Landwirte im Kreis Kassel lehnen den Anbau von manipulierten Lebensmitteln entschieden ab

Gentechnik? Nein danke!

Bauern machen seit Langem mobil: Die örtlichen Landwirte erklärten bereits im November 2004 Kaufungen zur gentechnikfreien Zone. Initiator Andreas Murek (links) und Ortslandwirt Gerhard Hildebrand (rechts) platzierten damals in der Kaufunger Feldmark ein entsprechendes Hinweisschild. Archivfoto: Meyer/nh

Kreis Kassel. Gentechnisch veränderte Pflanzen werden im Landkreis Kassel auch in Zukunft nicht angebaut. „Ein Erfolg ist, dass ein Netzwerk aller gegründet wurde, die gegen Gentechnik sind. Da arbeitet der Landkreis Kassel mit dem Schwalm-Eder-Kreis zusammen“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Schon 2007 hat der Kreistag eine gentechnikfreie Zone angestrebt. Sie sieht vor, dass auch Schulkantinen und Freizeiteinrichtungen auf Gentechnik verzichten. „Zudem versucht der Gebietsagrarausschuss, den Bauernverband mit einzubeziehen.“ Das sei auf lokaler Ebene gut gelungen.

Für die Landwirte im Altkreis Kassel sei Gentechnik kein Thema, sagt Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. Trotz der Empfehlung zum Verzicht könne jeder Landwirt selbst entscheiden, „aber wir haben hier null Prozent“. Die Landwirtschaft habe von gentechnisch veränderten Sorten keine Vorteile, auch deshalb bestehe kein Interesse. „Die Verbraucher wollen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel“, betont Schulte-Ebbert.

Mit der Problematik der Gentechnik beschäftigt sich auch die Initiative „Gentechnikfreie Anbauregion Kaufungen“, die 2004 ins Leben gerufen wurde. Kaufungen war die erste Kommune im Kreis Kassel, die sich zur gentechnikfreien Region erklärte. Das Ziel des Zusammenschlusses ist es, eine gentechnikfreie Zone im ganzen Landkreis zu schaffen. Mehr als 20 Landwirte haben eine freiwilligen Selbsterklärung unterschrieben, keine gentechnisch veränderten Organismen anzubauen und auch keine gentechnisch veränderten Futtermittel anzukaufen. „Die Selbsterklärung verlängert sich nach einem Jahr automatisch um ein weiteres Jahr – wer das nicht mag, der kann auch aussteigen“, sagt Marianne Schneider, die für die Initiative arbeitet.

Sie selbst ist im Gemüsebau tätig und bestätigt, dass es „unattraktiv“ für die Landwirte sei, Gentechnik anzubauen. Ein großes Anliegen der Landwirte sei, die große Artenvielfalt zu sichern, sagt Schneider.

Im Landkreis gibt es laut Regierungspräsidium (RP) Gießen derzeit keine Gentechnikflächen. Als Überwachungsbehörde ist die Behörde hessenweit zuständig. „Man unterscheidet zwei Anbauverfahren“, sagt Dezernent Dr. Jens Gerlach. Einmal begrenzten Versuchsanbau veränderter und zur kommerziellen Vermarktung noch nicht zugelassener Pflanzen, die sogenannte Freisetzung. Die brauche die Genehmigung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), finde aber derzeit im Kreis nicht statt. Zudem lägen keine Anträge für solche Freilandversuche vor. „Im zweiten Fall kann ein Landwirt gentechnisches Saatgut, das genehmigt ist, uneingeschränkt anbauen, muss das vorab aber dem BVL mitteilen.“ Laut Kühlborn wartet man darauf, dass die EU die Entscheidung an die Regionen überträgt. Dann könnte Hessen verbindlich entscheiden, ob es eine gentechnikfreie Zone bleibt. (bas/bic/jmo) STICHWORT

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.