Halter und Vereine in Sorge

Pferdesteuer: „Das wäre unser Ruin"

Fuldatal. Hofbesitzer, Vereine und Pferdepensionsinhaber gehen gegen die mögliche Einführung einer Pferdesteuer in die Offensive: Am Montagabend erklärten sie auf dem Pferdehof Loserth Fuldataler Kommunalpolitikern, wie schwer sie die Steuer treffen würde.

Tenor: Es gehe dabei nicht um die Besteuerung eines Luxushobbys, sondern um den Verlust wirtschaftlicher Existenzen und der Landschaftspflege. „Das wäre unser Ruin“, sagte Annette Rund, Ponyhalterin aus Wilhelmshausen. Dem Vernehmen nach könnte sich schon im Juni entscheiden, ob die Pferdesteuer wirklich kommt.

Die Gemeindevertretung hatte im Februar im Zuge der Sparmaßnahmen des kommunalen Rettungsschirms mit den Stimmen von Grünen und Sozialdemokraten beschlossen zu prüfen, ob mit der Erhebung einer

Lesen Sie auch:

-Reiter diskutieren Boykott von Erntefest

-Debatte um Pferdesteuer schadet Betrieb in Bad Sooden-Allendorf

Pferdesteuer die hohen Schulden der Gemeinde mit abgetragen werden können
. Zu dem Informationstreffen auf dem Hof Loserth kamen allerdings fast ausschließlich Gemeindevertreter von CDU, FDP und Freien Wählern, die ohnehin gegen die Pferdesteuer sind. SPD-Gemeindevertreter fehlten ganz, wie Gemeindevorstandsmitglied und Sozialdemokrat Dieter Rohde auf Anfrage bestätigte. In der SPD habe es keine Absprache gegeben, nicht an dem Treffen teilzunehmen, sagte deren Gemeindevertreterin Stefanie Roß-Stabernack.

Die Hofbesitzer machten deutlich, dass sie auf Pensionspferde angewiesen sind, um ihre Höfe erhalten zu können. Viele Tiere seien schon alt. Kinder und Jugendliche würden durch den Umgang mit den Tieren gefördert, man arbeite mit den Kitas zusammen. Pensionsinhaber und Züchter Volker Spohr aus Wilhelmshausen beobachtet schon jetzt Abwanderungstendenzen. „Die wandern über die niedersächsische Grenze ab. Drei Pferdebesitzer haben mir schon gekündigt. Seit einem halben Jahr bekomme ich keine Anfragen mehr.“ Dabei sei die Situation schon schwierig genug. Er befürchte einen schweren Rückschlag für das Reitsportzentrum Gut Eichenberg, wenn die Steuer komme, sagte dessen Inhaber Peter Grollich. Er kündigte an, er werde die Fraktionen zu Gesprächen einladen.

Werner Dörbaum (Grüne), der den Prüfauftrag zur Pferdesteuer formuliert hatte, lobte die Idee der Betriebe, sich in lockerer Runde mit den Politikern sachlich auszutauschen. Seine politische Position habe sich dadurch allerdings nicht verändert. An den hohen Schulden der Gemeinde komme man nicht vorbei, sagte er.

Rund 200 Pferde von Steuer betroffen

In Fuldatal könnten rund 200 Pferde betroffen sein, wenn alle Tiere ohne Ausnahme steuerpflichtig werden. Das ist in Bad Sooden-Allendorf der Fall. Die Stadt hat zum 1. Januar dieses Jahres die Pferdesteuer eingeführt. Mehrere Pferdehalter gehen gegen die entsprechende Satzung mit einem sogenannten Normenkontrollverfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel vor. Ihr Ziel ist es, die Steuer zu kippen. Finanziell unterstützt werden sie dabei von Reitervereinigungen. In Schauenburg war die Steuer schon vor zwei Jahren gescheitert.

Neben Bad Sooden-Allendorf hat im April auch die Stadt Kirchheim die Einführung einer Pferdesteuer beschlossen. Halter sollen ab 2014 90 Euro pro Tier zahlen. Es soll Ausnahmen, beispielsweise für Gnadenbrot-Pferde und Vollerwerbs-Pferdewirte, geben. (pdi)

Von Peter Dilling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.