an welchem anderen Ort die Veranstaltungen stattfinden könnten“.

Anfrage durch den Landkreis 

Zu den erwähnten „anderen Stellen“ gehört laut Löwer der Landkreis Kassel. Dies bestätigt Kreissprecher Harald Kühlborn gegenüber der HNA. Es habe Anfang März eine schriftliche Anfrage an das Land gegeben. Darin bekunde der Landkreis sein Interesse an der Reinhardswaldschule als mögliche Flüchtlingsunterkunft, sollte das Land die Liegenschaft aufgeben.

„Wir prüfen alle leer stehenden Liegenschaften, die über Wohnungen hinausgehen“, sagt Kühlborn. Man frage aber auch bei potenziell möglichen Objekten nach, die noch genutzt werden. Denn bei derzeit im Schnitt 25 Flüchtlingen, die pro Woche zusätzlich unterzubringen seien, „leben wir derzeit von der Hand in den Mund“. Mit den zurzeit vorhandenen Unterkünfte „überstehen wir den März, vielleicht noch den April“.

Mit der Anfrage an das Land starte der Landkreis aber nicht die Initiative, die Reinhardswaldschule zu schließen. „Wir sind froh, dass es sie gibt und wollen die Tradition der Lehrerfortbildung und auch die Arbeitsplätze erhalten“, betont Landrat Uwe Schmidt (SPD), der auch stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Reinhardswaldschule ist.

Vorsitzende Anne Werderich (FDP), ehemalige Fuldataler Bürgermeisterin, wird deutlicher. Sicher brauche der Landkreis zusätzliche Unterkünfte für Flüchtlinge. Aber würde die Reinhardswaldschule vom Kultusministerium aufgegeben, „wäre das der Tod der Lehrerfortbildung in Nordhessen“. Werderich: „Und das wäre eine Katastrophe.“

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