Multiple Sklerose: Marianne Moldenhauer für Engagement-Preis nominiert

Gegen Leiden ankämpfen

Optimismus ist ihre Strategie gegen die Krankheit: Marianne Moldenhauer (Bild) schreibt in ihrem Arbeitszimmer regelmäßig den Wegweiser „Kompass“ mit vielen Tipps zum Umgang mit der Erkrankung der Multiplen Sklerose. Foto: Dilling

Baunatal. Mit 22 Jahren erlebte Marianne Moldenhauer einen heftigen Einschnitt in ihrem Leben: Während sie sich mit einem Jura-Studium auf ihre berufliche Karriere vorbereitete, traf sie der erste Schub der Multiplen Sklerose (MS), einer entzündlichen Erkrankung des Nervensystems, der zu starken Einschränkungen in der Mobilität und Feinmotorik führt.

„Ich konnte nicht einmal mehr meinen eigenen Namen schreiben“, sagt die 48-jährige gebürtige Vechtaerin.

Das ist lange her. Ihre Karriere als Sozial- und Medizinrechtsanwältin hat Moldenhauer trotz der heimtückischen Krankheit gemacht, dank einer konsequenten Therapie, wie sie sagt. Sogar Fahrrad kann sie heute fahren. „Optimismus ist meine zweite Krankheit. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, erklärt die Juristin. Diesen Elan verbreitet sie seit rund 15 Jahren unter vielen anderen von MS Betroffenen, gibt ihnen Perspektive. Wegen dieses ehrenamtlichen Einsatzes ist die Wahl-Baunatalerin für den Deutschen Engagementpreis 2013 nominiert worden.

MS hat viele Gesichter und zahlreiche unterschiedliche Verlaufsformen. Das mache es den Betroffenen so schwer, die richtige Therapie und die am besten geeigneten Medikamente zu erhalten, sagt Moldenhauer. Die Juristin, die lange im Vorstand der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) tätig war, gibt seit zwölf Jahren auf eigene Kosten einen Wegweiser für Erkrankte und Interessierte heraus. Da geht es um die richtige Antragsformulierung für Hilfsmittel bei den Krankenkassen, um finanziellen Ausgleich für die krankheitsbedingte Behinderung und um Chancen, durch geeignete Maßnahmen den Arbeitsplatz zu erhalten. Wichtig sei, dass Betroffene sich nicht isolieren und rechtzeitig Hilfsmittel beantragen, die ihnen weiter eine Mobilität ermöglichen.

Moldenhauer will Betroffenen auch die Angst nehmen, dass die Erkrankung zwangsläufig im Rollstuhl enden muss. Leider habe sich nicht unter allen Arbeitgebern herumgesprochen, dass MS-Betroffene noch ein Leistungsvermögen haben, sagt Moldenhauer. Seit sie mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit begonnen habe, habe sich das Informations- und Beratungsangebot für die Betroffenen aber deutlich verbessert, erklärt die 48-Jährige.

Moldenhauer, die viele weitere Broschüren und Texte zum Thema geschrieben hat, ist vor eineinhalb Jahren von Niedersachsen nach Großenritte umgesiedelt, weil sich ihr Mann beruflich verändert hat. In Baunatal geht die ehrenamtliche Arbeit weiter. Die Bundesverdienstkreuzträgerin, die schon die Ehrenamts-Card erhalten hat, hat sich einem Selbsthilfekreis von MS-Betroffenen angeschlossen.

Von Peter Dilling

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