15 Kinder feierten einst im alten Bauernhaus und hatten Freude an Würfel- und Pfänderspielen

Zum Geburtstag gab’s Klöße

Gemeinsames Spiel: Inge Koch mit ihren Freundinnen. Fotos: privat/nh

Baunatal. Zum Kindergeburtstag wurde zur Kaffeestunde am Nachmittag eingeladen. Zu meinem Geburtstag kamen neben meiner Godel, den Cousins und Cousinen noch Kinder aus der Nachbarschaft. Meistens gab es nur einfachen Kuchen, manchmal eine Obsttorte mit Sahne. Das war aber schon etwas Besonderes.

An Geburtstagen konnten wir bei unserer Mutter immer unsere Lieblingsspeise bestellen. Für mich waren das Kartoffelklöße. Diese selbst zuzubereiten war jedoch eine „Heidenarbeit“.

Ich sehe noch heute die beiden Wassereimer, gefüllt mit geschälten Kartoffeln. Die einen wurden gargekocht, die anderen rieb meine Mutter mit der Hand auf der Kartoffelreibe.

Die geriebenen Kartoffeln wurden im Klößebeutel, den jede Familie zur damaligen Zeit besaß, auf der geneigten Sitzfläche eines Stuhles ausgedrückt. Dann mußten die gekochten Kartoffeln noch durch die Handpresse zu Brei gedrückt werden. Von den gerösteten Brötchenwürfeln und den gedünsteten Zwiebeln ganz zu schweigen. Unsere Geburtstagswünsche in dieser Hinsicht wurden stets erfüllt. Irgendwie hat unsere Mutter das geschafft, auch wenn es sicherlich manches Mal über ihre Kräfte ging.

Nette Erinnerungen habe ich an die Kindergeburtstage, die im nachbarlichen Bauernhaus gefeiert wurden. Um einen großen Holztisch waren immer etwa 15 Kinder versammelt. Der Kuchen war für uns nicht das Wichtigste, wohl aber die vielen Würfel- und Pfänderspiele, die unter lautem Spektakel abliefen.

Noch lange Zeit habe ich mich geärgert, dass ich als einzige beim „Gänsespiel“ einen Würfel bekam, der zweimal die Augenzahl 6 aufwies.

Das Spiel begann unter Gelächter und Gekicher. Anfangen durfte der, der mit dem Würfel eine „Eins“ würfelte. Diese Spielregel kam ohnehin recht selten vor. Ich würfelte und würfelte, und der begehrte eine Punkt auf dem Würfel war nicht zu sehen. Viele der Kinder hatten das Spiel bereits beendet, da sie mit ihrer Würfelei mehr „Glück” hatten.

Nun traute ich dem Würfel nicht mehr, untersuchte ihn und stellte seine Fehlerhaftigkeit fest. Doch da war es zu spät, und ich erreichte nur noch den vorletzten Platz.

Gegen 17 Uhr kamen dann noch viele Schüsseln mit den unterschiedlichsten Puddingsorten auf den Tisch – die gesamte Farbpalette war vertreten.

War das eine Freude! Bei unseren Kindern habe ich solchen Nachtisch an Geburtstagen auch serviert, den ich aus meiner Kinderzeit noch in so guter Erinnerung hatte.

http://zu.hna.de/rtdTux

Von Ria Ahrend

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