Gemeinde Lohfelden nimmt Probebetrieb von Biogasanlage auf

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Am Rad: Die Gemeindemitarbeiter Thomas Ackermann (rechts) und Hans-Peter Schäfer öffnen die Schieber für das Biogas. Nach der Aufbereitung wird es zu den Blockheizkraftwerken geleitet.

Lohfelden. Unmengen von Bakterien in der Biogaserzeugungsanlage des Landkreises geben ihr Bestes: Sie machen sich über Essensabfälle und Grünschnitt her und zersetzen die organische Masse. Dabei entsteht Methangas, das sich hervorragend zur Energieerzeugung eignet.

Die Gemeinde Lohfelden bezieht das Biogas und erzeugt daraus Strom und Wärme. Nun wurde der Biogas-Probebetrieb aufgenommen, in einem Vierteljahr soll die volle Leistung erreicht werden.

Dass es so lange dauert, liegt an dem biologischen Prozess. Denn zunächst müssen die Bedingungen in den acht geschlossenen Rotteboxen – Fermenter genannt – geschaffen werden, damit sich die Bakterien gut vermehren. 21 Tage brauchen die Bakterien, um sich durch 230 Tonnen Abfall in jedem Fermenter zu arbeiten.

Schwere Motoren

Doch es funktioniert, die Kleinlebewesen erzeugen mittlerweile wertvolles Gas mit einem Methangehalt von 60 Prozent. Dies wird in drei Blockheizkraftwerken verbrannt. Schwere MAN-Motoren sind das Herz der drei Kleinkraftwerke. Rund um die Uhr verbrennen sie das Gas. Bei einer Leistung von 108 bis 200 kW erzeugen sie 3,6 Mio. Kilowattstunden elektrische Energie pro Jahr, die ins öffentliche Netz eingespeist wird.

Geballte Kraft: Große Motoren verbrennen das Biogas und produzieren dabei Strom. Auch die Abwärme wird genutzt.

Die reichlich entstehende Abwärme wird ebenfalls verwertet und zur Beheizung von öffentlichen Gebäuden im Zentrum von Lohfelden genutzt. Um das Biogas einsetzen zu können, sind mehrere Arbeitsschritte notwendig. Zunächst wird das Gas in einer Aufbereitungsanlage getrocknet, entschwefelt und leicht verdichtet. 3,7-Kilometer-Leitung Dann wird das brennfertige Biogas in einem Gasspeicher mit 440 Kubikmeter Fassungsvermögen gelagert.

Von dort wird es über eine 3,7 Kilometer lange Leitung zu den Blockheizkraftwerken geführt. Dort wird es rückstandsfrei und nahezu CO2-neutral verbrannt. Betreiber der Biogas-Kraftwerke sind die Gemeindewerke Lohfelden. Mit Technik und Wartung sind die Städtischen Werke Kassel betraut.

Mobile Wärmespeicher

Mit dem Probebetrieb sei man sehr zufrieden, sagte Rolf Schweitzer, Leiter der Gemeindewerke. Nun werde man sich um die Vermarktung der überschüssigen Wärme (2,7 Mio. Kilowattstunden) kümmern. Erst sie macht das Projekt auch finanziell zum Erfolg für die Gemeinde. Die Wärme könnte zum Beispiel eingesetzt werden, um im Sommer die Richterhallen zu kühlen. Auch an Industriebetriebe kann Wärme geliefert werden. Möglich wird dies über mobile Latentspeicher – das sind große Container, die mit Salzwasser gefüllt und besonders gut gedämmt sind.

Das Wasser wird bis zu einer Temperatur von 100 Grad aufgeheizt, der Wärmeverlust beträgt nur ein bis zwei Grad pro Tag. Die Heißwasser-Container können per Lastwagen überall hingeliefert werden und dort für Wärme sorgen.

Hintergrund

Strom für 1000 Haushalte Die Gemeinde Lohfelden erzeugt aus Biogas Strom und Wärme. Über eine 3,7 Kilometer lange Leitung wird das Gas zu den drei Blockheizkraftwerken geführt, die das Gas verbrennen.
• Standort Sandwiesen: 108 kW elektrische, 135 kW thermische Leistung
• Standort Bürgerhaus: 173 kW elektrische, 189 kW thermische Leistung
• Standort Richterhallen: 200 kW elektrische, 189 kW thermische Leistung.

 Pro Jahr sollen 3,6 Millionen Kilowattstunden elektrische Energie erzeugt werden, genug für 1000 Haushalte. Sie werden ins öffentliche Netz eingespeist und mit 16 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Zusätzlich werden 4,4 Mio. Kilowattstunden thermische Energie erzeugt. Damit werden Rathaus, Bürgerhaus und die Regenbogenschule sowie (als Prozesswärme) die Biogasproduktionsanlage beheizt.

Nachschub ist gewährleistet: 440 Kubikmeter fasst der Gasspeicher am Standort Sandwiesen bei Vollmarshausen.

Trotzdem bleibt ein Wärmeüberschuss von 2,7 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, er soll nach Möglichkeit vermarktet werden. Abnehmer könnten das Zentrum für Erneuerbare Energien der Firma ZEED (frühere Richterhallen), die Söhreschule und auch Industriebetriebe sein. (hog)

Investition von 7,2 Mio. Euro

Der Kreis Kassel hat 5,5 Mio. Euro in die Biogas-Erzeugungsanlage mit acht Fermentern an der Kompostierungsanlage Sandwiesen bei Vollmarshausen investiert. Die Gemeinde Lohfelden hatte 1,7 Mio. Euro an Kosten, fast eine Mio. Euro davon erhielt sie als Zuschuss aus dem Konjunkturpaket II. Rentabel ist die Biogas-Verwertung in der Anfangsphase nicht, für Lohfelden schlägt ein jährliches Defizit von 50 000 bis 70 000 Euro zu Buche. Daher versucht die Gemeinde mit Nachdruck, den Wärmeüberschuss zu vermarkten. Sollte dies gelingen, sind gute Gewinne möglich. (hog)

Biogasanlagen liefern Strom und Wärme

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