Geplanter Ausbau der A 7: ADAC kritisiert geringe Fahrbahnbreiten

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Nadelöhr A 7: Die Autobahn soll zwischen der Anschlussstelle Kassel-Ost und dem Dreieck Kassel-Süd von sechs auf acht Spuren erweitert werden. Die Fahrstreifen werden dabei von 3,75 auf 3,50 Meter reduziert. Die Standspur wird statt 2,50 nur noch 2,00 Meter breit sein. Unser Bild zeigt den Blick über die A 7 nach Süden zwischen Lohfelden (links) und Kassel-Forstfeld (rechts). Seit dem Bau der Betongleitwand ist bereits grob sichtbar, wo später die vier Fahrspuren verlaufen werden.

Lohfelden/Kassel. Die A 7 wird zum Nadelöhr: Wenn die Autobahn 44 Dortmund – Kassel – Eisenach in einigen Jahren tatsächlich durchgängig befahrbar sein wird, dann wird auch die Verkehrsbelastung auf der A 7 bei Kassel stark ansteigen.

Statt jetzt 80.000 werden hier dann laut Prognose tagtäglich 105.000 Fahrzeuge unterwegs sein. Um den Verkehr aufzunehmen, soll der Abschnitt zwischen dem Dreieck Kassel-Süd und Kassel-Ost daher von jetzt sechs Spuren auf dann acht Fahrspuren erweitert werden.

Ein Nadelöhr wird die 5,2 Kilometer lange Strecke dennoch bleiben. Denn die Spuren sollen laut Planung schmaler sein als bisher. So sieht der Planfeststellungsbeschluss vom 1. März 2010, der praktisch Baurecht bedeutet, in jede Richtung vier 3,50 Meter breite Fahrspuren und einen Standstreifen von zwei Meter vor. Die übliche Breite auf einer überregionalen Autobahn liegt bei 3,75 Meter und 2,50 Meter für die Standspur.

Kein großer Unterschied, könnte man meinen. Doch beim seitlichen Abstand auf einer Autobahn zählt jeder Zentimeter. Man stelle sich vor: Ein Lastwagen mit Reifenpanne rettet sich auf die Standspur. Ein Lkw ist 2,50 Meter breit, er ragt also einen halben Meter in die erste Fahrspur hinein.

Kein Wunder, dass der Güterverkehrsverband die Planung kritisch sieht. „Das ist sehr sicherheitsbedenklich“, sagt Eugen Jung, stellvertretender Vorsitzender des Verbands Güterkraftverkehr und Logistik. „Man baut etwas Neues, und geht dabei unter den normalen Standard – das scheint mir nicht bis ins Letzte durchdacht“, kritisiert der Lohfeldener Spediteur. Bei einer Standspur von zwei Meter dürfe kein Lkw liegen bleiben, sonst werde es kritisch, eine vernünftige Standspur sei unabdingbar.

Auch der ADAC äußert Bedenken. „Das geht gar nicht“, sagte Jürgen Berlitz, ADAC-Fachreferent für Straßenverkehrsplanung in München auf Nachfrage der HNA. Allenfalls auf einer Stadtautobahn mit einer Begrenzung auf 80 km/h sei ein zwei Meter schmaler Standstreifen denkbar. Auf einer Autobahn wie der A 7 mit Fernverkehrsbedeutung sei dies zu schmal. „Aus Sicherheitsgründen muss er 2,50 Meter breit sein“, sagte der ADAC-Sprecher. „Wenn da ein Lastwagen steht, ist sonst ein Unfall programmiert.“

Er geht davon aus, dass auf der achtspurigen A 7 jeweils die beiden Außenfahrbahnen „durchgängig von Lkw belegt sein werden“. Daher müsse auf jeden Fall auch die erste Fahrspur 3,75 Meter breit sein. Das sieht Horst Sinemus, Pressesprecher des Verkehrsmanagements Hessen Mobil, das für die Planung verantwortlich ist, anders. Die genehmigten Breiten „entsprechen den Richtlinien“, wenngleich die Spuren in der Regel breiter seien, sagt Sinemus.

Von Holger Schindler

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