Gut getarnt auf der Vogelpirsch

Mit der Kamera auf der Lauer: Karl-Heinz Germandis Hobby ist Naturfotografie

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 Karl-Heinz Germandis Leidenschaft ist die Tierfotografie.

Vellmar. Der Akkuschrauber rattert. Langsam dreht sich die Schraube durch den Fleischbatzen. Karl-Heinz Germandi ist zufrieden. Das Fleisch sitzt fest auf dem Baumstamm. Er lockt damit seine Lieblingsmotive, die Greifvögel.

„Die sehen das aus 1000 Meter Höhe“, deutet er mit dem Zeigefinger gen Himmel. Was für eine Sorte Fleisch er verarbeitet, will der Hobbyfotograf nicht verraten. „Das ist mein Geheimnis, mein Erfolgsrezept“, sagt er. Nur so viel: Jeden Tag verschraubt er ein Kilo.

Germandi steht auf einem Privatgrundstück in der Nähe von Schloss Wilhelmsthal. Auf dem Gras liegen faule Äpfel. Einige sind angefressen. „Das sind die Waschbären“, sagt Germandi. „Die zerrupfen mir immer alles“. Der Rentner blickt auf seine Kunstlandschaft. Auf drei Quadratmetern hat er mit Totholz ein Waldgebiet nachgebaut. In die Äste sind kleine Löcher gebohrt. In die schmiert Germandi eine Mischung aus Fett und Hafer. Noch ein Geheimrezept. Amseln, Stare, Spechte - 30 Vogelarten hat Germandi so schon angelockt. Von seiner Tarnhütte aus hat er sie fotografiert.

Sechs Stunden

 Karl-Heinz Germandis Leidenschaft ist die Tierfotografie.

Seit drei Monaten ist er jeden Tag hier. Sechs bis sieben Stunden sitzt er auf dem umgebauten Hochsitz. „Es ist wie zur Arbeit gehen“, sagt Germandi. „Man muss nach so vielen Stunden immer noch auf Zack sein.“ Verpasste Foto-motive gibt es trotzdem viele. Das ärgert ihn. „Manche Tiere bekomme ich so im Leben nie wieder vor die Linse.“

In seiner ein Quadratmeter großen Hütte hat er nur das Nötigste. Ein Tarnnetz, ein Thermometer, Schokolade und Salzstangen für den kleinen Hunger zwischendurch. Auf dem Boden steht seine selbst gebaute Heizung: 20 Teelichter. „Mit denen kann ich die Hütte auf 22 Grad erwärmen“, sagt Germandi. Schlechtes Wetter gibt es für ihn nicht.

Tierfotografie ist Leidenschaft

Schön früh begeistert sich Karl-Heinz Germandi für die Fotografie. Vater Hans hat sich als Chronist des kriegszerstörten Kassel einen Namen gemacht. Er fotografierte die Stadt, als sie in Trümmern lag. Karl-Heinz Germandis Leidenschaft ist die Tierfotografie. Am liebsten fotografiert er die nordhessische Tierwelt. Die wird nach seiner Meinung vernachlässigt. „Vor der Haustür fängt die Fotografie an“, sagt er.

Und so wird ihm nach drei Monaten in der Schutzhütte nicht langweilig. „Hier gibt es jeden Tag etwas anderes zu sehen“, schwärmt Germandi. Zum Schluss verrät er doch noch ein Rezept - das für gute Fotos: Glück und einiges fotografisches Können.

Fotostrecke: Bilder von Naturfotograf Karl-Heinz Germandi

Bilder von Naturfotograf Karl-Heinz Germandi

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