Vier Senioren liefern sich jeden Montag ein Tennis-Doppel: Drei von ihnen sind über 80

„Geschont wird keiner“

Beim Aufschlag: Klaus Moll. Foto: Habich

Espenau/Fuldatal. Klaus Moll wirft den Ball hoch in die Luft, holt mit dem Schläger weit aus und drischt die gelbe Filzkugel übers Netz. Moll ist 82 Jahre alt, legt aber noch einen ordentlichen Aufschlag hin. Seit Jahren spielt er Tennis im Doppel mit drei Freunden – die zum Teil noch älter sind als er.

Jeden Montagmorgen ist in der Tennishalle Espenau für Klaus Moll und seine Trainingspartner Werner Fest (84), Walter Grigat (78) und Erich Schade (84) ein Platz reserviert. Moll ist Mitglied im TSV Rothwesten, wie der Aufdruck auf seinem Polohemd verrät. Auch Erich Schade gehört dem TSV an. Fest und Grigat sind Mitglieder von Rot-Weiß-Gelb Fuldatal.

Dort auf der Tennisanlage spielen die betagten Herren ab Mai auch wieder im Freien, die Halle in Espenau ist nur das Winter-Ausweichquartier. Normalerweise spielen die Senioren keine Turniere mehr. „Sie stehen aber auf meiner Ersatzliste“, sagt Fritz Bode, der die 70-Plus-Mannschaft des TC Rot-Weiß-Gelb betreut. Wenn jemand ausfällt, könnte ich mir vorstellen, einen von ihnen zu fragen.“

Ihr Alter sieht man den Senioren nicht an. „Sport hält eben jung“, sagt Klaus Moll. Er ist der sportlichste der Männer: Mehrmals war er in seiner Altersklasse deutscher Meister im Diskuswerfen. „Außerdem mache ich noch Kugelstoßen und Weitsprung“, erzählt Moll.

Das Treffen am Montag ist bei dem Quartett fest eingeplant. „Ich freue mich jedesmal darauf“, sagt Erich Schade. Es sei eine gute Motivation, sich aufzuraffen, wenn es mal nicht so gut geht. Denn frei von körperlichen Leiden sind die Senioren bei aller Sportlichkeit nicht. „Ich hatte schon einen Infarkt, jetzt trainiere ich weiter, mit Bypässen“, erzählt Werner Fest. Auch im Alltag pflegt er eine eher jugendliche Lebensweise. Er fährt Motorroller, vor zwei Jahren hat er ein Boot gebaut und demnächst verreist der 84-Jährige nach Amerika.

Kein Arzt hat den Männern bis jetzt vom Sport im Alter abgeraten, eher im Gegenteil, sagen die vier. Doch ab und zu müssen sie selbst darauf achten, sich nicht zu überfordern. „Manchmal ist man zu ehrgeizig und will mehr leisten, als man kann“, sagt Walter Grigat.

Immer wenn einer der vier ausfällt, springt Fritz Bode ein. Er liegt mit 72 Jahren deutlich unter dem Altersdurchschnitt der Gruppe. „Meist gewinnt dann zwar die Mannschaft, in der ich spiele“, sagt Bode. Aber: „Geschont wird hier keiner. Das würden wir auch gar nicht wollen“, beteuern die Senioren.

Von Irene Habich

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