Kleinkaufhaus Apel war Institution im Ihringshäuser Einzelhandel – Familienbetrieb seit 88 Jahren

Kleinkaufhaus Apel: Geschäft der tausend Dinge gibt auf

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Hören auf: Heidi und Lothar Apel schließen ihr Kleinkaufhaus. Am 10. Januar endet eine 88-jährige Familiengeschichte.

Fuldatal. Die Tage sind gezählt, am 10. Januar soll endgültig Schluss sein. Dann schließt das Kleinkaufhaus Apel seine Türen.

Mit dem Kaufhaus Apel verschwindet ein wichtiger Baustein der Ihringshäuser Geschäftswelt, die bisher mit ihrem Mix an inhabergeführtem Einzelhandel punktete.

„Es fällt schon schwer, der Kontakt mit den Kunden und die Gespräche werden uns fehlen“, sagen Lothar und Heidi Apel, die das Geschäft führen. Ihre Kunden kommen aus der ganzen Region, denn einen Laden wie ihren, mit diesem Sortiment, gebe es nur noch in Kaufungen und Korbach.

Vor 88 Jahren, 1923, gründete Karl Apel eine Eisenwarenhandlung im Haus Veckerhagener Straße 104 auf 30 Quadratmetern. Ein Jahr später übernahm dessen Sohn Heinrich, wie der Vater Schmiedemeister, das Geschäft.

Eisen- und Drahtwaren, Besen, Badewannen, Herde und Öfen gehörten zum Sortiment, später die ersten Waschmaschinen, Milchzentrifugen, die die Butterstampfer ablösten, und Fahrräder, sagt Lothar Apel. Der übernahm das Geschäft nach dem Tode seines Vaters Heinrich 1971. Sein erster Arbeitstag im Familienunternehmen lag da schon Jahre zurück.

Lager bei Großfeuer vernichtet

Es war der 6. Juni 1959, sagt der heute 70-Jährige. Jener denkwürdige Tag in der Firmengeschichte, als das Geschäftshaus und das fünfstöckige Lager bei einem Großfeuer vernichtet wurden. „Vier Jahre habe ich nur Schutt geschippt“, sagt der Kaufmann. 1964, der Betrieb war ohne Unterbrechung weitergelaufen, stand das neue, größere Geschäft. 1979 folgte mit dem Flachdachanbau die nächste Erweiterung auf bis heute 1000 Quadratmeter Verkaufs- und Lagerfläche.

Anfang der 80er-Jahre brummte der Verkauf von Porzellan, Bestecken, Hausrat, Spielwaren und Fahrrädern im „Fachgeschäft der tausend Dinge“, ein Slogan, der bis heute an der Fassade steht. Auch von der Grenzöffnung profitierten Apels. Nach der Jahrtausenwende aber kam der Einbruch.

Seit zehn Jahren sei deutschlandweit der Umsatz bei Glas, Porzellan und Bestecken um 80 Prozent zurückgegangen. Zum Ladensterben in der Branche haben laut Firmenchef längere Geschäftszeiten, die er nicht umsetzen konnte, der Verkauf von Haushaltswaren „ohne Beratung und Service“ in Bau- und Lebensmittelmärkten sowie der Kauf per Internet vor allem bei jungen Menschen beigetragen.

Wäre das Haus nicht im Familienbesitz, hätten Apels vielleicht schon früher aufhören müssen. „Die letzten Jahre war das Geschäft quasi Hobby“, sagt die 68-jährige Geschäftsfrau. Eines mit bis zu 60 Wochenstunden Arbeit und maximal einer Woche Urlaub am Stück. Dann sprangen die Mitarbeiter ein, aktuell sind es vier Damen.

Da Tochter und Sohn in anderen Branchen selbstständig sind, fehlt Apels ein Nachfolger aus der Familie. So bleibe nur der Ausverkauf, der ab übermorgen startet. Wenn im Januar dann Schluss ist, wollen Lothar und Heidi Apel es ruhiger angehen lassen, viel zusammen Golf spielen und reisen. „In der Heimat, nicht um die Welt“, sagt sie. „Und in Europa“, ergänzt der Geschäftsmann.

Von Michael Schräer

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