Bilanz nach zwölf Jahren im Amt

Bürgermeisterin  Werderich geht in den Ruhestand

Fuldatal. Anne Werderich (FDP) ist mit sich im Reinen. Zum Ende ihrer zweiten Amtszeit als Bürgermeisterin von Fuldatal wirkt die 65-Jährige abgeklärt, gelassen. Sie habe sich als Verwaltungschefin nichts vorzuwerfen, sagt sie. Zum Jahreswechsel geht sie in den Ruhestand.

Am morgigen Freitag wird Werderich ab 19.30 Uhr während einer öffentlichen Parlamentssitzung im Fuldataler Forum offiziell verabschiedet. Anschließend wird ihr Nachfolger Karsten Schreiber (CDU) ins Amt eingeführt.

Ihre Bilanz als Bürgermeisterin fällt positiv aus. Obwohl es für sie 2001 „gleich mit einem Katastrophenjahr“ begann. Der Gemeindehaushalt, den sie übernahm, war nur auf dem Papier ausgeglichen. „Tatsächlich hatten wir 700.000 Euro Defizit, weil die kalkulierten Einnahmen nicht stimmten.“

Werderich war als Kandidatin mit dem Versprechen angetreten, die „enorme Schuldenlast“ abzubauen. Stattdessen wuchs in jedem Jahr das Defizit. Weil grundlegende Einnahmen wie der Anteil an der Einkommenssteuer wegbrachen, wie sie sagt. Langsam verbessere sich die Situation.

Inzwischen hätten alle im Parlament auch dank der Schutzschirm-Debatte erkannt, „dass man nicht mehr ausgeben kann, als eingenommen wird“. Sie glaube, dass „die Not jetzt zusammenschweißt“. Sie war immer wieder mit Sparvorschlägen an der Parlamentsmehrheit gescheitert.

Im Herbst 2000 trat das FDP-Mitglied bewusst als Einzelkandidatin an, unterstützt vom bürgerlichen Lager aus CDU, Grünen, FDP und FWG. Knapp schlug sie bei der Wahl den bisherigen Amtsinhaber Rudolf Stoepel (SPD). Im Parlament hatten die Sozialdemokraten das Sagen. Als diese ihre absolute Mehrheit verloren, hatte Werderich eine Koalition aus SPD und Grünen gegen sich.

Für die SPD sei sie nach ihrem Wahlsieg eine Unperson gewesen. Konkrete Probleme habe sie aber nur mit wenigen Mandatsträgern gehabt. Geärgert hat Werderich, dass viele Diskussionen ideologisch geführt wurden, „nicht zum Wohle der Gemeinde“. Und dass Fraktionen „wider besseres Wissen“ abstimmten, statt pragmatisch Kompromisse zu suchen. „Die Bürger sind über dieses Denken lange hinaus.“

Bilder aus der Amtszeit der Bürgermeisterin

Fuldatals Bürgermeisterin Werderich in ihrer Amtszeit 

Als sie Widerspruch gegen den Haushalt 2003 einlegte, weil die Mehrheit eine dringende Kanalsanierung in der Ysenburgstraße in Ihringshausen verschieben wollte, habe sie das Verhalten mancher Politiker sehr belastet. Dies überstand Anne Werderich wie auch den Gegenwind aus der Bevölkerung, als alle Fuldataler den Bau der Kläranlage Ihringshausen über Beiträge finanzieren mussten.

Bleibt ihr Fazit nach zwölf Jahren im Amt: „Es hat viel Spaß gemacht.“ Als jemand, der gut mit Menschen könne, habe sie viele Fuldataler kennengelernt. Und sie habe politisch spannende Situationen erlebt.

Ab Januar will sich Werderich ins Private zurückziehen, „wieder mit Sport anfangen, endlich Theater-Abo und Lesekarte der Bücherei ausnutzen und natürlich reisen“ mit Ehemann Klaus-Dieter Sänger.

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