Immer weniger Sängerinnen

Gesangverein Altenbauna: Nach 141 Jahren droht das Aus

Einsatz für die Sängerinnen: Der Gesangverein 1871 Altenbauna mit dem musikalischen Leiter Thomas Erler bei einem Gruppenchorkonzert im Jahr 2010. Da waren die Zeiten noch besser. Archivfoto: Dilling/nh

Baunatal. „Ich will nicht das Licht ausmachen“, sagt Gisela Schüttler. Die 1. Vorsitzende des Gesangvereins 1871 Altenbauna bangt um den Fortbestand des Chors. Die Zahl der Sängerinnen nimmt aus Alters- und Gesundheitsgründen immer stärker ab.

Noch sind es 23, aber weiterer Rückgang droht. Doch Schüttler und ihre Mitstreiterinnen wollen diese Entwicklung, die auch andere Gesangvereine ereilt, nicht einfach hinnehmen – deshalb ergeht ihr Hilferuf an die Öffentlichkeit. Voriges Jahr feierte der Verein, der einst in erster Linie ein gemischter Chor war, 140-jähriges Bestehen. Nach dem Erfolg des Konzerts damals, so sagt Schüttler, habe man noch erhofft, dass sich daraufhin jüngere Frauen anschließen. Doch niemand kam nach, während einige ältere und gesundheitlich angeschlagene Sängerinnen nach dem Jubiläum aufhörten. Auf 20 Briefe an frühere Mitglieder meldete sich – nach zehn Jahren Sangespause – allein Helga Werner, sie kämpft nun mit Schüttler und der 2. Vorsitzenden Elvira Bülo fürs Weiterleben des Chors.

Dem steht noch ein weiterer Einschnitt bevor. Chorleiter Thomas Erler geht Ende Juni in Ruhestand – und einige Mitglieder werden sich wohl nicht mehr an einen neuen Dirigenten gewöhnen wollen.

Zehn neue wären gut

„Zehn neue Sängerinnen wären gut“, sagt Schüttler. Damit könne man alle Stimmen gut besetzen: erster und zweiter Sopran, erster und zweiter Alt. Auch sei Verjüngung dringend geboten bei einem Durchschnittsalter von 68 bei einer Palette von 40 bis 82 Jahren. „Wir drei gehören zu den Jüngsten“, sagt Schüttler (63) mit Blick auf Werner (62) und Bülo (61).

So leer soll es nicht werden: Helga Werner (von links), Elvira Bülo und Gisela Schüttler am Klavier vor verwaisten Stühlen im Vereinshaus Altenbauna. Dort im Saal proben die Sängerinnen jede Woche. Foto: Jünemann

Allerdings: Um jeden Preis soll die Zukunft nicht erkauft werden, verbiegen werde man sich nicht, betonen Werner und Bülo. Schlager, Pop und Rock – das sind keine Alternativen für den Frauenchor. „Wir wollen traditionell bleiben“, sagt Schüttler. Sprich: Klassisch mit Volksliedern, mit Brahms, Beethoven und Zelter soll das Repertoire bleiben. Davon abweichen würde der Verein nur bei einer sehr starken Verjüngung. Denkbar ist für das Trio darüber hinaus, zweigleisig zu fahren – mit älterem und jüngerem Chor. Selbst ein gemischter Chor, wie es ihn bis Anfang der 2000er-Jahre gab, wäre möglich. Alles Notenmaterial dafür sei noch da, so Schüttler. Sie hat im Übrigen weniger Sorge darum, einen neuen Chorleiter zu finden. Das werde sicherlich gelingen.

Das Singen ist das eine. So ist Helga Werner zwar vor allem zurückgekehrt, „weil ich Spaß an der Musik habe“, aber auch wegen der Gemeinschaft. „Die liegt uns am Herzen“, ergänzt Bülo. Fahrten, bunter Abend, Weihnachtsfeier – das gehört zum Vereinsleben dazu. Und ebenso, dass Auftritte ein Motto erhalten. Das Aussuchen von Kostümen und Dekorationen macht nämlich auch viel Spaß.

Kontakt (auch für Chorleiter): Gisela Schüttler, Telefon 05 61/49 59 01; Übungsstunden: Donnerstag 19.30 bis 21.30 Uhr, Vereinshaus Altenbauna, Am Erlenbach 5.

Von Ingrid Jünemann

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