Von Fuldatal aus werden 5300 Beamte der Bundesbereitschaftspolizei in der gesamten Republik eingesetzt

Bei Fußballfans und Obama

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Fangruppen: Eine der Hauptaufgaben der Bundesbereitschaftspolizei ist an Wochenenden das Begleiten von Fußballanhängern.

Fuldatal. Mit insgesamt 6400 Mitarbeitern in zehn Einsatzabteilungen verteilt über die Republik ist die Direktion Bundesbereitschaftspolizei die personalstärkste, sagt deren Präsident Friedrich Eichele.

Das Gros, nämlich etwa 5300, sind Polizisten, die von Fuldatal aus eingesetzt und koordiniert „quasi an jedem polizeilichen Brennpunkt in der Republik mit dabei sind“, betont Eichele.

Aufträge bekomme man von den neun regionalen Direktionen der Bundespolizei und den 16 Bundesländern, man unterstütze BKA oder Bundeszollverwaltung. „Wir haben das breiteste Aufgabenspektrum.“ Dies führte in etwas mehr als fünfeinhalb Jahren seit Bestehen der Direktion zu 9646 Einsätzen, Stand 26. August.

„Wenn der Papst kommt, sind wir in Zivil unter den Gläubigen als erweiterter Personenschutz“, sagt Eichele. Die gleiche Aufgabe erfüllten die Bundesbereitschaftspolizisten, als vom 17. bis 19. Juni die „meistgefährdete Person der Welt“, US-Präsident Barack Obama, in Berlin war.

Der hatte seinen Secret Service dabei, die Bundespolizisten aber kontrollierten unter anderem Teile des Flughafens Tegel, den Potsdamer Platz, das Schloss Charlottenburg. Sie hatten laut Eichele mit anderen Beamten „die Hausdächer im Griff“ und im Hotel Ritz Carlton „die Etagen über und unter den Zimmern des US-Präsidenten“.

Auch ohne Staatsbesuch hat die Bundesbereitschaftspolizei täglich zu tun mit Schwerpunkt an den Wochenenden. Dann werden Fußballfans quer durch die Republik begleitet. Durch den konsequenten Einsatz mit Unterstützung aus der Luft durch die Fliegerstaffeln habe man „das einschlägige Gewaltpotential aus Zügen und Bahnhöfen fast komplett verdrängt“, sagt Eichele. „Weil wir dafür gesorgt haben, dass Täter vor Gericht gebracht und verurteilt werden konnten.“ Dank der „weltbesten Videoausstattung einer Bereitschaftspolizei. Wer eine Flasche wirft, läuft Gefahr, identifiziert zu werden.“

Die Kommunikation mit dem Gegenüber sei das wichtigste Einsatzmittel. Klappt nicht immer: 2012 gab es 14 Strafanzeigen gegen Mitarbeiter, drei laufen noch, die anderen wurden eingestellt. „Das ist quasi null“, sagt Eichele. 159 verletzte Polizisten in zwei Nächten zum 1. Mai in Berlin, dies gehöre der Vergangenheit an. Durch bessere Schutzmaßnahmen und: „Weil wir uns Respekt verschafft haben.“

In der nächsten Folge stellen wir einen Piloten des Rettungshubschraubers Christoph 7 vor.

Stichwort: Tag der offenen Tür

Mit einem Tag der offenen Tür stellt sich die Bundespolizei in Fuldatal-Ihringshausen, Niedervellmarsche Straße 50, am Sonntag, 8. September, von 11 bis 17 Uhr vor.

Es gibt Hubschrauber und Einsatzfahrzeuge zum Anfassen, Kinderprogramm und Motorradkarussell zum Mitmachen, Polizisten, Hunde und Pferde im Einsatz zum Anschauen und zum Zuhören das Bundespolizeiorchester Hannover. (mic)

 

Hintergrund  

Die Direktion in Fuldatal hat 200 Mitarbeiter, darunter 39 Vollzugsbeamte. Die Direktion koordiniert zehn Einsatzabteilungen. Zu den Einsatzhundertschaften gehören fünf technische mit 1800 Fahrzeugen wie Wasserwerfer, Radlader, Kühlfahrzeugen und Boote. (mic)

Hundertschaften nachts auf Patrouille

Staatsbesuch: Bundespolizisten sichern in Berlin die Fahrstrecke des US-Präsidenten Obama (links im Fahrzeug).

Die Bundesbereitschaftspolizei wird laut Präsident Friedrich Eichele „oft unterschätzt. Dabei decken wir alles ab, was polizeilich möglich ist.“ Beispiel gefällig? Spätherbst 2011 macht eine Serie von Autobränden in Berlin Schlagzeilen. Schließlich ruft das Land Berlin den Bund zur Hilfe, „also uns“, sagt Eichele. Gegen 16 Uhr sei der Anruf in Fuldatal eingegangen, um 23 Uhr waren die ersten Hundertschaften auf den Straßen der Hauptstadt unterwegs. 200 bis 450 Mitglieder der Bundesbereitschaftspolizei haben ab dann in den Nächten „die Straßen sicherer gemacht“, sagt Eichele. Einer der beiden Haupttäter sei von den Bundespolizisten auf frischer Tat erwischt, der zweite durch Ermittlungen dingfest gemacht worden.

In den Reihen der Bundesbereitschaftspolizei gebe es Kletterer, um zum Beispiel Greenpeace-Demonstranten von Bäumen und Gebäuden zu holen. Es gibt laut Präsident Eichele Experten etwa zum Öffnen von Türen und Lösen. Letztere kommen zum Einsatz, wenn sich bei Blockaden Menschen irgendwo angekettet haben. Bei Minusgraden manchmal ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit, wie Eichele meint. Schnelles Vorgehen, ohne das diese Personen Schaden nehmen, sei dann erforderlich.

Beim jüngsten Hochwasser waren die Bundespolizisten mit bis zu 2000 Mitarbeitern vor Ort, evakuierten Menschen und leisteten technische Hilfe auch nachts. Sie sicherten zum Beispiel eine Schaltzentrale für Digitalfunk in Magdeburg, die zwei Meter unter dem Wasserspiegel lag. „Die hätte dann sogar einem Dammbruch standgehalten“, sagt der Präsident.

In Deggendorf in Bayern bauten die Bereitschaftspolizisten eine Zeltstadt für 700 Personen auf, versorgten mit eigener Küche Einsatzkräfte mit 2000 Mahlzeiten am Tag. Durch das Hochwasser seien insgesamt 275 000 Einsatzstunden angefallen.

Sonst schickt die Fuldataler Direktion eine Rechnung an die Länder. Eichele: „In diesem Fall hat der Bund auf Einnahmen verzichtet.“ (mic)

Von Michael Schräer

Im Einsatz bei Fußball und Obama

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