Wertstoffe und Restabfälle wurden zwei Monate in einer Tonne gesammelt

Kreis Kassel startete Feldversuch: Gelber Sack soll auf den Müll

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Ungeliebt: Mit den gelben Tonnen will der Landkreis Kassel nichts zu tun haben. Er favorisiert die Abschaffung des gelben Sacks und die Einführung der Wertstofftonne für Restmüll und Wertstoffe.

Kreis Kassel. Seit Jahren ringt der Landkreis Kassel - unterstützt von weiteren Mitstreitern - mit dem Bund darum, im angekündigten neuen Wertstoffgesetz die Genehmigung zu erhalten, den gelben Sack abschaffen zu dürfen.

Wertstoffe und Restmüll würden in diesem Fall in einer einzigen sogenannten Wertstofftonne gemeinsam gesammelt. Denn laut Vizelandrätin Susanne Selbert (SPD) sei es „ökologisch unsinnig“, gelben Sack und graue Restmülltonne parallel laufen zu lassen, während der Abfall später in identischen Anlagen sortiert würde. Der Bund favorisiert jedoch die Einführung einer gelben Tonne.

Susanne Selbert

Aber: „Noch liegt uns kein Entwurf der Bundesregierung vor“, sagt Selbert. Um bis dahin Argumente für die Einführung der Wertstofftonne zu sammeln, hat der Landkreis einen Feldversuch gestartet: 35 ausgewählte Personen praktizierten unter wissenschaftlicher Begleitung zwei Monate lang das System, den gelben Sack wegzulassen und dessen Inhalt zusammen mit dem Restmüll in eine Tonne zu werfen. Erste Ergebnisse stimmten die Vizelandrätin optimistisch: Gerade Haushalte, die ihre Produkte frisch verarbeiteten und zum Beispiel wenig Dosen kauften, kämen sogar ohne ein größere, als die eingesetzte 120-Liter-Tonne zurecht. Dort, wo größere Behältnisse angeschafft werden müssten, soll kostenneutral umgerüstet werden. Denn, rechnet Selbert vor: Wird der gelbe Sack abgeschafft, spare der Kreis pro Jahr knapp eine Million Euro für Beschaffung, Verteilung und Einsammlung der gelben Säcke. Würde jedoch das Modell des Bundes zum Zuge kommen, müsste der Kreis 77.000 gelbe Tonnen neu anschaffen. Dabei ist eines für Selbert klar: Egal welches Modell zum Zuge kommt: „Die Bürger dürfen finanziell nicht zusätzlich belastet werden.“

Weitere Argumente sprechen laut Selbert im Landkreis für die Einführung einer gemeinsamen Tonne für Restmüll und Wertstoffe: Bei der Bioabfallquote des Restmülls erreiche der Landkreis Spitzenwerte in Deutschland. Das heißt: Der Restmüll ist hier weniger verunreinigt, dadurch trockener und besser zu verwerten. Unterstützung haben der Kreis Kassel und seine Mitstreiter inzwischen vom Deutschen und Niedersächsischen Landkreistag erhalten: Beide Institutionen sprachen sich für das Modell einer gemeinsamen Wertstofftonne aus.

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