Ehemalige Heckershäuser Schüler erinnerten sich an ihre Einschulung vor 64 Jahren

Gefürchtete Kopfnüsse

Sie besuchten ihre alte Schule: Der Jahrgang 1941 mit Karin Weber (von links), Karl-Heinz Homburg, Karin Dittrich, Alfred Richter, Friedel Beyer, Marlis Niemeyer, Margit Wagner, Peter Baumann, Monika Schade, Karin Musick, Christa Nockert, Inge Damm, Alfred Roß, Erika Roß, Wilfried Damm und Bärbel Ziegler. Foto: Kisling

Ahnatal. Der Respekt vor der Klassenlehrerin war bei Karl-Heinz Homburg stets groß: „Wer gestört hat, konnte schon mal einen Schlag abbekommen. Gefürchtet bei uns Schülern waren auch die Kopfnüsse der Lehrer“, erinnert sich der ehemalige Ahnataler und heutige Pfälzer.

Neben Homburg wurden 37 weitere Schüler des Jahrgangs 1941 im Oktober 1947 in die Grundschule Heckershausen eingeschult. Anlässlich des Jubiläums, alle feiern in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag, trafen sich die ehemaligen Schüler in der Heckershäuser Grundschule.

16 Schüler fanden den Weg nach Ahnatal, zwölf sind bereits verstorben. In aufwendiger Arbeit hatten die beiden Organisatoren des Jahrgangstreffens, Karl-Heinz Homburg und Karin Dittrich, über ein dreiviertel Jahr lang die Adressen ihrer ehemaligen Klassenkameraden gesucht.

„Aus Datenschutzgründen konnten die Einwohnermeldeämter keine Auskunft geben und wir hatten nur eine 20 Jahre alte Liste“, berichtet Dittrich von den Organisationsschwierigkeiten. Letztlich konnten aber außer einer Person alle ausfindig gemacht werden. In Heckershausen erwartete die Jubilare eine Schulführung mit der Heckershäuser Schulleiterin Gerlinde Schlegel. Erstaunt begutachteten die Ehemaligen die bunten Klassenräume.

Wo 1947 Hefte auf den Tischen lagen, stehen heute Notebooks, Smartboards ersetzten bereits einige Tafeln. „Auch die Pädagogik und die Disziplin haben sich verändert. Heute könnten keine 38 Schüler in einem Raum unterrichtet werden“, meinte Schlegel, die das aktuelle Schulleben vorstellte. Schulnoten wie Betragen, Fleiß oder Ordnung gehören längst der Vergangenheit an.

Für ein Schmunzeln sorgten bei den Ehemaligen die Toiletten. Vor 64 Jahren gab es anstatt der sanitären Einrichtungen nämlich noch das als Donnerbalken bezeichnete Plumpsklo. Die Klassengemeinschaft sei von Anfang an problemlos gewesen, erinnert sich Homburg. „Wir waren geschlechtergemischt und konfessionsübergreifend, Probleme gab es nie“, so Homburg.

Karin Dittrich war damals aus Österreich geflohen und hatte in Ahnatal eine neue Heimat gefunden. „Wir Flüchtlinge wurden sofort aufgenommen, es gab nie Integrationsschwierigkeiten“, erinnert sie sich. Bei solch einer funktionierenden Klassengemeinschaft riskierte man mal einen Streich, auch wenn die Konsequenzen häufig schmerzhaft waren.

Von Tobias Kisling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.