19-Jähriger wegen eines Tankstellenüberfalls in Weimar zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt

Gericht: Täter fehlte es an Reife

Ahnatal. „Ich kann mir nicht vorstellen, dort wieder zu arbeiten“, sagte eine 42-jährige Frau am Montag als Zeugin vor dem Kasseler Landgericht. Im Dezember vergangenen Jahres war die Tankstelle in Ahnatal-Weimar, in der sie 20 Jahre lang gearbeitet hatte, überfallen worden. Seitdem ist sie krankgeschrieben, Albträume und Schlaflosigkeit plagen sie. Der 19-Jährige, der den Überfall gemeinsam mit einem unbekannten Täter begangen hat, ist am Montag von der 10. Strafkammer zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt worden.

„Wenn ich könnte, würde ich es rückgängig machen“, entschuldigte sich der junge Mann bei der Tankstellenmitarbeiterin, doch rückgängig machen kann er es nicht. Immerhin gestand er seine Tat ein. „Es war nicht geplant und vollkommen spontan.“ Der zweite Täter, dessen Namen er nicht nennen wollte, habe ihn überredet.

Mit einer Sturmmaske und einer Gaspistole ausstaffiert, zog er los, und mit den Worten „Das ist ein Überfall!“ stürmte der 19-Jährige in die Tankstelle. Der 68-jährige Kassierer ließ sich nicht beeindrucken, mit einem Stock ging er mutig auf die beiden Eindringlinge los. Im Handgemenge löste sich ein Schuss aus der Gaspistole, eine Metallkugel traf den Tankwart am Oberkörper, richtete aber keinen Schaden an. Der Angeklagte versetzte dem Tankstellenmitarbeiter jedoch einen Schlag mit der Pistole, sodass der eine Platzwunde am Kopf davon trug.

Die beiden Räuber flohen ohne Beute, wenig später wurde der 19-Jährige von der Polizei festgenommen. Der 68-Jährige trug nur eine leichte Wunde davon, auch die psychischen Folgen scheinen – anders als bei seiner Kollegin – gering zu sein. „Ich arbeite weiter, Angst habe ich keine.“

Als Grund für den Überfall nannte der 19-Jährige am Montag seine Drogensucht, er habe Geld für Nachschub gebraucht. Das war auch die Begründung für zwei weitere Taten, die er gestand: Er stahl einem Bekannten den Geldbeutel mit Bargeld, Papieren und EC-Karten und hob von dessen Konto Geld ab.

Ein Polizeibeamter, der den Angeklagten nach dem Tankstellenüberfall verhaftet hatte, erinnerte sich als Zeuge vor Gericht nicht an Anzeichen für einen Drogeneinfluss oder Entzugserscheinungen. „Sie begehen keine Straftaten, weil sie Drogen brauchen, sondern weil sie keine Grenzen kennen“, sagte der Vorsitzende Richter dann in seiner Urteilsbegründung. Verminderte Schuldfähigkeit wollte er dem Angeklagten lediglich bei dem Diebstahl der Geldbörse zugestehen, für den Tankstellenüberfall könne das jedoch nicht angenommen werden.

In das Urteil vom Montag bezog das Landgericht eine Strafe ein, die der 19-Jährige wegen einer versuchten Vergewaltigung kassiert hatte, er stand am Tag des Tankstellenüberfalls noch unter Bewährung. Für die 10. Kammer war jedoch klar, dass der 19-Jährige wegen „deutlicher Reifedefizite“ nach Jugendrecht behandelt werden musste. (pas)

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