Von Niedersachsen nach Hessen?

Gemeindewechsel: Eine Einladung an Staufenberg

+
Richtungswechsel und ab nach Kassel oder bleibt es, wie ist ist? In Landwehrhagen, dem Kernort der Gemeinde Staufenberg, liegt Kassel mit dem Herkules in Sichtweite.

Kreis Kassel / Staufenberg. Die Frage ist so alt wie die Gemeinde Staufenberg: Wäre Niedersachsens südlichste Kommune angesichts ihrer engen Beziehung zur benachbarten Region Kassel nicht besser in Hessen aufgehoben?

Uwe Schmidt (SPD), Landrat des Landkreises Kassel, hat die Frage jetzt indirekt beantwortet und dadurch die Debatte über einen Wechsel der 8100-Einwohner-Gemeinde wieder angefacht. Er habe Stimmen aus der Nachbargemeinde gehört, sagte Schmidt jetzt beim Empfang zum 40-jährigen Bestehen von Niestetal, die meinten, „dass man im Zusammenhang mit der zurzeit aufkommenden Diskussion über eine Neuordnung in Niedersachsen durchaus für Staufenberg eine Chance sieht, auch hier eine neue Regelung zu finden“. Mit anderen Worten heißt dies: Wenn die Staufenberger nach Hessen wollen, dann sollten sie umgehend die Initiative ergreifen.

Tatsache ist: Von jeher zieht es viele Bewohner der zehn Staufenberger Ortsteile aus den unterschiedlichsten Gründen zu den hessischen Nachbarn (siehe Hintergrund).

Die Debatte um einen Wechsel nach Hessen wird in Staufenberg seit Jahrzehnten immer mal wieder geführt. Im Vorfeld der Gebietsreform im Jahr 1973 votierten im Jahr 1968 98 Prozent der Staufenberger für eine Angliederung nach Hessen. Aber bei der Reform wurde das Votum nicht berücksichtigt.

Besonders stark war der Drang in der damals noch selbstständigen Gemeinde Spiekershausen. Sie wollte sich lieber der Stadt Kassel anschließen als Staufenberg und hatte auch die Unterstützung Kassels. Aber Niedersachsen spielte nicht mit.

Arbeit, Bildung, Freizeit: Die Staufenberger zieht es nach Kassel

Der Faktor Arbeit: Zahlreiche Staufenberger verdienen ihr Geld in der Stadt Kassel, aber auch im Landkreis, darunter bei SMA in Niestetal und bei VW in Baunatal.

Der Faktor Bildung: Die Wilhelm-Leuschner-Schule (WLS) in Niestetal-Heiligenrode ist seit Jahren die wichtigste weiterführende Schule für die Kinder aus Staufenberg. Rund die Hälfte der 700 Gesamtschüler stammt von dort, die WLS arbeitet eng mit den Grundschulen in Landwehrhagen und Uschlag zusammen. Dort gelten die hessischen Ferientermine. Für das Abitur wechseln viele Schüler der WLS auf die Herderschule nach Kassel. Eine große Bedeutung für die Staufenberger hat auch die Universität Kassel.

Der Faktor Freizeit: Auch in der Freizeit zieht es viele Staufenberger in die Region Kassel. Sport (KSV Hessen, Kassel Huskies, Bäder in Kassel und Niestetal), Kultur (Staatstheater, Kulturzelt, Kultursommer Nordhessen) und Feste (Zissel) sind gefragt.

Schritt für Schritt nach Hessen: Vom Ratsbeschluss zum Staatsvertrag

Damit Staufenberg nach Hessen wechseln könnte, wäre beiderseits der Landesgrenze ein kompliziertes politisches Prozedere notwendig. Hier die einzelnen Schritte:

Erster Schritt: Der Rat der Gemeinde Staufenberg bekundet per Mehrheitsbeschluss den Wunsch nach einem Wechsel ins Nachbarland.

Zweiter Schritt: Die Kreistage der Landkreise Kassel und Göttingen votieren für den Wechsel.

Dritter Schritt: Bei der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden und beim Innenministerium in Hannover wird die Änderung der Grenze zwischen den beiden Bundesländern beantragt.

Vierter Schritt: Die beiden Landesregierungen handeln einen Staatsvertrag aus. Es ist der schwierigste Teil des Prozedere, weil in dieser Phase Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden. Am Ende steht ein fertig ausgehandelter Vertrag.

Fünfter Schritt: Die Landtage in Wiesbaden und Hannover stimmen dem Staatsvertrag und damit dem Wechsel zu.

Sechster Schritt: Der Staatsvertrag tritt in Kraft.

Siebter Schritt: Staufenberg wird 30. Kommune des Landkreises Kassel. (ket)

Von Peter Ketteritzsch und Ekkehard Maass

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.