Seit fünf Jahren findet in Ahnatal bereits „Männer lesen für Jungen“ statt – Mitstreiter gesucht

Geschichten auf Stroh im Kerzenschein

Bieten Leseabende an: Erzähler Bruno Weidner (links) und Organisator Wolfgang Blenkle setzen dabei auf eine besondere Atmosphäre Foto: Kisling.

Ahnatal. Strohballen, Kerzenschein, warmer Tee und Plätzchen. Dazu die Stimme von Bruno Weidner, der es versteht, seine Zuhörer in den Bann einer Geschichte zu ziehen.

So gestalten sich häufig die Leseabende „Männer lesen für Jungen“, die die Gemeinde Ahnatal im Zwei-Wochen-Rhythmus anbietet. Vor fünf Jahren rief Jugendarbeiter Wolfgang Blenkle das Projekt ins Leben und ist stolz auf die Entwicklung: „Die Leseabende finden eine gute Resonanz. Die Gruppe ist meist nicht zu groß, sodass sich eine gute Möglichkeit bietet, über die Gefühle und Erlebnisse des Gehörten zu diskutieren“, erläutert Blenkle.

Dass der Großvater zuhause noch Gescgang und gäbe war, komme immer weniger vor. Dabei seien insbesondere Märchen altersübergreifend und weckten neue Gefühle.

Besondere Atmosphäre

Zwischen acht und zwölf Jahren seien die Zuhörer in der Regel alt, berichtet Blenkle. Der Jugendarbeiter ist zudem stets auf der Suche nach neuen Vorlesern. „Neue Vorleser bedeuten neue Stimmen und neue Geschichten“, so Blenkle. Vorlesen könne jeder. Allerdings sei es wichtig, eine besondere Atmosphäre zu schaffen und der eigenen Sprache eine Melodie zu verleihen.

„Neue Vorleser bedeuten neue Stimmen und neue Geschichten.“

Jugendarbeiter Wolfgang Blenkle

eit der Gründung haben zehn Männer für Jungen gelesen. Einer von ihnen ist Bruno Weidner. „Ich schätze Brunos Lesekünste sehr, da es ihm wie kein zweiter gelingt, die Jungen mit seiner Geschichte in einen Bann zu ziehen“, lobt Blenkle.

Für den 70jährigen Weidner ist das Vorlesen zu einem Lebensinhalt geworden. „Nach dem Tod meiner Frau vor zwei Jahren habe ich etwas gesucht, was mich zufriedenstellt, zugleich aber auch anderen etwas bringt“, erläutert der Rentner. Mit Märchen habe er das gesamte Leben über Kontakt gehabt. Mit sechs Jahren las Weidner sein erstes Buch – die Grimmschen Märchen. Ein Jahr später las der Schüler bereits im Kindergarten vor.

Auch im Beruf brachte er seine Leidenschaft ein: Als Meister einer Reparaturabteilung verfasste er Bedienungsanleitungen, fabrikinterne Literatur und technische Bücher. Mittlerweile hält Weidner rund 7200 Märchen – darunter arabische, dänische, rumänische, uigurische und tschechische – parat. Wenn er an den Abenden vorliest, beginnt er bereits eine Woche im Vorfeld, sich für ein Märchen zu entscheiden und dieses so umzuschreiben, dass es in den zeitlichen Rahmen einer Stunde passt. Der nächste Leseabend findet Ende Januar statt. (ptk)

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