In Eschenstruth werden Schüler der dritten Klasse zu Schlichtern ausgebildet

Es geht auch ohne Streit

Wollen ihren Mitschülern bei Problemen helfen: Viviane Chantal Fisseler (9, von links), Ana Veiga Duarte (9), Elisa Schlamelcher (8), Nick Jurisch (9), Leiterin der AG Christiane Uhl, Emma Marie Möller (9), Maya Diederich (9), Mia Dippel (9) und Jenny Jukic (8) lernen, selbst in hitzigen Situationen einen kühlen Kopf zu behalten. Foto:  Grigoriadou

Helsa. „Ich mag keinen Streit“, „Ich will anderen Schülern helfen, wenn sie Probleme haben“, „Ich möchte selber zu wissen, was man bei Streit macht“. Das antworten die Schüler der Arbeitsgemeinschaft (AG) Streitschlichter der Eschenstruther Eschenwaldschule, auf die Frage, warum sie sich gerade in diese AG eingetragen haben.

Die Drittklässler treffen sich seit einigen Monaten einmal wöchentlich mit Christiane Uhl, Mitarbeiterin der Abteilung Dezentrale Erziehungshilfe an der Mönchebergschule in Kassel. „Wir leisten Präventionsarbeit“, sagt die ehemalige Grundschullehrerin. „Die Kinder werden zu Mediatoren geschult. Konflikte gibt es immer. Der Umgang damit macht den Unterschied.“ Es sei nicht nur eine wichtige Erfahrung, die die Schüler an ihren weiterführenden Schulen ausbauen und nutzen können. „Es ist ist eine wichtige Eigenschaft für das Leben“, sagt Christiane Uhl, die auch als Familientherapeutin tätig ist.

Angefangen haben die Kinder nach den Herbstferien. Und seitdem schlichten sie fiktive Streitigkeiten, arbeiten in ihren Arbeitsmappen Regeln durch, jetzt bereiten sie sich auf die Prüfung am Ende des Halbjahres vor. Aber was genau müssen die Streitschlichter tun? Bei einem Streit dazwischen gehen? „Nein. Die Streitenden müssen sich freiwillig und schriftlich anmelden“, erklärt der neunjährige Nick. „Dafür haben wir auch einen Briefkasten.“ Gibt es Gesprächsbedarf, treffen sich immer zwei Streitschlichter mit den Schülern, und erklären ihnen die Regeln des Gesprächverlaufes. Emma zählt auf: Den anderen ausreden lassen, ehrlich sein, keine Beleidigungen oder Vorwürfe und nur wer den Erzählstein hat, darf reden, wir suchen gemeinsam nach Lösungen, bleiben sitzen und machen keinen Quatsch. „Wenn es diese Regeln nicht gibt, würden wir ja keinen Streit schlichten können“, sagt die Neunjährige und lacht. „Außerdem muss der Mediator das Wichtigste immer zusammenfassen“, sagt Ana. Wenn die Streitenden sich nicht an die Regeln halten, wird das Gespräch abgebrochen.

Voraussetzung für einen Streitschlichter ist ein gesundes Selbstvertrauen, sagt Christiane Uhl. „Die Mediatoren müssen selbst cool bleiben können und Interesse daran haben, Konflike zu lösen. Und Empathie ist sehr wichtig.“ Infos: www.schulserver.hessen.de/kassel/moencheberg/

Von Anthoula Grigoriadou

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