Ertragseinbußen befürchtet – Sommer war zu feucht, Getreide muss getrocknet werden

Getreide-Ernte läuft immer noch

Weizenernte: Landwirt Karl-Heinrich Nägel fährt mit dem Mähdrescher über sein Weizenfeld an der A7 bei Lohfelden. Die Staubwolken kommen durch das nun doch einigermaßen trockene Stroh, das durch den Mähdrescher geführt wird. Auf Schimmelbefall der Ähren – wie vereinzelt vermutet – ist der Staub nicht zurückzuführen, heißt es. Mit dem Traktor (rechts) wird der Acker anschließend aufgelockert, damit das Stroh schneller verrottet. Fotos: Wohlgehagen

Kreis Kassel. Die Getreide-Ernte in Nordhessen ist nach dem regenreichen August auch Mitte September noch nicht abgeschlossen. Es steht noch Weizen und Gerste auf den Feldern, auch im Kasseler Osten.

Die Landwirte rechnen mit Ertragseinbußen. „Wir hatten im Frühjahr viel Sonne, die Wetterlage hat sich nach hinten verschoben“, sagt Landwirt Karl-Heinrich Nägel aus Lohfelden, der die letzten seiner insgesamt 80 Hektar großen Getreideflächen erst in diesen Tagen abgeerntet hat. Jetzt muss das gedroschene Korn mit hohen Energiekosten getrocknet werden, um die Qualitätsvorgaben des Handels zu erfüllen.

Bei Erich Schaumburg auf Gut Windhausen waren zuletzt noch 17 Hektar mit Getreide abzumähen. „Wir wollten in der vergangenen Woche weitermachen, kamen aber mit den Fahrzeugen nicht auf die durchnässten Felder“, sagte der Landwirt aus Niestetal.

Im Juli hatte Erich Schaumburg die Ernte-Erwartungen in seiner Funktion als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes wegen des guten Wachstums noch grundsätzlich positiv beurteilt. Nach dem vielen Regen fällt sein Fazit jetzt differenziert aus: „Ganz im Norden und ganz im Süden Deutschlands ist die gute Ernte eingetroffen.“ In Nordhessen treffe das aber nur für das Getreide zu, das gestanden habe und rechtzeitig abgeerntet werden konnte, sagte Schaumburg.

Der erfahrene Landwirt bedauerte, dass beispielsweise ein Großteil des Weizens ausgewachsen sei und nur noch minderen Qualitätsansprüchen genüge. Von ausgewachsen spreche man, so Erich Schaumburg, wenn die Körner in der Ähre neue Keime bilden und wieder wachsen wollen.

Auch sinkende Erlöse machen den Bauern in diesem Jahr zu schaffen: Der Preis für Normalweizen ist von 20 Euro im Vorjahr auf 15 Euro gefallen.

Den Landwirten in unserer Region bleibt nun die Hoffnung auf ein paar trockene Tage und auf die Chance, das Getreide doch noch mähen und dreschen zu können. Dann könnte es wenigstens als Futtergetreide oder in Biogas-Anlagen verwertet werden.

Ein zusätzliches Problem haben die hiesigen Bauern mit dem Raps-Floh und Schnecken, die große Teile des im August ausgesäten Winter-Rapses bereits vernichtet haben. „Wir dürfen das Saatgut nach der neuen Rechtslage nicht mehr mit Insektenschutz behandeln“, sagt Bauernverbandschef Schaumburg. Die zweite Aussaat habe neue Kosten verursacht.

Wer wegen der verspäteten Ernte gar keinen Raps mehr in die Erde bekommen habe, müsse für 2015 auf andere Getreidearten umsteigen. Das sei so nicht vorhersehbar gewesen, meint Schaumburg. Denn immerhin stehe Raps bei den Anbauflächen in der Region hinter Weizen und Gerste an dritter Stelle.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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