Auch Menschen in Pflegeheimen werden aktiviert – Lehrer fehlen

Seniorentanz erlebt Boom im Kreis Kassel

Tanzfest auf dem Sensenstein: Martha Fröhlich (Zweite von links) aus Baunatal tanzt seit Jahren begeistert in einer Gruppe von Altersgenossinnen und schätzt dabei die Geselligkeit. Fotos:  Dilling

Kreis Kassel. Zwei riesige Kreise aus älteren Damen, in deren Reihen sich ein paar ergraute Herren verlieren, bewegen sich im Dreivierteltakt.

170 Tänzerinnen und Tänzer gleiten anmutig zu dem Rhythmus von „Tip of my fingers“ durch die Sporthalle in der Jugendbildungsstätte Sensenstein, drehen sich um ständig wechselnde Partnerinnen. Die Schrittfolgen sehen kompliziert aus. Doch kaum einer gerät aus dem Takt.

„Das ist für mich wie Gehirnjogging“, sagt Heinrich Kaster. Den sportlichen 64-Jährigen aus Hessisch Lichtenau hat seine Frau für den Tanz begeistert.

Walzer, Samba, Squaredance, Volkstanz. All das kann man auch noch im hohen Alter tanzen, mit gemächlicheren, abgewandelten Schrittfolgen und zur Not sogar im Sitzen.

Wie anmutig das aussieht, war beim Tanzfest des Bundesverbands Seniorentanz auf dem Sensenstein zu beobachten. „Die Nachfrage nach Seniorentänzen ist enorm. Das liegt auch daran, dass die Menschen immer älter werden“, sagt die Landesvorsitzende Gisela Floß aus Schauenburg. Sie ist selbst Arbeitskreisleiterin und Ausbilderin.

Mit Tanz könne man sogar Bewohner von Pflegeheimen „total aktivieren“, erzählt sie. Sie übt häufig mit den Senioren im Elgershäuser Altenheim: „Tanzen im Sitzen“ wird seit 2007 für diejenigen angeboten, die sich bewegen möchten, auch wenn die Beine nicht mehr so recht wollen.

Seniorentanz befriedigt laut Floß gleich mehrere Bedürfnisse älterer Menschen: Man brauche im Gegensatz zum Gesellschaftstanz keinen festen Partner, der im hohen Alter oft schon gestorben ist.

Die vielfältigen Schrittfiguren förderten das Konzentrations- und Koordinationsvermögen. Und durch den Tanz in einer großen Gruppe erlebe man Geselligkeit. „Die soziale Komponente spielt eine große Rolle“, betont Floß.

Leider gebe es zu wenig Lehrer für Seniorentanz, sagt die Landesvorsitzende.

Immer weniger Frauen seien bereit, ihre Zeit zu opfern und Geld in die Ausbildung zu investieren. Das sei vor Jahren noch anders gewesen.

Informationen und Kontakt in Ausbildungsfragen für Seniorentanz: Gisela Floß, Telefonnummer 0 56 01/ 17 12, www.seniorentanz.de

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