13 Glocken läuten in Vellmar zu Silvester 15 Minuten lang das neue Jahr ein

Ein Gefühl von Heimat

An einem starken Eisenträger hängen die drei Glocken der evangelischen Kirche Obervellmar, die bis 1959 noch mit einem Seil per Hand geläutet wurden.

Vellmar. Ob man sich von ihnen nun zum Gebet rufen lässt oder nicht: Ihr Klang erreicht das Herz. Und im „ortsüblichen Rahmen“ geläutet, gelten sie vor dem Gesetz hierzulande nicht einmal als Ruhestörung, trotz ihres mächtigen Schalldrucks. Gemeint sind die Kirchenglocken, die jedem vertraut sind und auf die kaum einer verzichten möchte.

Das gilt auch für Vellmar. So werden am heutigen Silvestertag um Mitternacht traditionell wieder die 13 Glocken aller Vellmarer Kirchen für die Dauer von 15 Minuten erklingen, um das neue Jahr zu begrüßen. Angefangen von den jüngsten Glocken der katholischen Heilig-Geist-Kirche bis zur Ältesten, der 570 Jahre alten Glocke in der Obervellmarer Marienkirche.

Verherrlichung Gottes

Glocken sind wie Orgel- und Gemeindegesang, ein Mittel zur Verherrlichung Gottes. Sie sind die „beliebteste Volksmusik“. Es ist nicht zuletzt das vertraute Geläut des Heimatdorfes, an das sich der Mensch in der Fremde erinnert. So berichten zurückgekehrte Kriegsgefangene des Zweiten Weltkrieges davon, dass es das Geläut der Glocken war, das ihnen das Gefühl gab, in der Heimat angekommen zu sein.

In Hessen verdanken wir die ersten Glocken irischen Wandermönchen, die hier schon früh missionierten. Glocken stehen seit über 1000 Jahren ihren Dienst in der Kirche und begleiten die Menschen von der Taufe bis zum letzten Gang.

Doch es sind nicht immer nur kirchliche Anlässe, bei denen die Glocken zu hören sind. Auch bei drohenden Katastrophen werden Kirchenglocken geläutet. So hat die politische Gemeinde das Recht, soweit ein solches auf Grund herkömmlicher Gepflogenheiten besteht, die Kirchenglocken auch zur Warnung bei Bränden, zum Aus- und Einläuten von Märkten und Messen sowie des Schulbeginns oder bei allgemeinen Notständen zu benutzen. Am 4. März 1925 zum Beispiel wurde Reichspräsident Friedrich Ebert beigesetzt. Aus diesem Anlass läuteten in vielen Kirchen die Glocken. Auch in Obervellmar war das Trauerläuten eine Stunde lang zu hören. Mit allen drei Glocken gedachte man des Verstorbenen.

Wie viele Glocken läuten, zu welchen Zeiten und wie lange, regelt die Läuteordnung. Die Obervellmarer Kirchenglocken und weitere Geläute aus der Region sind unter www.hr4.de/ zu hören.

Von Werner Brandau

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