Interview: Landrat Schmidt über die Wirtschaftsförderung

Gegen große Lösung

Kreis kassel. Im Sommer scheidet Thilo von Trott zu Solz als Geschäftsführer der maßgeblich von der Stadt und dem Landkreis Kassel getragenen Wirtschaftsförderung Region Kassel (WFG) aus. Gegenwärtig suchen die Anteilseigner nach einem neuen Chef. Auch über eine Neuorganisation wird diskutiert. Wir sprachen mit Landrat Uwe Schmidt (SPD).

Herr Schmidt, die CDU regt an, dass die Wirtschaftsförderung in Nordhessen vereinheitlicht und beim Regionalmanagement angesiedelt wird. Was halten Sie davon?

Uwe Schmidt: Der Vorschlag zeigt aus meiner Sicht, dass bei der CDU wenig Kenntnisse über das Aufgabenspektrum der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Kassel vorhanden sind. Aufgabe der WFG ist es, die Wirtschaftskraft in Stadt und Kreis zu stärken und die wirtschaftsnahe Infrastruktur zu verbessern. Dies erfolgt besonders durch einen direkten und unbürokratischen Kontakt zwischen den Unternehmen und der WFG. Wie so etwas auf nordhessischer Ebene funktionieren soll, erschließt sich mir nicht. Es geht eben nicht um die großen Ansiedlungsprojekte, sondern um die Bestandspflege vor Ort. Auch ein Andocken an das Regionalmanagement Nordhessen macht aus meiner Sicht wenig Sinn, da das Regionalmanagement koordinieren soll, aber nicht in der operativen Wirtschaftsförderung tätig ist.

Kann es überhaupt eine Alternative zu einer wirklich regionalen Vermarktung geben? Interessenten von außerhalb geht es doch zumeist nicht um einen bestimmten Ort, an dem sie sich niederlassen wollen, sondern um die Region.

Schmidt: Auch hier besteht ein Denkfehler: Es geht ansiedlungswilligen Unternehmen immer um einen ganz konkreten Ort, um Logistik, Flächen, gut ausgebildete Fachkräfte und auch um weiche Standortfaktoren wie Kultur und Lebensqualität. Die Arbeit des Regionalmanagements Nordhessen zeigt, dass mit dem Slogan „Die Lage ist gut“ die Region zwar im Allgemeinen vermarktet werden kann – bei konkretem Interesse eines Unternehmens geht es aber um konkret verfügbare Flächen mit gut ausgebauter Infrastruktur. Und das geht nur vor Ort in enger Abstimmung mit den beteiligten Kommunen. Es geht darum, gemeinsam mit den in Stadt und Landkreis tätigen Firmen Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Kassel zu entwickeln.

Dem ausscheidenden WFG-Chef von Trott zu Solz wird vorgeworfen, zu passiv gewesen zu sein. Was erwarten Sie von dem künftigen WFG-Chef?

Schmidt: Die Frage der Effektivität eines Geschäftsführers der WFG misst sich nicht an den Bildern in den Medien, sondern an der konkreten Arbeit, die häufig im Hintergrund stattfindet. Den Passivitätsvorwurf müsste man dann schon mit konkreten Kritikpunkten untermauern. Von dem zukünftigen Geschäftsführer erwarte ich eine enge Verbindung zur kommunalen Wirtschaft und zur kommunalen Politik. In diesem Feld operiert die WFG. Hier ist eine Person gefragt, die mit beiden - Wirtschaft und Politik - kann.

Vieles spricht dafür, dass Vize-Geschäftsführer Kai Uwe Wittrock neuer WFG-Chef wird.

Schmidt: Diese Frage ist noch völlig offen. Die Gesellschafter werden gemeinsam entscheiden, ob eine interne Besetzung erfolgt oder ob ausgeschrieben wird. Für eine eventuell notwendige Interimszeit hat Herr Wittrock als stellvertretender Geschäftsführer Prokura.

Die Höhe der Vergütung für Herrn von Trott zu Solz - 144 000 Euro im Jahr - sorgte für Kritik. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Schmidt: Bei der Höhe einer Vergütung kommt es immer darauf an, ob man sie wert ist. Ich bin mir sicher, dass alle Gesellschafter der WFG ein großes Interesse daran haben, dass bei der Neubesetzung des Geschäftsführer Gehalt und Leistung stimmen.

Von Peter Ketteritzsch

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