Wellerode

Gasthof Most’s Alte Post befindet sich seit 125 Jahren im Familienbesitz

Mit Theatersaal und Kegelbahnen: Most’s Alte Post, heute betrieben von der Unternehmergesellschaft Most’s UG, bleibt auch mit Jürgen Löber (Foto) im Familienbesitz. Fotos:  Wienecke, Repro: hna

Söhrewald. Wenn er über Wellerode redet, gerät Jürgen Löber ins Schwärmen, er mag den Ort im Grünen. „Viele fragen mich, warum ich das mache“, berichtet der Zahnarzt, der seit 2011 auch Gastwirt ist. „Wenn man hier groß geworden ist, hängt man daran“, erklärt der 46-Jährige.

Acht Generationen Familienbesitz ab 1845 konnte Jürgen Löber mit Pfarrer Werner Pausch, der mit der Laienspielgruppe Söhreperlen auch den Theatersaal nutzt, in den Kirchenbüchern finden.

Das Fachwerkhaus muss noch älter sein. Für das 125-jährige Bestehen des Gasthofs wird ab 1888 gerechnet, denn von 1877 bis 1888 war das Gasthaus geschlossen. „Frauen bekamen damals noch keine Schankerlaubnis“, berichtet Jürgen Löber. So konnte die Witwe von Conrad Werner den Betrieb nicht fortführen, bis ihre Tochter den Dachdecker Conrad Most heiratete.

Mit Gitarre: Fritz Most (1897 bis 1937) war sehr beliebt.

„Jede Generation hat gebaut: den Saal, die Bühne, die Nebenzimmer, das Stallhaus und ein neues Posthaus“, erzählt Jürgen Löber. „Schauen Sie mal, das waren ganz arme Leute“, sagt er, als er ein ganz altes Foto zur Hand nimmt. Conrad Most, der den Gasthof ab 1888 führte, hatte fünf Berufe und wurde „’s ahle Männchen“ genannt. Fritz Most, der das erste Telefon in Wellerode hatte, wurde Seppl gerufen.

Konrad Most, der Großvater von Jürgen Löber, der 1959 übernahm, hatte nur noch drei Berufe: er war Landwirt, Gastwirt und Postbediensteter. „Nur in der Zeit meiner Eltern war der Gasthof ein Vollerwerb“, erklärt Jürgen Löber. Sein Vater Herbert arbeitete als Schlosser und stieg mit dem Bau der Kegelbahnen 1973 hauptberuflich mit ein.

„Von 1999 bis 2006 haben wir nacheinander alles renoviert, den Innenausbau habe ich selbst gemacht“, berichtet Jürgen Löber. 1999 wurden die Bitumenplatten entfernt und die Fachwerkfassade wieder hergerichtet, 2006 der Hof gepflastert. „Inzwischen fange ich wieder von vorne an“, sagt Jürgen Löber. Er lebt mit seiner Frau Steffi und vier Kindern im Haus und hat eine 14-jährige Tochter aus erster Ehe.

Jürgen Löbers Eltern Inge (68) und Herbert (74) arbeiten noch viel im Hintergrund mit. Inzwischen ist Most’s eine haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (UG), eine Mini-GmbH also, Jürgen Löber ist Geschäftsführer. „Wir haben gnadenlos verschlankt, da sich die Dorfgastronomie im Wandel befindet“, sagt er.

„Ich führe inzwischen vier Betriebe“, berichtet Jürgen Löber und meint damit die Zahnarztpraxis, den Gasthof und eine Ferienhausvermietung. Auch die Fotovoltaik-Anlage wird eigenständig abgerechnet. Zurück zur Landwirtschaft geht es ebenfalls: Im Garten gibt es Ställe mit einem Pony und einem Pferd. Das Wichtigste, sagte Jürgen Löber gleich zu Beginn des Gesprächs, sei aber seine Familie.

Die Geschichte des Hauses:

Wie alt das Fachwerkhaus mit den Eichenbalken und Lehmgefachen ist, steht nicht fest. Ein Familienbesitz von acht Generationen konnte jedoch nachgewiesen werden. Bis etwa 1845 führte der Ackermann und Gastwirt Johannes Herwig den Betrieb, nach seinem Tod folgte Johannes Werner, der zweite Ehemann von Anna Elisabeth, die eine geborene Löwer war. Mit dem Tod von Conrad Werner wurde dessen Frau die Schankerlaubnis entzogen, der Betrieb blieb elf Jahre geschlossen. 1888 erfolgte die Wiedergründung durch Conrad Most, dessen Frau eine geborene Werner war. In den 1920er-Jahren übernahm Fritz Most, 1959 Konrad Most. Von 1971 bis 1998 führten Herbert Löber und seine Frau Inge (geborene Most) den Betrieb, den nun ihr Sohn Jürgen führt. Der Gasthof Most’s, der früher Gastwirtschaft Konrad Most hieß und auch eine kaiserliche Postagentur beinhaltete, hieß später unter anderem Most’s Alte Post. Freitags wird ab 18 Uhr geöffnet, ebenso jeden ersten Donnerstag, Samstag und Sonntag im Monat. Für Vereine, Verbände, Familien- und Trauerfeiern mit bis zu 300 Gästen wird nach Absprache geöffnet. Kontakt: Most’s UG, Jürgen Löber, An der Kirche 1, Söhrewald-Wellerode, Tel. 05608/727, www.mosts.de (mit Sonderöffnungszeiten) (pbw)

Gasthof Most's in Wellerode wird 125 Jahre alt

Von Bettina Wienecke

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