Beim Stehenden Festzug in Kaufungen konnte man Geschichte erleben - oder im Gewand mitmachen

Ein ganzer Ort geht auf Zeitreise

Schöne Stimmen: Mit mittelalterlichen und anderen Gesängen trat der Chor „Haste Töne“ auf. Historische Gewänder trugen am Wochenende viele Kaufunger, oft selbst genäht und entworfen.

Kaufungen. „Kaiser Heinrich und Kunigunde haben uns beauftragt, euch zu schützen“, verkündet Fürst Aragorn vom Auenland. Also haben er und sein Gefährte Volkmar  ihre 40 Kilogramm schweren Rüstungen angelegt und üben sich im Schwertkampf. Schnell bildet sich im Stiftshof eine Traube von Zuschauern, viele von ihnen selbst in prächtigen Gewändern, die die Ritter anfeuern.

Hier auf dem Gelände der Stiftskirche in Oberkaufungen beginnt der Stehende Festzug und gleichzeitig eine Zeitreise, auf die sich an beiden Tagen nach Angaben von Bürgermeister Arnim Roß (SPD) zwischen 10 000 und 12 000 begeben haben. Die Dorfstraße hinunter, über die Niester Straße und bis zur alten Ziegelei schlängelt sich eine Vielzahl von Stationen.

Wir bleiben erst mal im Mittelalter und schauen bei der Goldschmiedin Iris Fey-Gerhard vorbei. Sie zeigt Schmuck, wie er vor tausend Jahren ausgesehen haben könnte und verarbeitet unter anderem Bernstein. „Den konnte man auch damals verarbeiten, weil er so weich ist“, erklärt sie. Geschichte und Gegenwart verbindet sie, indem sie die gleichen Materialien auch zu einer „modernen“ Schmuckkollektion verarbeitet.

Einen Sprung knapp 900 Jahre nach vorn macht die Schreinerei Kiphenn, die ihr bis zu 200 Jahre altes Werkzeug vorführt. Markus Kiphenn, der das Geschäft nun in der fünften Generation führt, erklärt, wie seine Vorgänger mit der Raubank, einem Hobel, arbeiteten. „Außerdem musste man als Tischler früher schnell sein, weil der Knochenleim so schnell hart wurde.“ Uschi Butterweck vom Oldtimerclub Kaufungen fühlt sich in den 1960er-Jahren am wohlsten. „Mit meinen Autos bin ich eigentlich jedes Wochenende unterwegs. Und das Goggo-Coupé passt zu mir - das ist auch so klein.“

Doch nicht alles ließ sich bei diesem Fest zeitlich einordnen. Rätsel gaben drei Ameisen-Frauen auf, die im bunten Treiben für Disziplin und Ordnung sorgen wollten - leider auf Ameisen-Sprache, was die bunt gewandeten Besucher nicht verstanden. Das alles und noch so viel mehr gab es zu sehen - da ist es schon eine Kunst, sich so knapp zu halten wie dieser reimende Ausrufer: „Tausend Jahre wunderbar, Tausende waren dazu da!“

Von Nora Wetzel

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