Joachim Philipp liegt mit Landesamt für Denkmalpflege im Streit um Rechte

Zufallsfund aus dem Mittelalter: Wem gehören Schwert und Beil?

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Foto als Erinnerung: Joachim Philipp aus Kirchbauna hat es aufgenommen, unmittelbar nachdem er das mittelalterliche Schwert (Bild) im Erdreich entdeckt hatte. Er fordert, dass das Schwert und das ebenfalls gefundene Beil in der Region ausgestellt werden.

Baunatal. Das jüngst fertiggestellte Cross-Dock des Volkswagenwerks Baunatal ist auf historischem Grund gebaut: Dort, wo jetzt schwere Lkw abgefertigt werden, befand sich einst die Wüstung Heisterhagen.

Die Denkmalpflege hat dort vor dem Bau des Cross-Dock Mitte 2011 graben lassen, weitgehend vergeblich. So schien es jedenfalls bisher. Außer Scherben sei nichts gefunden worden, teilte die Denkmalpflege der Presse mit (wir berichteten).

Diese Auskunft war wohl so nicht richtig. Auf dem Gelände hat nämlich der Baunataler Lehrer Joachim Philipp zur gleichen Zeit, zufällig, wie er sagt, ein Schwert mit Scheide und ein Beil entdeckt. Diese stammen laut Denkmalpflege wahrscheinlich aus dem Mittelalter und sind von „herausragendem Wert“. Um die beiden Fundstücke streiten der Finder und die Behörde bis heute heftig.

Das Amt habe der Öffentlichkeit den Fund verschwiegen, wohl auch um den reibungslosen Bau des Cross-Dock zu ermöglichen, mutmaßt der Anwalt von Philipp, Henrich Werhahn, und droht dem Amt mit Klage. Das Landesamt bestreitet dies und wirft dem Finder vor, er habe widerrechtlich gegraben. Dieses Verhalten könne mit einer Geldbuße bis 25 000 Euro geahndet werden, heißt es in einem Schreiben.

Wie kam es zu dem Fund und wem steht er zu? Über diese Fragen streiten die Kontrahenten. Fest steht nur, dass die Fundstücke nun im Besitz des Landes Hessen sind und - laut Auskunft der Denkmalpflege gegenüber der HNA - in einer Restaurierungswerkstatt in Wiesbaden liegen. Wann und wo sie ausgestellt werden könnten, lässt das Amt offen.

Zufällig entdeckt

Philipp behauptet, er habe das Beil und das Schwert zufällig entdeckt, als er im Juni 2011 neugierig nachschaute, warum Bagger auf dem späteren Cross-Dock-Gelände Erde beiseiteschoben. Eine Fachfirma hatte damals im Auftrag des Landesamtes eine archäologische Erkundung des Geländes begonnen, um festzustellen, ob dort Schätze von wissenschaftlichem Wert zu finden sind.

Davon habe er nichts gewusst, das sei auch nicht erkennbar gewesen, sagt Philipp. Er habe die Funde alsbald Vertretern der Fachfirma übergeben. Die Denkmalpflege macht geltend, sie habe erst im Dezember 2011 – da wurde schon am Cross-Dock gebaut – von dem Fund Kenntnis erhalten. Vorher habe der Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel keinen Anlass gehabt nachzufragen. Im Übrigen hätte man auch grünes Licht für das Cross-Dock gegeben, wenn man schon früher von dem Fund erfahren hätte.

Ihm gehe es vor allem darum, dass seine Funde öffentlich in der Region präsentiert werden, sagt Finder Philipp. Er bezweifelt außerdem, dass das Land mit der Eintragung ins Denkmalbuch wirklich Eigentümer des Beils und des Schwerts geworden ist.

Die Erklärung der Aneignung durch das Land sei viel zu spät erfolgt. Daher stehe ihm, genauso wie der damaligen Eigentümerin des Geländes, der Stadt Baunatal, ein hälftiger Anteil zu.

Von Peter Dilling

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