„Die Schreie - das war schrecklich“: Schauenburger Paar reiste auf "Costa Concordia"

Schauenburg/Rom. „Die Schreie - das war schrecklich.“ Der 54-jährige leitende Angestellte aus Schauenburg denkt mit großem Unbehagen zurück an die Minuten, als er gemeinsam mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar aus Kassel auf den Einstieg in ein Rettungsboot auf der Costa Concordia wartete.

In ihrer Gruppe auf Deck fünf sei alles einigermaßen geordnet verlaufen, sagt er. „Nebenan wurde es lauter und hektisch. Manche Leute hatten kaum etwas an.“

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Das Kreuzfahrtschiff mit 4200 Menschen an Bord, zu denen auch die vier Nordhessen gehörten, hatte am Freitagabend vor der toskanischen Küste einen Felsen gerammt. Das riesige Schiff drohte zu kentern. Ein Unglück anstelle von Urlaub, auf den sich die Ehepaare so sehr gefreut hatten.

Jetzt sind die vier wohlbehalten zurück in der Heimat. „Manchmal habe ich gedacht, hoffentlich schaffen wir das“, sagt der Schauenburger, der zum Schutz seiner Privatsphäre nicht mit Namen in der Zeitung stehen möchte.

Das Ehepaar saß gerade beim Essen, als der Felsen das Schiff auf einer Länge von 70 Metern aufschlitzte. „Es gab einen furchtbaren Schlag“, sagt der Passagier. „Dann ist das Geschirr von den Tischen geflogen.“

Es folgte eine Durchsage, dass es sich nur um einen Generatorschaden handele, berichtet der 54-Jährige. Später, als das Schiff sich zuerst auf die eine, dann auf die andere Seite zu neigen begann, hätten sie gewusst: „Das ist kein Spaß mehr.“ Erst eine Stunde nach dem Aufprall schrillte ein Alarmton. „Siebenmal kurz, einmal lang.“ Die Schauenburger hatten ihre Kabine glücklicherweise oberhalb des Teils, der langsam immer weiter ins Wasser sank. „Wir haben zuvor noch unsere Ausweise und eine Jacke geholt“, berichtet der Mann. „Dann sind wir zu dem Rettungsboot gegangen, das auf unserer Schwimmweste angegeben war.“ Viele junge Stewards registrierte der Schauenburger bei den Rettungsbooten. „Von den Leitenden haben wir keinen gesehen.“

Der 54-Jährige berichtet von einem geordneten Einstieg in das Boot. „Alle, die dort standen, sind mitgekommen“, sagt er. Das Boot sei problemlos aufs Wasser gekommen. An der Küste seien sie äußerst freundlich von den Menschen aufgenommen worden. „Die haben die letzte Bettwäsche für uns gegeben.“ Er erzählt aber auch davon, dass er sich noch mal der Szenerie auf dem Wasser zuwandte. Einige Menschen habe er entdeckt, die in Panik ins Meer sprangen. Doch soweit er das habe sehen können, hätten alle Rettungsinseln erreicht oder seien von Booten aufgenommen worden.

Am Morgen ging die Reise mit einer Fähre zurück zum Festland. Dann stiegen die Nordhessen in Busse, die sie durch die Schweiz und schließlich nach Deutschland brachten. Der Bericht des Schauenburgers stockt. Er denke an die Menschen, die wohl eingeschlossen sind in dem inzwischen auf der Seite liegenden Schiff, sagt er. „Das ist wirklich traurig.“

Von Sven Kühling

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