Kreis weiß nur wenig über die soziale Situation der Nutzer seiner Freizeiteinrichtungen

Gast als unbekanntes Wesen

Susanne Selbert

Niestetal. Fast 600 Unterschriften haben die Sozialdemokraten inzwischen für den Erhalt der kreiseigenen Freizeiteinrichtungen gesammelt. Im Tierpark Sababurg, an der Jugendburg Sensenstein, vor dem Wasserschloss Wülmersen, dem Jugendseeheim auf der Nordseeinsel Sylt und dem Haus Panorama im oberbayerischen Schönau ließen sie überdies rote Luftballons in den Himmel steigen.

Die erste Botschaft der Aktion: Die Einrichtungen müssen als Urlaubs- und Freizeitmöglichkeiten vor allem für finanziell nicht so gut gestellte und sozial schwache Menschen erhalten bleiben. Und die zweite: Die regelmäßig erhobene Forderung von Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke (CDU), der Landkreis müsse die Einrichtungen wegen seiner prekären Haushaltslage verkaufen, ist unsozial.

Tatsächlich gibt es aber keine gesicherten Erkenntnisse darüber, dass vor allem finanziell schlechter Gestellte die Einrichtungen nutzen. Der Kreis fordere von seinen Gästen „keinen Nachweis über die Einkommensverhältnisse oder über den Bezug von staatlichen Transferleistungen“, heißt es in der Antwort der für die Einrichtungen zuständigen Vize-Landrätin Susanne Selbert (SPD) auf eine Anfrage der FDP nach dem Anteil dieses Personenkreises, die dem Kreistag gestern in Niestetal vorgelegt wurde.

Auch Kreissprecher Harald Kühlborn konnte auf HNA-Anfrage keine Zahlen nennen. Er schließt aber aus dem Standard der Jugend- und Freizeitheime auf Sylt und in Berchtesgaden, „dass Menschen mit höherem Einkommen nicht zu den Kunden gehören“.

Rücksprachen mit den für die Buchungen zuständigen Mitarbeitern zeigten, dass insbesondere Familien und Rentner die Angebote nutzen. Kühlborn: „Das sind Bevölkerungsgruppen, die nicht notwendigerweise im Geld schwimmen.“ Beide Einrichtungen hätten keine Chance auf die vom Hotel- und Gaststättenverband verliehenen Sterne. Doch nicht nur Angaben über die Einkommen der Gäste fehlen, auch die Frage der Liberalen nach Alter, Geschlecht und Wohnort derjenigen, die die Heime außerhalb von Jugendfreizeiten nutzen, kann der Kreis nicht beantworten. „Die Nutzer werden nicht nach soziokulturellen Gruppen statistisch erfasst“, heißt es in dem Bericht der Vize-Landrätin.

Erfasst wurden dagegen die Übernachtungszahlen. Im Jugendseeheim Sylt stiegen im vergangenen Jahr 65 323 Gäste ab (39 Prozent Jugendfreizeiten), im Haus Panorama 18 896 (28 Prozent Jugendfreizeiten), auf der Jugendburg Sensenstein 27 149 (44 Prozent) und im Wasserschloss Wülmersen 8754 (78 Prozent).

Archivfoto: nh

Von Peter Ketteritzsch

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