Stadt Vellmar startet Projekt zur flächendeckenden Versorgung mit Defibrillatoren

Gegen plötzlichen Herztod

Schulung: Jan Bischoff vom Standesamt (von links) und Sabine Joyner aus dem Sekretariat des Bürgermeisters gehörten zu den ersten Rathausmitarbeitern, die sich von Christoph Hillus das Anlegen der Elektroden des Defibrillators erklären ließen. Foto: Dilling

Vellmar. Der plötzliche Herztod sei die häufigste Todesursache in Deutschland, sagt der Vellmarer Internist und Kardiologie-Experte Dr. Samir Ragab. Allein in Vellmar dürften ihm statistisch gesehen jährlich etwa 200 Menschen zum Opfer fallen. „Die Hälfte der Patienten war vorher beschwerdefrei“, erklärt der Mediziner.

Vellmar wird seinen Bürgern in Kürze bessere Überlebenschancen bei solch tragischen Herzanfällen bieten: Die Stadt hat im Rahmen der Offensive für ein „Herzliches Vellmar“ jetzt ein Projekt zur flächendeckenden Einführung von Defibrillatoren gestartet. Das sind Geräte, die mit gezielten Stromstößen ein aus dem Tritt gekommenes Herz wieder besser schlagen lassen und in Verbindung mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung den plötzlichen Herztod abwenden können. 15 dieser automatisierten, mobilen Geräte, sogenannte AED-Defibrillatoren, sollen laut Stadtbrandinspektor Wolfhard Eidenmüller in den nächsten zwei bis drei Wochen in öffentlichen Gebäuden wie dem Rathaus, den Bürgerhäusern und dem Hallenbad aufgestellt werden. Seit zwei Jahren entwickelt er mit Ragab und Timo Hausotter vom DRK das Konzept.

30 Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben kürzlich in der Mehrzweckhalle Frommershausen eine Grundeinweisung in die Bedienung und die Herz-Lungen-Wiederbelebung erhalten. Das sei ein „Meilenstein“ des Projekts, sagt Eidenmüller.

Die Stadt hat sich für das Projekt die Krefelder Firma Hillus Engineering als Partner ausgesucht. Die liefert das gesamte Systempaket und stellt den Service sicher. Bei Ausbildung und Beratung der Helfer ist außerdem der Rettungsdienst Kassel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit im Boot. Die Defibrillatoren verfügen über eine Sprach-Software, die dem Laien über eingebaute Lautsprecher jeden Bedienungsschritt erklärt. Beim Einsatz des Geräts wird außerdem sofort automatisch ein Notruf an die Kasseler Rettungsleitstelle abgesetzt. Das spart wertvolle Minuten, die bei Herz-Notfällen entscheidend sind. Im Service ist auch die Schulung von je 15 Helfern enthalten. Die Stadt wird diese auch für die Vereine, die Hallen und Bürgerhäuser nutzen, kostenlos anbieten.

Vellmar lässt sich dieses Projekt zum Schutz der Bürger eine Menge Geld kosten. Das System kostet monatlich 90 Euro pro Gerät. Der Vertrag mit Hillus läuft über sieben Jahre. Ziel der Stadt sei es, in der Endstufe 50 bis 60 Defibrillatoren einsatzbereit zu haben, sagt Eidenmüller. Auch Gewerbetreibende erhalten Gelegenheit, Systempakete zu mieten. Weitere interessierte Bürger können sich laut Eidenmüller später für ein günstiges Entgelt in Wiederbelebungsmaßnahmen schulen lassen. Nach der offiziellen Inbetriebnahme der Defibrillatoren werde es einen Info-Tag für alle Bürger geben.

Von Peter Dilling

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